Zum Hauptinhalt springen

Härtere Strafen für zwei Tankstellenräuber

Wer mit schussbereiter Pistole auf sein Opfer zielt, bringt es in Lebensgefahr - egal, ob der Finger am Abzug war oder nicht. Das sagt das Bundesgericht.

Zürich/Lausanne - Das Bundesgericht hat ein Urteil des Zürcher Obergerichts aufgehoben. Es verlangt eine härtere Bestrafung von zwei jungen Tankstellenräubern.

Die beiden Männer hatten im Jahr 2007 eine Reihe von Überfällen auf Tankstellen verübt. Der damals 22-jährige Haupttäter war an sieben Überfällen beteiligt und erbeutete über 20 000 Franken. Er zielte jeweils mit einer durchgeladenen und schussbereiten Pistole auf das Verkaufspersonal. Bei der Flucht schoss er zudem auf die Polizei. Für das Obergericht bestand nur in jenen Fällen eine Lebensgefahr für das Verkaufspersonal, in denen der Täter den Finger am Abzug hielt. In den restlichen Fällen verneinte es aber eine solche Gefahr und sprach ihn in diesen Punkten nur «wegen Offenbarung einer besonderen Gefährlichkeit» schuldig.

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft sah das anders und zog den Fall nach Lausanne. Mit Erfolg: Für das Bundesgericht hatte der Haupttäter seine Opfer in Lebensgefahr gebracht - unabhängig davon, ob er den Finger am Abzug gehalten habe oder nicht. Denn es könne sich ungewollt ein Schuss lösen und das Opfer töten.

Muss Haupttäter ins Pöschwies?

Das Obergericht hatte den Haupttäter wegen versuchten Mordes (Schüsse auf die Polizei) und den Raubüberfällen zu einer Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt. Der Vollzug der Strafe wurde zugunsten einer Massnahme aufgeschoben. Der Mann absolviert im Massnahmenzentrum Uitikon eine Berufslehre. Der nicht bewaffnete Mittäter, der nur in einem Raubüberfall dabei war, erhielt eine teilbedingte Strafe von zweieinhalb Jahren.

Das Obergericht muss nun diese Strafen erhöhen. Dies könnte für den Haupttäter bedeuten, dass er seine Strafe in der Strafanstalt Pöschwies absitzen muss. Schon die laufende, maximal vierjährige stationäre Therapie im Massnahmezentrum Uitikon steht im starken Kontrast zur ausgesprochenen Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren. Denn gemäss Bundesgericht sind längere Freiheitsstrafen nur ausnahmsweise für eine stationäre Behandlung auszusetzen. Länger bedeutet laut Bundesgericht, wenn die maximale Dauer der Massnahme nicht einmal zwei Drittel der Strafzeit beträgt.

Strafe nicht unter fünf Jahren

Laut Ulrich Weder, Leiter der Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte, ist das Urteil sehr wichtig, weil es einen Einfluss auf die Höhe der Strafe hat. Denn gemäss Schweizerischem Strafgesetzbuch wird ein Täter mit einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft, wenn das Opfer in Lebensgefahr gebracht wird. 6B_737/2009

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch