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Gymirektor stoppt Lehrer, die nach Feierabend bezahlte Nachhilfe gaben

Lehrer der Kantonsschule Hottingen verdienten sich einen Zustupf, indem sie sich gegenseitig Nachhilfeschüler vermittelten. Das hat auch die Bildungsdirektion hellhörig gemacht.

Von Liliane Minor und René Donzé Zürich – Peter Stalder, Rektor der Kantonsschule Hottingen, war ziemlich erstaunt, als ihm die wilden Geschichten zu Ohren kamen, die im Lehrerzimmer erzählt wurden: Lehrer der Fachschaft Wirtschaft würden absichtlich ungenügende Noten geben oder gar schlecht unterrichten, um sich gegenseitig Nachhilfeschüler zuzuschanzen. Für diesen Unterricht liessen sich die Lehrer bezahlen. Dieser Vorwurf der Mauschelei liess sich zwar nicht erhärten. Doch fand der Rektor heraus, dass es in seiner Kantonsschule eine Art Tradition ist, dass Lehrer bezahlte Nachhilfe erteilen. Wie viel sie verdienten, weiss er nicht. Im Internet werden Lektionen von Profis für 60 bis 100 Franken angeboten. Stalder handelte rasch und stellte zwei Lehrer, die offenbar am aktivsten waren, zur Rede. Und er verschickte ein E-Mail an alle Lehrkräfte, in der er die Praxis kurzerhand verbot. «Es geht nicht, dass Lehrer, die bei uns zu 100 Prozent angestellt sind, unter dem Tisch zusätzlich Geld verdienen», sagt Stalder. Ein Entscheid, den die Bildungsdirektion stützt: Diese Art von Nachhilfeunterricht sei nicht zulässig. Für Stalder ist das aber nicht der einzige Grund für ein Verbot: «Wie sich gezeigt hat, führt eine solche Praxis zu Unfrieden und Gerede im Lehrerzimmer.» Wirbel in der Lehrerschaft Das E-Mail des Rektors sorgte bei den Lehrern offenbar ordentlich für Wirbel, erzählt ein Insider. Einzelne waren der Ansicht, man hätte schärfer durchgreifen müssen. Doch Stalder findet, es reiche, Sanktionen anzudrohen. Laut Marc Kummer, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, liegt die Verantwortung für die Lehrerführung bei den Schulen. «Unser Amt wurde noch nie mit diesen Fragen konfrontiert, daher bestehen keine Erfahrungswerte.» Aufgrund des Hottinger Falls will er das Thema «in nächster Zeit an einer Schulleiterkonferenz besprechen». Unproblematische Alternative Nachhilfeunterricht ist an allen Kantonsschulen ein Dauerthema. Ähnliche Fälle wie in Hottingen sind aber weder dem Kanton noch den Rektoren bekannt. Die meisten Schulen bieten andere Lösungen an. Oft geben Studenten oder pensionierte Lehrer Stützunterricht. In Wetzikon vermittelt die Kantonsschule ältere, schulisch gute Schüler als Nachhilfelehrer für die Kleineren. Im Winterthurer Gymnasium Im Lee betreuen die ältesten Schüler Aufgabenstunden. Auch in Hottingen gibt es ein unproblematisches Angebot, allerdings in der Fachschaft Mathematik: eine wöchentliche, kostenlose Aufgabenstunde, welche die Mathelehrer im Turnus betreuen. «Es geht nicht, dass Lehrer unter dem Tisch zusätzlich Geld verdienen.» Peter Stalder, Rektor

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