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Hans Fischlis Werk lebt weiter

Die Vernissage zu Ehren von Hans Fischli im Meilemer Ortsmuseum wurde zum Stelldichein der Kulturelite.

Meilen - Die Ausstellung, eine Hommage an Hans Fischli, der am 9. Oktober seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, war die Idee seiner Familie. Die Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen, die vor allem sein Frühwerk dokumentieren, zeigen an der Vernissage vom Samstagabend eindrucksvoll die Kreativität eines Künstlers, der Kunst zeitlebens nicht als Stil, sondern als Lebenshaltung begriff.

Hans Fischli, Vater des weltberühmten Künstlers Peter Fischli, war Meilen von 1933 bis zu seinem Tod 1989 eng verbunden. 1933 baute er hier sein Wohnhaus und Atelier. In der Bevölkerung wurde das Gebäude wegen seiner modernen Konzeption als «Schuhschachtel» verspottet. Dennoch kamen bald Leute von weit her, um das Haus zu bewundern.

Für Hans Fischli waren die Studienjahre am Dessauer Bauhaus als Architekt und Künstler prägend. Seine Lehrer, darunter Paul Klee und Wassily Kandinsky, waren Teil einer Kunst-Avantgarde, die Kunst als etwas Lebensnotwendiges für jedermann zugänglich machen wollte.

Das Atelier im Bezirksgefängnis

Dass Hans Fischli konsequent für seine Überzeugung eintrat, zeigt sich in der Entstehungsgeschichte einer Serie von über 100 kleinen Bildern, von denen sechs an der Ausstellung zu sehen sind: Weil er seinerzeit den Militärdienst verweigerte, wurde er zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt. Im Bezirksgefängnis Meilen malte er täglich eines oder auch mehrere Bilder. Wie hingehaucht, schweben die zarten Farben dieser sogenannten Zellenbilder über das Papier. Auch wenn diese Hommage nur einen verschwindend kleinen Teil seines Schaffens zeigen kann, ist die Vielseitigkeit doch beeindruckend.

Durch Leben und Werk von Hans Fischli führte an der Vernissage in einer Ansprache - nach der Begrüssungsrede von Fischlis Tochter Elena - Karl Jost, Direktor des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft. Als guter Freund der Familie wusste er von allerlei Details zu berichten.

Kein Zirkus der Eitelkeiten

Das Ortsmuseum Meilen hat wohl selten derart viele Kulturschaffende angezogen: Selbstverständlich David Weiss als Künstlerkollege von Peter Fischli, daneben auch Patrick Frey, Kabarettist und Verleger, Filmemacher Karl Saurer, die Autorin Judith Giovanelli-Blocher, die Pianistin Erna Ronca, Psychoanalytiker und Verleger Robert Hinshaw vom Jung-Institut, Claudia Jolles vom «Kunstbulletin» und viele Freunde und Bekannte der Familie. Zahlreiche ehemalige Mitarbeiter und Bewohner der Häuser, die Hans Fischli als Architekt entworfen hat, waren ebenfalls anwesend.

Trotz der vielen bekannten Namen war es kein oberflächlicher «Zirkus der Eitelkeiten» - ganz im Gegenteil. Peter Fischli gestaltete eine äusserst sensible und anregende Hommage an den Künstler und Vater, dessen Werk 20 Jahre nach seinem Tod noch immer Frische und Inspiration ausstrahlt.

Der «Ansturm» der Besucher war so gross, dass die Räume des Ortsmuseums Meilen kaum mehr Leute hätten fassen können. Die Erinnerung an einen faszinierenden und engagierten Künstler sowie auch die Wertschätzung seines Werkes sind offensichtlich immer noch sehr lebendig und gross. Jérôme Stern Öffnungszeiten der Ausstellung: Mittwoch, 21. Oktober, 16-20 Uhr, Samstag/Sonntag, 24./25. Oktober, 11-18 Uhr, Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14.

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