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Golfen beginnt im Kopf

Der Dälliker Mentaltrainer Wolfgang Arnold hilft weiter, wenns auf dem Green nicht mehr vorwärtsgeht.

Von Daniela Müller-Smit Dällikon &endash Wolfgang Arnolds Sitzungen finden manchmal beim Putten auf dem Golfplatz oder beim Üben auf der Driving-Range statt, meist jedoch &endash ganz unspektakulär &endash in seinem schlichten Coaching-Raum in Dällikon. «Beim Golfen kommt es auf den richtigen Tonus an, die richtige Einstellung von Spannung und Entspannung», sagt er. Ausserdem sei es korrekter, nicht von einem Golfschlag, sondern von einem Golfschwung zu sprechen &endash einem Schwung, der mit dem Atem mitfliesse. Er zeigt den Kunden Atemtechniken und Bewegungsübungen aus dem Zen oder Tai-Chi. Und er führt sie durch Konzentrations- und Bewusstseinsübungen, wie zum Beispiel das Visualisieren, womit er das Wahrnehmen der Umgebung und des eigenen Körpers meint, oder das Hören von nahen und fernen Tönen. Bereits das dritte Mal beim Coaching ist Peter Boesch, 49 Jahre, Handicap 11,2. «Das ist ein gutes Handicap», sagt Boesch und ergänzt rasch, «aber nicht gut genug.» Sein Ziel sei ein Single-Handicap von 6 bis 8. «Früher hatte ich ein Testosteronproblem», gibt Boesch lachend zu. Er habe mit Kraft draufgehauen und die Bälle zwar sehr lang geschlagen, aber auch breit gestreut. «Peter ist ein talentierter und ambitionierter Golfer, er trainiert intensiv und hat sein Ziel bisher trotzdem nicht erreicht», fasst Arnold zusammen. Vielfach liege das Problem gerade auch bei talentierten Spielern in «diesem unbedingten Wollen». Dies gehe oft einher mit einer gewissen Verkrampfung, sagt Arnold und erkundigt sich dann, wie sein Kunde in der Zwischenzeit mit seinen Hausaufgaben, den Atem- und Bewusstseinsübungen, zurechtgekommen sei. Ein Durchhänger gehört dazu «Probleme kann man nie mit derselben Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind», sagt Wolfgang Arnold. Dieses Zitat von Albert Einstein widerspiegelt, worum es im Mentaltraining hauptsächlich geht. Nämlich darum, bestehende Blockaden, alte Denkweisen und Glaubenssätze zu durchbrechen, um so mit neuer Kraft und gleichzeitig entspannt zu neuen Höhenflügen anzusetzen. Dabei kann das Mentaltraining anfangs vorübergehend zu schlechteren Resultaten führen, was auch Peter Boesch bestätigt: «Ich spiele nun seit elf Jahren Golf und habe im zweiten Saisonabschnitt noch nie schlechter gespielt als am Anfang &endash ausser dieses Jahr.» Inzwischen golfe er aber wieder auf konstantem Niveau. Und am wichtigsten: «Ich bin entspannter und habe viel mehr Freude am Golfsport als früher.» Tatsächlich gäben viele Golfer bei einem ersten Durchhänger das Mentaltraining auf, weiss Arnold, «das bringe ja sowieso nichts». Dabei sei es wichtig, diese Phase auszuhalten, so Arnold. Wenn die Leistungskurve nämlich wieder nach oben zeige, wachse der Sportler meist über seine bisherigen Leistungen hinaus. Angst vor der Psycho-Couch Während inzwischen kaum ein Spitzensportler ohne Mentaltraining auskommt, schwingt bei den Amateuren bei Wörtern wie Hypnose, systemischer Betrachtungsweise oder neurolinguistischem Programmieren noch immer ein Hauch von Psycho-Couch oder Esoterik mit. Arnold schiebt diese Abwehr vor allem auf die Unwissenheit der Leute sowie auf deren bewusste und unbewusste Ängste. «Seit Spitzensportler offen über Mentaltraining reden und auch Gehirnforscher mit ausführlichen Studien logische Erklärungen über dessen Wirkungsweise erbringen, nimmt die Akzeptanz jedoch zu», stellt er fest. In seiner Arbeit richtet er sich nach den Wünschen und dem Willen seiner Kundinnen und Kunden. Nimmt er eine Blockade wahr, welche ausserhalb des Golfsports entstanden ist, spricht er diese an. Wenn der Kunde aber nicht darauf eingehen möchte, wird das akzeptiert. Wie beim körperlichen Training erfordert auch das mentale Training regelmässiges Üben. Schnelle Erfolge sind die Ausnahmen. Peter Boesch wird deshalb in den nächsten Monaten nicht nur auf dem Golfplatz trainieren, sondern zu Hause Entspannungs- und Bewusstseinsübungen machen. «Schliesslich heisst die Methode Mentaltraining und nicht Mentalwunder», so Wolfgang Arnold. Wolfgang Arnold (r.) braucht für sein Coaching nicht unbedingt auf den Golfplatz zu gehen. Foto: Daniela Müller-Smit

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