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Gossau strich Schutzinventar «unzulässig» zusammen

Mit der Massenentlassung aus dem Denkmalschutz- inventar ging der Gossauer Gemeinderat zu weit, sagt die Baurekurskommission.

Gossau - Der Gemeinderat Gossau hat das kommunale Inventar der kunst- und kulturhistorischen Objekte durchforstet und auf einen Schlag 35 Gebäude gestrichen. Der Gemeinderat Hittnau folgte dem Beispiel und entliess 51 Objekte aus dem Inventar (der TA berichtete). Die Behörden bewegten sich dabei auf rechtlich dünnem Eis. Im Fall Gossau hat die kantonale Baurekurskommission den Gemeinderat zurückgepfiffen. Sie hiess kürzlich einen Rekurs der Zürcherischen Vereinigung für Heimatschutz gut, wie die NZZ berichtete. Der Gemeinderat Gossau habe mit seinem Beschluss nicht nur gegen Verfassungsrecht verstossen, sondern auch gegen das Planungs- und Baugesetz, befand die Kommission. Sein Vorgehen sei «offenkundig unzulässig».

Beschwerderecht unterlaufen

Zum einen kritisiert die Rekurskommission, dass der Gemeinderat ohne Not einen Entscheid über die Schutzwürdigkeit inventarisierter Gebäude fällte. Weder seien die Objekte bedroht gewesen noch habe ein Eigentümer Abklärungen verlangt. Bei diesen Voraussetzungen einen Schutzentscheid zu fällen, sei «unverhältnismässig». Zum andern unterlaufe der Gemeinderat mit der Massenentlassung das Verbandsbeschwerderecht. Für Verbände wie den Heimatschutz sei es «praktisch unmöglich», während der Rekursfrist von 30 Tagen «substanziiert» darzulegen, weshalb all die entlassenen Objekte schutzwürdig sein sollen. Im Übrigen bezweifelt die Baurekurskommission, dass Gemeindebehörden bei Massenentlassungen die einzelnen Objekte seriös prüfen können; dies sei illusorisch, wenn man bedenke, dass die Gemeinden von Gesetzes wegen für ein einzelnes Objekt ein ganzes Jahr Zeit haben, um die Schutzwürdigkeit abzuklären.

Heimatschutzpräsident Ulrich Ruoff ist erfreut über den Entscheid. «Wenn es dabei bleibt, ist das ein wichtiger Erfolg.» Der Gossauer Gemeinderat hat noch nicht entschieden, ob er Beschwerde beim Verwaltungsgericht einreichen wird. Ruoff schätzt die Chancen des Gegners als eher gering ein. «Der Entscheid der Baurekurskommission ist sehr gut überlegt.» Von Interesse ist der Fall Gossau auch für Hittnau. Dort hat der Zürcher Heimatschutz ebenfalls gegen die Massenentlassung rekurriert. Der Rekurs ist bei der Baurekurskommission noch hängig.

In Gossau hat der Heimatschutz zusätzlich Ersatz für sieben Gebäude verlangt, die ohne Entlassung aus dem Inventar bereits abgebrochen wurden. Die Baurekurskommission hat diesen Teil des Rekurses bereits im Juni abgewiesen, worauf sich der Heimatschutz beim Verwaltungsgericht beschwerte. Der Fall ist ebenfalls noch hängig.

Walter Sturzenegger

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