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Gemeinderatswahlen In Langnau buhlen neun Kandidaten um die Wählergunst. Zwei von ihnen werden leer ausgehen - deren drei, wenn Jan Bauke gewählt wird. Der Feuerwehrkommandant bringt sich wieder ins Gespräch. Von Marco Morosoli

Der wilde Kandidat ist für Überraschung gut

Langnau - «Es ist schön, dass ich es mit meinen 46 Jahren noch erleben darf, als Junger bezeichnet zu werden», sagte Rolf Schatz (Grünliberale) im Januar an einem Podium im Turbine-Theater (der TA berichtete). Politikneuling Schatz versucht mit seiner Kandidatur bei den Gemeinderatswahlen am 7. März in Langnau ein Bollwerk zu knacken. Seit zwölf Jahren stellen FDP und SVP je zwei Gemeinderäte. Die SP und die CVP entsenden je ein Parteimitglied in die Exekutive. Der siebte Sitz wird von einer Parteilosen gehalten.

«Ich bin überzeugt, dass ich es schaffe. Sonst müsste ich ja nicht kandidieren», sagt Rolf Schatz zu seinen Wahlchancen. Er sei im Dorf gut vernetzt und erhalte Zuspruch bei Wählern aller Alterskategorien. Bei seinen Mitbewerbern vermisst Rolf Schatz konkrete Aussagen und bezeichnet sie als «aalglatt». So wolle sich kein Kandidat dazu äussern, ob der Gemeindebeitrag ans Turbine-Theater von heute 10 000 Franken erhöht werden soll. Schatz will diesen Zustupf verdoppeln.

Doch der Grünliberale Rolf Schatz ist nicht der einzige Eindringling in die gefestigte Langnauer Politstruktur. Jan Bauke (46, parteilos) ist weiterhin im Rennen. Er zog zwar seine Kandidatur als Gemeinderat und Gemeindepräsident offiziell zurück. Er kann nicht gleichzeitig Langnauer Feuerwehrkommandant und Gemeinderat sein. Dies verbietet das Gesetz.

Bauke sorgt für Farbtupfer

Trotz dieser Unvereinbarkeit mischt Bauke im Wahlkampf weiter wacker mit, sorgt bei jeder Gelegenheit für Farbtupfer. «Wir geben in Langnau zu wenig Geld für Dinge aus, die das Leben farbiger gestalten würden», sagte er kürzlich. Dabei hat er wohl die Weihnachtsbeleuchtung im Langnauer Zentrum im Kopf. Mittlerweile hat Bauke auch verkündet, dass er eine allfällige Wahl in den Gemeinderat annehmen würde. In diesem Fall quittiere er als Feuerwehrkommandant den Dienst. Unterstützung erhält Bauke vom Komitee «Jan Bauke for President» auf der Onlineplattform Facebook. Dieses hat der Langnauer Blogger Michael Hug lanciert.

Am ehesten durch die Mitbewerber Schatz und Bauke gefährdet sind die beiden neuen FDP-Kandidaten Hans- Ulrich Braun und Reto Grau. Ihnen fehlt der Bonus der Bisherigen. Dieser Mangel muss durch die in Langnau starke Hausmacht der FDP ausgeglichen werden. Deshalb rührt die FDP in Langnau für ihre beiden Kandidaten kräftig die Werbetrommel. Die beiden Kandidaten lächeln an gut einsehbaren Stellen von grossen Plakatwänden.

Das Gemeindepräsidium hat die FDP nach dem Rücktritt von Thomas Oetiker kampflos aufgegeben. «Wir haben keinen Kandidaten gefunden», sagt FDP-Parteipräsident Urs Mettler. Hans-Ulrich Braun sei angefragt worden, habe aber abgelehnt. Als politischer Quereinsteiger wolle er sich nicht gleich fürs höchste Amt in der Gemeinde bewerben. Braun ist seit zwölf Jahren Präsident in der Rechnungsprüfungskommission. Reto Grau ist gemäss Mettler als Finanzfachmann für das Amt des Kassenwarts prädestiniert.

Das 68-jährige SVP-Urgestein Peter Hartmann stellt sich bereits zum achten Mal zur Wahl. Er muss sich trotz seiner grossen Erfahrung allerdings hüten. Bei der Wahl in Kilchberg Ende Januar wurde sein Parteikollege Arnold Suter nach 24 Jahren überraschend abgewählt. Es könnte aber auch den etwas blass agierenden Albert Stocker (SVP) erwischen. Er sitzt seit acht Jahren im Gemeinderat.

Zum vierten Mal möchte Lydia Stenz (SP) in die Exekutive gewählt werden. Sie ist die einzige Linke in der bürgerlich dominierten Langnauer Regierung. Ihre Chancen auf eine Wiederwahl sind gut. Ebenfalls ungefährdet ist die Schulpräsidentin Dora Murer (parteilos). Sie ist die einzige Kandidatin für dieses Amt. Ihre Wahl findet in diesem Jahr zum ersten Mal in einem separaten Verfahren statt (siehe Kasten).

Herzog und der Bürgerschreck

Fürs Langnauer Gemeindepräsidium bewerben sich mit Peter Herzog (CVP) und Georg Jaggi (parteilos, ehemals Pnos) und - wenn auch nicht offiziell - Jan Bauke (parteilos) drei Kandidaten. Der 62-jährige Herzog bezeichnet sich selber als «alten Hasen». Für die Führung der Gemeinde brauche es Kontinuität. Deshalb solle ein Bisheriger das Amt des Gemeindepräsident übernehmen. Herzog verspricht: «Es wird sich nicht viel ändern. Ich will die Gemeinde weiterführen wie bisher.» Allerdings hat er eine Vision: «Künftig muss der Gemeinderat die Verwaltung führen und nicht umgekehrt.»

Bei der Ausmarchung ums höchste Amt ist Jaggi chancenlos. Der kürzlich aus der Pnos ausgetretene Jaggi - die Partei unterstützte seine Kandidatur als Gemeindepräsident nicht - hat sich durch rassistische Äusserungen in einem in Langnau verteilten Flugblatt selber ins Abseits gestellt (der TA berichtete). Hingegen könnte Jan Bauke für eine Überraschung sorgen. Wenn nicht als Gemeindepräsident so womöglich als Gemeinderat.

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