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Goldgräber-Stimmung im Sudwerk

Drei Monate nach Produktionsstart verbucht die Pfäffiker Brauerei Sudwerk AG einen Grosserfolg: Coop nimmt ihr Bier ins Sortiment auf.

Von Stefan Krähenbühl Pfäffikon – «We need to talk, I have important news for you.» Gerry Farrell klingt am Telefon leicht aufgeregt. Und er hat allen Grund dazu. Der Pfäffiker Bierbrauer, der die Sudwerk AG an der Speckstrasse 3 leitet, hat nach drei Monaten Produktionsbetrieb geschafft, wovon andere Brauer jahrelang träumen. Ende April hat Coop Schweiz dem jungen Unternehmen einen Grossauftrag über 180 000 Flaschen pro Jahr erteilt. «It’s fantastic», schwärmt Farrell. Es war am 21. April, als der Leiter des Getränke-Einkaufs bei Coop Schweiz das erste Mal auf ihn zukam. «He told me: Gerry, ich brauche dein Bier», so der Schweizer, der in Kalifornien aufgewachsen ist. Dass es überhaupt dazu kam, ist in erster Linie einer Reihe von Zufällen zu verdanken. Im Frühjahr wurde dem Koch des Hotels Victoria Jungfrau in Interlaken an einer Grillparty im Zürcher Oberland ein Western-Rider-Bier serviert. Weil es ihm so gut schmeckte, überzeugte er seinen Vorgesetzten, das Sudwerk-Bier in die Karte des Hotels aufzunehmen. Dort weckte der Gerstensaft das Interesse eines Gasts: des Coop-Einkaufsleiters. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Schweizweiter Verkauf Mit dem Coop-Grossauftrag erreicht die Pfäffiker Brauerei schon im ersten Jahr ihre Kapazitätsgrenze. Bis zu 220 000 Flaschen könnten dank der 2000-Liter-Kessel pro Jahr gebraut werden. Mit den 180 000 Flaschen für Coop bleibt somit gerade noch genug Kapazität, um die regionalen Abnehmer zu beliefern. Ob die Grösse der Brauerei auch in Zukunft reichen wird, ist fraglich. Bereits heute werden die beiden Biere Western Rider und Gold Miner in sieben Gastronomiebetrieben, darunter auch die Pfäffiker Betriebe Schneiders Quer und Dante Pub, ausgeschenkt. Noch sind die Biere eher unbekannt. Das dürfte sich mit dem Coop-Deal schlagartig ändern. Der Detailhändler will die beiden Biere in sein Premium-Sortiment aufnehmen und in allen Filialen in der Deutschschweiz verkaufen. In der Westschweiz werden Western Rider und Gold Miner in den grossen Filialen angeboten. Im Tessin ist bislang kein Verkauf geplant. Über den Verkaufspreis pro Flasche will Farrell nichts sagen. Klar ist: Der Preis dürfte deutlich über demjenigen von Standardmarken wie Feldschlösschen oder Heineken liegen. «Das ist auch völlig logisch», sagt er. «Wir sind nicht auf Massenproduktion aus. Bei uns wird das Bier noch von Hand gebraut.» 1500 Flaschen pro Tag Tatsächlich finden sich in der Brauerei keinerlei elektronische Steuerungen. Nur Gerry Farrell, sein Kollege Jason Quillian und traditionelle Brauer-Infrastruktur im Wert von rund 750 000 Franken. Während Farrell den Brauprozess überwacht, ist Quillian für das Abfüllen der Flaschen zuständig. Bis zu 1500 Stück sind es täglich. Die beiden Ale, also obergärig gebraute Biere, werden mit Zutaten hergestellt, die Farrell aus den USA importiert. Besonders stolz ist er auf den teuren Hopfen, den er in grossen Mengen verwendet. «Damit sind viele Brauer geizig», sagt er. «Dabei darf doch genau beim Hopfen am wenigsten gespart werden.» Dass sich Sudwerk von der Konkurrenz abheben will, betont Farrell immer wieder. «Die Schweizer haben genug von Standardbier», sagt er. «Es ist toll, dass Coop genauso denkt.» Sowieso sei der Umgang mit dem Grossunternehmen angenehm; «sehr unbürokratisch».Doch wie lässt sich erklären, dass ein Schweizer mit englischen Wurzeln und amerikanischem Akzent so schnell so erfolgreich Fuss gefasst hat? Tatsächlich ist Gerry Farrell kein unbeschriebenes Blatt. Nach über 20 Jahren als Heimbrauer leitete er von 2005 bis 2007 eine Brauerei in England, die er schliesslich verkaufte. Jetzt ist er mit der Sudwerk AG und den beiden Bieren Western Rider und Gold Miner scheinbar auf Gold gestossen. Morgen Samstag findet in der Brauerei ein Tag der offenen Tür statt. Infos: www.sudwerk.ch

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