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Glosse Küsnachter Senioren bekommen Besuch vom Sicherheits- experten - und dazu einen Medienrummel. Von Beatrice Gerwig

News aus der Düsternis der Goldküste

Küsnacht - Draussen ist ein strahlender Frühlingstag. Zwitschernde Vögel, blühende Forsythien, alles ist leicht und froh. Drinnen im Barbara-Keller-Heim an der Zürichstrasse wird die Angst vor den Schurken beschworen. Ein jugendlicher Dieb mit schwarzer Kappe bestiehlt eine Frau, die sorglos ihre Handtasche schwenkt. Bricht Panik aus? - Keineswegs, der kriminelle Akt findet nur auf der Leinwand statt, an einer Info-Veranstaltung zum Thema «Sicherheit im Alter».

Der Küsnachter Verein Senioren für Senioren hat den Sicherheitsberater der Kantonspolizei, Rolf Gasser, aufgeboten, weil sich - so heisst es in der Medienmitteilung - auch in der Schweiz «immer mehr Gewaltdelikte» ereignen. Angst und Verunsicherung seien zu einem ständigen Begleiter vieler Senioren geworden.

3 Reporter auf 20 Senioren

Ist Küsnacht zu einem Ort des Schreckens für ältere Mitbürger mutiert? Das Thema interessiert die Medien fast mehr als die eigentliche Zielgruppe. Drei Journalisten haben sich eingefunden, um die zwanzig anwesenden Senioren nach ihren Ängsten zu befragen, sogar «20 Minuten» ist in der Agglomeration auf Spurensuche - ob das wohl etwas mit dem Schlagwort der «Schläger von Küsnacht» zu tun hat? Oder doch mit der Tatsache, dass in Umfragen an der Goldküste Sicherheitsbedenken regelmässig Spitzenplätze belegen?

«Wovor fürchten Sie sich?» - Die erste Befragte schützt sich vor Überfällen, indem sie meist mit dem Auto ins Dorf fährt und sich am Bancomaten nach allen Seiten absichert. Wenn sie in die Waschküche geht, schliesst sie immer die Wohnungstür. Ihre Nachbarin fürchtet sich vor Jugendlichen mit Kapuzen, die sich auf einen stürzen. Bloss: Von konkreten Erfahrungen weiss keine zu berichten. Die Frau mit dem Bürzi etwa war noch nie Opfer einer kriminellen Tat, und auch die anderen Anwesenden sind - so stellt sich heraus - aus Neugier gekommen, nicht aus Betroffenheit.

Wo bleibt das Böse?

Entweder sind Enkeltrickdiebe, Taschenentreisser und Kriminaltouristen an der Goldküste also doch nicht so heftig am Werk wie angenommen - oder die Anwesenden wissen sich hier einfach speziell gut gegen sie zu schützen. Prävention, so lautet nämlich das Zauberwort, das der Sicherheitsberater hier nicht zum ersten Mal predigt: Nur auf beleuchteten Hauptstrassen gehen, nicht jedem gutgläubig die Tür öffnen, der ein Handwerkerkleid trägt oder ein Kind mit Nasenbluten vor sich her schiebt. Und Finger weg vom Pfefferspray: Wenn man den nicht richtig handhabt, hat man die Pfeffersauce schnell im eigenen Gesicht oder in der Handtasche.

Im Kern aber ist Rolf Gassers Botschaft eine frohe: 99 Prozent der Menschen sind ehrlich. In Küsnacht sind es vielleicht sogar noch mehr; die Journalisten jedenfalls müssen schliesslich kapitulieren. Es wächst die Einsicht, dass das Böse an diesem heiteren Nachmittag zwar irgendwo umgeht, aber nicht hier.

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