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Grüne liebäugeln weiter mit Regierungssitz

Die Grünen nehmen ihr Zugpferd aus dem Rennen um den Sitz von Rita Fuhrer. Und verkaufen dies als Akt der Vernunft. Was sie verschweigen: Martin Graf will nicht - dafür Katharina Prelicz.

Zürich. - Als Akt der Vernunft haben die Grünen ihren Verzicht auf eine Kandidatur bei der Ersatzwahl von SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer verkauft (TA von gestern). So sagte K0präsidentin Jeanine Kosch, ein Showdown zwischen dem Grünliberalen Nationalrat Martin Bäumle und Martin Graf, dem grünen Stadtpräsidenten von Illnau-Effretikon, nütze niemandem. «Wenn wir nicht nachgegeben hätten, würden wird der SVP ein gemachtes Bett vorbereiten.»

Was die Grünen als parteipolitisches Kalkül anpreisen, ist wohl eher ein Akt der Verzweiflung. Denn Martin Graf, ihr aussichtsreichster Kandidat, tut sich schwer mit dem Gedanken, ins Rennen zu steigen. Graf landete bei den Regierungsratswahlen vor zwei Jahren ganze 7000 Stimmen vor Bäumle auf dem achten Rang, nur einen Platz hinter Fuhrer. Gut unterrichteten Quellen zufolge liegt Grafs politische Priorität derzeit aber beim Stadtpräsidium von Illnau-Effretikon, das er im Frühjahr 2010 verteidigen will. Käme es bei Fuhrers Ersatzwahl zu einem zweiten Durchgang (wohl Anfang 2010), geriete Graf in einen dummen Rank: Er müsste seinen Wählern plausibel machen können, weshalb er gleichzeitig als Regierungsrat und Stadtpräsident kandidiert - eine knifflige Herausforderung.

Gegen eine Kandidatur spricht zudem die zeitliche Belastung, welche Wahlkämpfe mit sich bringen. Ein solches Engagement dürfte weder die Stadt noch seinen Arbeitgeber, die Agridea in Lindau, freuen. Graf räumt denn auch ein: «Der Arbeitgeber spielt immer eine Rolle.» Niemand sehe es gerne, wenn Arbeitnehmer durch Abwesenheit glänzen. Dass er als primäres Ziel die Wiederwahl als Illnau-Effretiker Stadtpräsident verfolgt, stellt er nicht in Abrede.

Esther Guyer, Fraktionschefin der Grünen im Kantonsrat, bestreitet, dass der Burgfrieden mit der GLP aus der Erkenntnis resultiere, dass es den Grünen an valablen Köpfen fehle. «Falls Martin Bäumle nicht antreten sollte, stehen wir bereit», versichert sie. Als mögliche Kandidaten nennt Guyer die vier Zürcher Nationalräte der Grünen. Diese äussern sich unterschiedlich: Marlies Bänziger will nichts über mögliche Ambitionen verraten. Daniel Vischer sagt, er sehe seine «Lebenszukunft eher in Richtung Privatgelehrter denn als Regierungsrat». Bastien Girod will eine Kandidatur zumindest nicht ausschliessen. Offen Interesse zeigt einzig Katharina Prelicz-Huber, die den sozialen Flügel der Partei repräsentiert. Sie spricht von einem «Amt, das mich sehr reizen würde».

Dass sich Prelicz-Huber ins Spiel bringt, könnte Folgen haben. Das Taktieren der Geschäftsleitung ist parteiintern umstritten. Es geht die Angst um, das Gesicht zu verlieren, falls die Partei ihrem ungeliebten Konkurrenten den Weg in die Regierung ebnen sollte. Gut möglich, dass die Mitgliederversammlung am 21. September den Beschluss der Geschäftsleitung umkippen wird - unabhängig davon, ob GLP-Nationalrat Bäumle antritt.

Lanciert SP eigene Kandidatur?

Noch unklar ist, wie sich die SP verhält. Tritt Bäumle nur gegen einen Kandidaten der SVP an, sind ihm die Stimmen der SP nicht gewiss, wie Parteipräsident Stefan Feldmann sagt. Die GLP agiere in der Sozial- und Finanzpolitik prononciert bürgerlich, sagt Feldmann. Die SP behalte sich deshalb die Option einer eigenen Kandidatur offen.

Auch bei der FDP hat Bäumle keinen leichten Stand. Präsident Beat Walti taxiert den Anspruch der SVP auf den zweiten Sitz als grundsätzlich ausgewiesen. Über eine Unterstützung der SVP-Kandidatur entscheiden die Freisinnigen allerdings erst, wenn die SVP ihren Kandidaten nominiert hat. Ziel sei jedenfalls eine stabile bürgerliche Mehrheit in der Zürcher Politik, sagt Walti. Skeptisch äussert er sich deshalb zur GLP. Falls die Grünliberalen dank einer Allianz mit den Linksparteien in die Regierung einzögen, stelle sich aus bürgerlicher Sicht die Frage, «wie zuverlässig ein solcher Partner ist».

Katharina Prelicz-Huber.

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