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Gestatten, la famiglia Rossi

Sie leben in Basel, spielen die alten italienischen Lieblingslieder ihrer mamma und fahren im Fiat Panda an die Konzerte: Sie, das sind die Mitglieder der schrägen Familienband(e) Rossi, die heute im El Lokal gastiert.

Zuerst muss erwähnt sein, dass la famiglia Rossi weder mit Signor Rossi (der Comicfigur, die immer das Glück sucht) noch mit Paolo Rossi, Italiens ehemaligem Wunderstürmer, verwandt ist. Nein, la famiglia Rossi hat ganz andere Vorlieben. Die Grösste: la musica, die alten Lieder der Heimat und der mamma, die sie auf allen möglichen und unmöglichen Bühnen des Landes darbietet.

Wir haben Massimo «Macho» Rossi getroffen und ihn gebeten, einen ganz gewöhnlichen Tag im Leben seiner Familie zu schildern. Bevor er das tun konnte, musste er - typisch Italo - natürlich zuerst die Familienhistorie auftischen. Berichten, dass seine Schwester Beatrice, die Kontrabass spielt und singt, seit dem Tod von mamma die Chefrolle im Rossi-Clan übernommen hat. Wie er noch immer auf seinen kleinen, schüchternen und Gitarre spielenden Bruder Michele aufpassen muss. Oder wie man es schaffte, Giulietta Verdi, die schöne, aber leicht störrische Cousine aus Napoli, davon zu überzeugen, als Drummerin in die Band einzusteigen. Ja und dann, dann endlich legte Massimo los.

Nagelpolitur und Haarwäsche

Der Wecker scheppert «Azzurro», es ist acht Uhr morgens. Michele erhebt sich und wieselt in die cucina - nicht zu verwechseln mit der cugina (Giulietta), die noch im komatösen Tiefschlaf schlummert. Während sich der Duft von frischem Kaffee in der Dreizimmerwohnung im Basler Gundeliquartier ausbreitet, schlurft Massimo Richtung Badezimmer. Doch das bagno ist von seiner grossen sorella Beatrice belegt: Nagelpolitur nach der Haarwäsche! So beginnt dieser normale und doch irgendwie besondere Tag im Leben der famiglia Rossi - heute geht es nämlich in die grosse Stadt Zurigo, wo la famiglia im El Lokal ein Konzert gibt.

Der Kontrabass ist gewachsen

Eine Stunde dopo: Massimo hat den Fiat Panda getankt, gewaschen, getunt und gepumpt, derweil sein kleiner fratello Michele zusammen mit Giulietta tutto quanto (Instrumente, Verstärker und Koffer) aus der Garage an den Strassenrand gestellt hat. So sah es früher vor dem Haus in Napoli aus, wenn papà mit seinen colleghi als Saisonnier für vier Monate in die Schweiz reiste. Beatrice bereitet das Picknick vor, so wie das früher mamma für papà und die bambini machte. Währenddessen geht das Beladen des Panda unter Anweisung Massimos glatt über die Bühne, bis zum Verstauen des Kontrabasses - er scheint über Nacht schon wieder gewachsen zu sein - sempre lo stesso problema . . .

Irgendwann ist alles drin und tutta la banda am Platz: Massimo am Steuer, Beatrice daneben, irgendwo unter den Koffern die beiden Kleinen. Es geht los! Aufgeräumte Stimmung bis kurz nach Schweizerhalle. Dann, plötzlich, dicke Luft. Michele hat Hunger, es muss unbedingt angehalten werden! Picknick auf dem Parkplatz: caffè, dolci e frutta; Micheles Frisur kriegt den letzten Schliff.

Siamo pronti, und weiter gehts. Vor dem Gubrist - porca miseria - Stau! Massimo hat subito die Lösung: U-Turn und ciao autostrada! Überland ist sowieso schöner. Kleines Detail am Rande: Wie findet man auf der 1:500 000-Karte die richtige «Via Gluck» beziehungsweise die Strasse zur bella isola El Lokal? Die Meinungen gehen in alle Richtungen, il tempo se ne va. Bis Giulietta die Münze wirft und so entschieden wird, welcher Weg einzuschlagen sei.

Nachdem Massimo alle Verkehrsregeln zu seinen Gunsten ausgetrickst hat und die Zürcher Autofahrer um ein Basler Vorurteil reicher sind, stoppt der Panda mit heissen Finken vor dem El Lokal. Super Parkplatz, come sempre. Während Massimo draussen mit der hübschen Politesse plaudert und Beatrice sich mit Apérol von der Fahrt erholt, versuchen Michele und Giulietta, die Instrumente und Verstärker zu verkabeln. Che insalata! Finalmente passt es dann doch. Renato Carosones «Caravan Petrol» galoppiert munter aus den Lautsprechern, Zurigo hat schlagartig 30 Grad im Schatten. Soundcheck geglückt, Scopa-Karten gemischt, pasta al dente, grappa wartet in der Garderobe.

Mamma wäre veramente stolz

Bevor Massimo in Unterhemd und weissen Socken seine Frisur im Spiegel bewundern kann, dauert es: Le donne sind mit dem gesamten Inhalt ihres Beauty-cases beschäftigt. Michele übt derweil den Celentano-Knieschwung, was die Frauen un po’ nervose macht. Massimo poliert seine Goldkette mit dem Nagellackentferner, währendem sich eine Laufmasche in Giuliettas Strumpfhose einnistet und Michele beim Anziehen des weissen Rüschenhemdes Kontakt mit Beatrices Lippenstift aufnimmt. Als das Chaos überhandzunehmen droht, steht Vittorio, il padrone del Lokal, im Türrahmen: «Dieci minuti!»

La famiglia sammelt sich im trauten Kreis. Alle Strapazen und Scharmützel sind vergessen, jetzt zählt nur noch eines: The show must go on! Spettacolo, per mamma, per papà e per la gente di Zurigo. Und schon stehen sie im gleissenden Rampenlicht. Und la bella musica aus mammas Plattensammlung erklingt endlich wieder live, lo spirito der grossen Meister Carosone, Buscaglione, Modugno und Celentano wird zu neuem Leben erweckt.

Viva l’Italia! Viva la famiglia Rossi! Viva la mamma!

Zwei Stunden später ist alles vorbei. Während Beatrice unter Mithilfe von Michele fleissig CDs an die stürmische Menge verscherbelt und Giulietta ihre neuen Verehrer mit stummen Blicken an den Rand eines Abgrundes treibt, wechselt Massimo in der Garderobe sein durchgeschwitztes Unterleibchen und weiss: Feierabend gibt es noch lange nicht. Bis tutta la famiglia in Basilea müde und zufrieden ins Bett sinkt, werden noch ein paar Stunden vergehen. Aber er denkt in diesem Moment an mamma und ist sich sicher: Sie wäre veramente stolz auf ihre bambini!

La famiglia Rossi, heute, 20.20 Uhr, El Lokal, Gessnerallee 11. Morgen, 20.30 Uhr, Männedorf, Herzbaracke. Massimo «Macho» Rossi, kurz dopo il Wecker. Che cazzata, welche strada va bene per Züri? All diese Instrumente müssen in den Fiat Panda. Nur nie «brutta figura»: Beatrice (l.) und Giulietta. Ein typisch italienisches «Picknick sul parcheggio». La famiglia Rossi live in concerto. Fotos: Famiglia Rossi

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