Selbst der Tabakladen wird rauchfrei

Am 1. Mai tritt das Rauchverbot in Kraft. Es gilt nicht nur in Restaurants, sondern auch in allen Verkaufsgeschäften. Zürcher Tabakhändler finden das grotesk und sind verunsichert.

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Zürich - Für René Wagner ist der kommende 1. Mai ein Tag, den er am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Der letzte selbstständige Tabakhändler Zürichs wird ab diesem Datum sein Geschäft an der Storchengasse anders führen müssen, als er es gewohnt ist. Und das ärgert ihn gewaltig.

Am 1. Mai tritt das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft. Es sieht ein Rauchverbot für geschlossene Räume vor, die öffentlich zugänglich sind. Betroffen sind neben Gastrobetrieben auch Einkaufszentren und Verkaufsläden, wie das Tabak-Lädeli, das Wagner als Familienbetrieb in der Altstadt betreibt. Es ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt; sogar aus Russland, Brasilien und Australien kommen die Raucher.

«Völliger Verhältnisblödsinn»

René Wagner darf seiner Kundschaft zwar noch Zigaretten, Zigarren und Pfeifen verkaufen, aber diese im Laden nicht mehr anzünden. Und der Kunde darf das Geschäft nicht mehr rauchend betreten. Wagner: «Das neue Gesetz bedeutet für mich einen gewaltigen Einschnitt in mein Geschäftsleben.» Der Einbau eines Fumoirs ist für ihn keine Lösung. Sein Ladenlokal ist mit 20 Quadratmetern zu klein, das Haus steht unter Denkmalschutz. Er sei nicht prinzipiell gegen das Gesetz und durchaus einverstanden, wenn in einem Speiserestaurant nicht mehr geraucht werden dürfe, sagt Wagner. Aber: «Die Degustation von Raucherware in Fachgeschäften für Raucherwaren zu verbieten, ist doch ein völliger Verhältnisblödsinn.» Wagner befürchtet einen Umsatzrückgang, denn viele Kunden wollten vor dem Kauf einer Kiste Zigarren zuerst ein Musterexemplar zur Probe rauchen. «Wenn ich 20 Flaschen einer bestimmten Weinsorte kaufe, degustiere ich vor dem Kauf ja auch zuerst den Wein.»

Auch bei Zigarren Dürr am Bahnhofplatz, dem grössten Geschäft dieser Art in Zürich, löst die Neuerung keine Freude aus. «Viele unserer Kunden wissen nichts vom neuen Gesetz und sind völlig perplex, wenn wir sie aufklären», sagt Filialleiter Niklaus Wilhelm. Man wolle in den ersten Wochen nach der Einführung die Reaktionen der Kundschaft beobachten und abwarten. Der Einbau eines Fumoirs ist vorläufig kein Thema. «Es wäre zwar eine Lösung», so Wilhelm, «aber sie ist bautechnisch nicht einfach zu realisieren.»

Die Firma Dürr betreibt in der Schweiz 30 Tabakläden, unter anderem in Zürich und Winterthur. Laut Geschäftsführer Günther Muhr schiesst das Gesetz bei den Tabakgeschäften über das Ziel hinaus. «Selbst in Amerika, wo das Rauchergesetz viel strenger ist als in der Schweiz, darf man in Tabakgeschäften rauchen.» Er findet die Situation bizarr. Beharrt ein Kunde darauf, eine Probezigarre zu rauchen, muss er dies draussen vor dem Geschäft erledigen. «Das wird sich wohl auf den Umsatz auswirken.» Aber Muhr will nicht provozieren. «Wir werden das Gesetz befolgen, obwohl unsere Kunden den Kopf schütteln.» Fumoirs sind auch für Muhr keine Option. Die meisten der 30 Filialen seien für einen solchen Einbau zu klein.

Kanton duldet keine Ausnahme

Wenig Verständnis für die Tabakhändler bekundet die Zürcher Regierung. Der Kanton könne beim Vollzug kein Auge zudrücken, sagt Walter Dietrich, Leiter der Rechtsabteilung auf der Gesundheitsdirektion. «Ausnahmen werden keine toleriert. Wir müssen alle Geschäfte gleich behandeln.» Wer gegen das Rauchverbot verstosse, werde verzeigt und könne mit einer Busse bis 1000 Franken bestraft werden.

Solche Sätze sorgen bei Tabakhändler Wagner und seinen Kollegen für rauchende Köpfe. Ob er das Rauchverbot in seinem Laden befolgt, lässt Wagner offen. «Garantieren kann ich das nicht.» Noch darf René Wagner in seinem Tabakladen rauchen. Ob er das Verbot ab 1. Mai befolgt, lässt er offen. Foto: Sophie Stieger (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2010, 02:01 Uhr

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