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Handelte Jérôme Kerviel tatsächlich alleine?

In Paris fällt heute das Urteil gegen den ehemaligen Börsenhändler und mutmasslichen Betrüger der Société Générale.

Von Oliver Meiler, Marseille Sein Name steht für einen der ganz grossen Skandale in der Geschichte der internationalen Bankenwelt: Der Bretone Jérôme Kerviel, 33 Jahre alt, hat im Jahr 2007 mit seinen Machenschaften als Trader die französische Société Générale 4,9 Milliarden Euro gekostet, ohne sich selber bereichert zu haben – eine kuriose und spektakuläre Akte. Heute wird der Pariser Strafgerichtshof sein Urteil im Prozess gegen Kerviel bekannt geben. Folgt es der Anklage, dann drohen dem Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und eine Busse von 375?000 Euro wegen Vertrauensbruchs, Fälschung und «betrügerischer Einführung von Daten ins automatisierte Datensystem». Die Bank behauptet, Kerviel habe alleine gehandelt und dabei die Kontrollmechanismen getäuscht. Die Verteidigung kontert, es sei unmöglich, dass die Vorgesetzten die Praktiken des jungen Börsenhändlers ignoriert hätten. Kerviel selber schrieb in seinen Memoiren, die sich wie ein langes Plädoyer lesen, er sei nur ein kleines Rad im grossen Getriebe gewesen. Er gestand aber gleichzeitig ein, dass er seine Position zuweilen kaschierte, zumal ganz zum Schluss, als er viel Geld verlor – in der Hoffnung, er könne seine Verluste wieder wettmachen. Kurz bevor er aufflog, jonglierte Kerviel einmal mit 50 Milliarden Euro und brachte die Bank so an den Rand des Absturzes. Neue Enthüllungen Die Société Générale fordert deshalb einen Schadenersatz über die Summe des erlittenen Verlusts, also 4,9 Milliarden. Die Wirren dürften mit dem Ende des Prozesses allerdings noch nicht vorbei sein: Erst am Montag wurde bekannt, dass der langjährige Kommunikationschef der Grossbank, Hugues Le Bret, den Vorsitz der konzerneigenen Onlinebank Boursorama per sofort aufgibt. Es heisst, Le Bret wolle sich vor der Publikation seines Buches, das noch diese Woche erscheinen soll, ganz von der Bank lösen. Der Titel lautet so: «Die Woche, als Kerviel beinahe das globale Finanzsystem in die Luft gesprengt hätte». Offenbar erzählt der Vertraute des damaligen Konzernchefs Daniel Bouton darin noch unbekannte Details des Falls. Jérôme Kerviel Der heute 33-Jährige bescherte der Société Générale einen Verlust von knapp 4,9Milliarden Euro.

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