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Gerangel um Zürcher Casino - auch Baden und Luzern pokern mit

Wenn in Zürich 2012 ein Casino öffnet, entgehen der Konkurrenz in Baden 40 Millionen. Die Betreiber der Spielbanken wollen nun die Karten neu mischen.

Baden/Zürich - In Baden traten die Verantwortlichen des Stadtcasinos gestern betont selbstbewusst auf. Mit einem Bruttospielertrag von 111 Millionen und 540 000 Besuchern - 1500 pro Tag - hat sich Baden als Marktleader der Deutschschweiz und als neue Nummer zwei der Schweiz hinter Montreux etabliert. Vor dem Casino steht standesgemäss eine Hummer-Stretch-Limousine mit der Aufschrift: «Das ist der Hammer.»

Doch das Badener Glück ist bedroht. Im März hat der Bundesrat auch der Stadt Zürich eine A-Lizenz für ein Grand Casino zugesprochen. Bis Ende Jahr können sich Interessenten bewerben, Mitte 2011 wird entschieden. Der Badener Verwaltungsratspräsident Peter Blöchlinger rechnet damit, dass seinem Stadtcasino gegen 40 Prozent des Umsatzes oder 40 Millionen Spielertrag entgehen werden. Denn 223 000 Besucher - das sind 41 Prozent der gesamten Kundschaft - pilgern pro Jahr vom Kanton Zürich nach Baden.

Für die Badener ist deshalb klar: «Wir bewerben uns selber für die Zürcher Lizenz.» Das sagte gestern Peter Probst, der Verwaltungsratspräsident der Spielbank Baden AG. Ihm schweben mit Baden und Zürich «zwei Grand Casinos unter einem Dach» vor. Kein anderer Betreiber kenne die Bedürfnisse des Zürcher Publikums so gut wie Baden, sagte Probst. «Wir haben den grössten Schaden, also haben wir die grösste Legitimation für die Zürcher Konzession.»

Gemäss Blöchlinger kommt für die Zürcher Lizenz auch eine Partnerschaft mit anderen Betreibern in Frage. «Wir sind auf Brautschau.» Damit sind die Badener aber nicht allein. Auch den anderen Casinos rund um Zürich - Luzern, Pfäffikon SZ und Schaffhausen - werden Millionen entgehen. Seine Ambitionen an der Zürcher Lizenz hat auch das Luzerner Grand Casino angemeldet. In Luzern kann man sich auch eine Partnerschaft mit Baden vorstellen.

Platzhirsche reden von «Bluff»

Grösstes Problem für fremde Bewerber in Zürich sind freie Liegenschaften im Zürcher Zentrum, die 3000 bis 4000 Quadratmeter gross und ab Mitte 2011 umbaubereit sein müssten. In Baden betont man, kurz vor dem Durchbruch zu stehen. Die Zürcher Konkurrenten tun diese Zuversicht jedoch als «Gepoker» und «Bluff» ab. Denn sie besetzen die zwei aussichtsreichsten Liegenschaften selber: die alte Börse und das ehemalige Epa-Gebäude an der Sihlporte. «Im Zentrum findet sich kaum etwas in vernünftiger Zeit», sagt Fernando Mutti, Projektleiter eines Casinos in der alten Börse. Hinter seinem Projekt stehen das Casino Locarno, die Automatenfirma Escor, die Admiral Casinos Wien und das Casino Berlin. Das Handicap der alten Börse: Es stehen bloss 2300 Quadratmeter zur Verfügung.

Sich selber in idealer Position sieht Sihlporte-Projektleiter Werner Buchter, ein Schaffhauser Rechtsanwalt. Das Gebäude gehört der Swiss Life, die Baubewilligung liegt vor. «In einem halben Jahr könnte die Kugel rollen», sagt Buchter. Er ist mit einem «guten halben Dutzend» von Interessenten für den Betrieb eines Casinos in Verhandlung.

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