Zum Hauptinhalt springen

Hardundgut will Platzierung von psychisch Kranken fortsetzen

Die Caquelon-Produktion in Embrach endet und damit auch ein Projekt des sozialen Dienstleisters Hardundgut. Psychisch Kranke sollen aber weiter in Firmen arbeiten.

Embrach - «Wir haben mit dem Gesetz der freien Marktwirtschaft gespielt», sagt Stephan Suter, Leiter des sozialen Dienstleisters Hardundgut in Embrach. «Mit der Schliessung der Landert in Embrach wurde uns der freie Markt aber heftig um die Ohren geschlagen.» Dies mache jedoch nicht schwach, sondern stark, so Suter. Rückblende: Dank der Vermittlung von 40 psychisch behinderten Menschen durch Hardundgut konnte die Landert Keramik AG ihren Produktionsstandort in Embrach retten. Die praktisch stillgelegten Maschinen der Fabrik wurden wieder angeworfen, man schrieb schwarze Zahlen (siehe Box). Soziales Engagement schien sich auch finanziell zu lohnen.

Aufbau vor zwei Jahren

Hardundgut ist ein Betrieb des Psychiatrie-Zentrums Embrach, der seit Anfang Jahr zur Integrierten Psychiatrie Winterthur und Unterland (IPW) gehört. Vor zwei Jahren hatte dessen Leiter Stephan Suter damit begonnen, psychisch behinderte Menschen an externe Firmen zu vermitteln. Jene bleiben dabei von Hardundgut angestellt, erhalten von der Firma aber einen kleinen Stundenlohn von zwölf Franken, davon gehen fünf Franken an Hardundgut. Ihren Lebensunterhalt finanzieren sie weiterhin mit IV-Bezügen. «Die externe Arbeit bringt den psychisch Kranken vor allem soziale Integration», sagt Suter. In vier Fällen habe man gar erreicht, dass die Firma den Arbeitnehmer einstellte. «Diese Form von Integration ist auch in Zukunft unser Ziel», sagt Suter. «Schliesslich kann eine Firma imagemässig nur von uns profitieren.» Ähnlich der Lehrlingsausbildung schwebt ihm die Integration von psychisch Kranken als positives Label vor.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten in den vergangenen Jahren 15 Personen der insgesamt 160 Hardundgut-Angestellten an sogenannt integrativen Arbeitsplätzen, also auf dem freien Markt. Der Rest wurde in den eigenen geschützten Werkstätten beschäftigt, die Suter entgegen der gängigen Meinung nicht als Lösung sieht, sondern als Problem. «Die Menschen bleiben dort behindert.»

Stephan Suter will daher trotz der Schliessung der Embracher Keramikfirma Landert per Ende Monat weiter auf die Strategie der externen Platzierung setzen. Er fürchtet auch nicht, dass künftig Firmen bei ihm anklopfen, die billige Arbeitskräfte suchen. Einen Profit könne niemand aus seinen Leuten schlagen: «Psychisch Kranke arbeiten langsamer, zudem ist ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt.» Auch sollten nicht so bald wieder 40 gleichzeitig auf der Strasse stehen. «Das Projekt Landert war ein einzigartiges Shop-in-Shop-Projekt.» Die psychisch Kranken hätten den Betrieb vollständig übernommen, und seien vor Ort von drei Sozialarbeitern betreut worden. Eine externe Platzierung vermittle normalerweise nur einzelne Arbeiter, die von einem Job-Coach nur wenn nötig betreut würden.

Bislang hat Stephan Suter den Job des Coaches selbst übernommen. Dies soll sich ändern: Für die Stelle wird zurzeit jemand gesucht. Für die meisten der 40 ehemaligen Landert-Arbeiter konnte indes eine neue Stelle gefunden werden. Sie arbeiten allerdings wieder in geschützten Werkstätten. Vier aber wollen wieder extern arbeiten - laut Suter suchen sie die Identifikation mit einer Firma. Produzieren die letzten Landert-Caquelons: Leiter Stephan Suter (l.). Foto: David Baer

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch