Taxiverband kämpft mit weissen Bändeln gegen Fahrtenverweigerer

Am Taxistand beim HB ist die Stimmung mies - es gibt zu viele Taxis, die Löhne sind am Boden.

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Zürich - Es ist wie am Skilift - nur noch viel mühsamer. Jedes Taxi, das beim Hauptbahnhof heranfährt, muss hinten anstehen. Eine Stunde dauert es, bis der Fahrer zuvorderst ist und einen Gast aufladen kann. Und dann steht dort - wie gestern Nachmittag um 16.15 Uhr - ein älteres Ehepaar mit Koffern und will bloss ins Hotel Seidenhof. 12.80 Franken zeigt die Taxiuhr. Weil der Fahrer, ein 45-jähriger Schweizer, beim Ein- und Aussteigen hilft, bekommt er 15 Franken. «In viereinhalb Stunden habe ich 80 Franken eingenommen», sagt er. Und betont: «Ich nehme jeden mit, auch wenn er bloss ans Central muss.»

Ein 40-jähriger Fahrer mit leicht italienischem Akzent hat in der Nacht zuvor anderes erlebt. Wenn um 1.24 Uhr der letzte Zug ankommt, ist das Gerangel besonders hart. Vier Fahrer vor ihm haben eine Frau nicht mitgenommen, die ins Triemli wollte. «23 Franken waren ihnen zu wenig, da hofft jeder auf Rapperswil, Uster oder Horgen.»

Ein 50-Jähriger, vor 33 Jahren aus Ghana nach Zürich gekommen und seither Taxifahrer, gesellt sich dazu. Er hatte in der Nacht auf den Sonntag am Paradeplatz ein junges Paar aufgeladen, das ins Kaufleuten wollte. «Das sollte verboten sein, zwei Tramstationen müssten das Minimum sein», sagt er. «Junge ohne Koffer können ein paar Hundert Meter auch zu Fuss gehen.»

Taxifahrer beziehen Sozialhilfe

Allen geht es gleich: Lange warten für wenig Geld. Bei den erlaubten 56 Arbeits- und 49 Lenkstunden kommt ein Monatslohn von rund 3500 Franken zusammen. Wer ein eigenes Auto und gute Kontakte hat, verdient etwas mehr. Viele Taxifahrer, vor allem solche mit Familien, beziehen Sozialhilfe. Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit dementiert die Behauptung der Taxifahrer, es würden Arbeitslose eingeschleust. «Weder wird die Ausbildung bezahlt, noch weisen wir aktiv Taxifahrer zu», sagt Sprecherin Irene Tschopp.

Seit die Medien die Fahrtenverweigerungen für Kurzstrecken, Schwangere, Hundehalter, Behinderte und Kranke thematisieren, ist ins Gewerbe Bewegung gekommen. «Das schadet unserer Branche enorm», sagt Stefan Löble, Vizepräsident des Taxi-Verbands. Der Verband gibt deshalb an alle Fahrer, die sich an die Beförderungspflicht halten sowie schriftlich Anstand und Hilfsbereitschaft garantieren, ein weisses Band ab. 90 Prozent der Fahrer montierten den Bändel an Antennen oder Rückspiegel. Nur Einzelne weigerten sich. «Ich bin auch ohne Bändel anständig und korrekt», sagte einer. Auch die grossen Taxizentralen machen offiziell nicht mit. Weil ihre Fahrer mit Funk ausgerüstet sind, warten die wenigsten am HB.

Einig sind sich alle Fahrer in der Forderung: Es braucht mehr Polizeikontrollen am HB. «Wenn ein paar Fahrtenverweigerer gebüsst würden, wäre das Problem schnell gelöst», ist einer überzeugt. Und sein Kollege schlägt vor: «Zivile Polizisten müssten am frühen Morgen testweise Kurzfahrten bestellen, dann würde es Bussen nur so hageln.» Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, kontert: «Wir kontrollieren regelmässig am Hauptbahnhof, aber für einen Übertretungstatbestand dürfen wir keine verdeckte Fahndung machen.»

300 Taxis weniger

In einer weiteren Forderung stimmen die Fahrer überein: 1521 Taxis für Zürich sind zu viel. «Drei Taxis pro 1000 Einwohner würden reichen», sagt Roberto Weidmann, Sprecher des Taxi-Dachverbands. Das wären dann höchstens noch 1200 Taxis. Verhandlungen für eine Reduktion gibt es schon seit über zehn Jahren. Die Fahrer geben die Schuld der Politik, und die Stadt machte nie vorwärts, weil das Taxigewerbe mit seinen Verbänden und über 700 Einzelfahrern nicht einig war. In Winterthur dagegen hat der Stadtrat 1995 die Limite auf 98 Bewilligungen festgelegt, also viermal weniger pro Einwohner als in Zürich. Dieser Fahrer ist stolz auf sein weisses Band an der Antenne. Er garantiert damit seine Hilfsbereitschaft - und dass er jeden Passagier mitnimmt. Foto: Doris Fanconi

Erstellt: 14.04.2010, 02:01 Uhr

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