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Gesucht: 15 Millionen Franken

Nach der hauseigenen Finanzkrise im November macht sich bei GC Optimismus breit - die Transferrechte gehören wieder dem Klub. Aber ein Problem bleibt: Neue Geldgeber müssen erst gefunden werden.

Die Vergangenheit hängt im ersten Stock des GC-Campus an den Wänden. Es sind Bilder von früher, als GC noch eine Macht war, Titel und Trophäen sammelte, als die Spieler noch Bickel, Ballaman, Grahn, Netzer, Hermann, Sulser oder Türkyilmaz hiessen.

Die kahlen Wände sind über den Winter zum kleinen Museum geworden. Bei GC haben sie nicht nur Freude an den vielen Bildern, die ein Fan finanziert hat, sie nehmen sie gar als Zeichen von neuem Leben: dass auf dem Trainingsgelände in Niederhasli wieder etwas entsteht, das von Dauer und Erfolg sein soll.

Es geht um ein grosses Wort: Glaubwürdigkeit. Die Grasshoppers müssen das zurückgewinnen, was sie 2009 verloren, als sie im Frühjahr auf den Hochstapler Eckel hereinfielen und ihnen im Herbst der Konkurs drohte. Die Botschaft von CEO Urs Linsi heisst: «Wir müssen beweisen, dass wir glaubwürdig sind.»

«Wir rennen alle»

GC war in der Öffentlichkeit zu einem Klub ohne Ausstrahlung geschrumpft: sportlich fast so angeschlagen wie finanziell. Auf dem Platz gewann er lange Zeit kaum Punkte, in der Buchhaltung machte sich das Chaos breit, die Schulden stiegen von geplanten 5 auf 10,3 Millionen Franken. Dass der Klub per Ende November die 4,5 Millionen auftreiben konnte, die nötig waren, um den Bankrott abzuwenden, war ein erster Befreiungsschlag. Weitere sollen folgen - auf dass der Optimismus, der sich nach der überstandenen Krise auf dem Campus breitgemacht hat, nicht nur gespielt, sondern auch begründet ist.

«Wir rennen alle», sagt Linsi, «wir geben alle das Hinterste und Letzte.» In erster Linie rennen sie dem Geld nach, das ihre Defizite für die nächsten drei Jahre decken soll. Dafür brauchen sie 15 Millionen Franken. Ja, sagt Linsi, das sei der «gewünschte Rahmen».

Das Konzept als Grundpfeiler

10 bis 11 Millionen Franken betragen die Einnahmen, mit denen die Grasshoppers jährlich im Letzigrund als Heimstadion rechnen können. Gleichwohl leisten sie sich weiterhin Ausgaben von 16 Millionen, um das Nachwuchskonzept konsequent umzusetzen. Sie wollen in die Jugend investieren, um sie dereinst gewinnbringend verkaufen zu können, so wie eben jetzt den 18-jährigen Haris Seferovic, der für 2 Millionen an Fiorentina abgegeben wurde. «Ohne Investitionen läuft unser Konzept nicht», betont Linsi.

Dieses Konzept gehört zu den Grundpfeilern, um wieder glaubwürdig zu werden und vor allem um endlich die Investoren anzulocken, die ungefähr seit dem Sanktnimmerleinstag gesucht werden. Wer investiert, wird mit Aktien entschädigt. «Das ist das Modell», sagt Linsi. Das mag neu sein, weil sich der Zentralvorstand als hundertprozentiger Aktionär bislang weigerte, Anteile abzutreten. Aber es ist weiterhin nicht verlockend. GC-Aktien sind auch für Linsi nicht mehr als «Liebhaberpapiere». Die gesuchten 15 Millionen entsprechen rund 37 Prozent des gesamten Aktienkapitals, das der Zentralvorstand mit 40 Millionen bewertet.

Linsi und mit ihm die Verwaltungsräte Roger Berbig und Heinz Spross bauen und hoffen auf den Goodwill der Geldgeber, die ihre tiefe Verbundenheit mit dem Klub in der jüngsten Krise bewiesen. Es geht dabei um Leute wie Spross selbst.

Der Gartenbauer bürgt auch diese Saison dafür, dass das reguläre Defizit von 5 Millionen Franken gedeckt werden kann. Er garantierte im November für 2 Millionen, um den Konkurs abzuwenden. Und er gehörte wesentlich zu den Investoren, die ihre Einlagen von 8,5 Millionen in die Spielerpools auf null abschrieben. Dieser Abschreiber war «ein Glücksfall» (Linsi) für den Verein: Jetzt gehören ihm wieder sämtliche Transferrechte an den Spielern. Darum wird er das Geld aus Italien für Seferovic als Gewinn verbuchen können und nicht ein Gönner, der Wert auf Anonymität legt.

Selbst wenn die neuen Aktionäre gefunden werden, bleiben Hindernisse zu nehmen. Im Sommer fallen 2,5 Millionen Franken an Einnahmen weg, die bislang nicht gedeckt sind. Die Verträge mit Mobilezone (1 Million), Interhome (300 000), «Blick am Abend» (200 000) und Man Investments (500 000) laufen aus, sechs Logen (je 80 000) sind dazu neu zu verkaufen.

Linsi sieht die Lücke und das Problem. Er weiss, GC sei den Sponsoren in den letzten Jahren «einiges schuldig» geblieben, für sie sei das Engagement «keine Erfolgsstory» gewesen. «Es ist an uns, ihnen etwas zurückzuzahlen», sagt er. Den Kontakt zu den Sponsoren hält er, seit Martin Blaser und sein Stellvertreter Alex Sauber die Abteilung Kommerz verlassen haben und aus Spargründen nicht ersetzt worden sind. Konkrete Gespräche, wie es mit Geldgebern wie Mobilezone weitergehen soll, will Linsi erst nach dem 23. Februar führen. Das ist der Stichtag, um bei der Swiss Football League die Unterlagen für die neue Lizenz einzureichen. Bewusst ist ihm trotzdem schon jetzt: Auch wenn die Sponsoren ihre Verträge mit GC verlängern sollten, wird das kaum mehr im bisherigen Rahmen der Fall sein.

Der CEO mag zuversichtlich sein, dass GC vor einer besseren Zukunft steht, aber er ist nicht naiv. Er hält ein Bild dafür bereit: «Wir spielen gut, aber wir müssen achtgeben, dass wir in der 87. Minute nicht noch in einen Konter laufen.» Im Dienst der Sache: Ciriaco Sforza auf dem Campus von GC. Foto: Reto Oeschger

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