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Heikle Operation im Dorfkern

Wer in der Kernzone baut, muss besonders umsichtig vorgehen. An der Küsnachter Allmendstrasse ist das dem Bauherrn offenbar geglückt, wie sich bei einem Ortstermin mit dem Lokalhistoriker zeigt.

Von Daniel Fritzsche Küsnacht &endash Unter einem Silberahorn im Dorfkern von Küsnacht stehen ein Bauherr, ein Architekt und ein Historiker. Hinter ihnen rauscht der Dorfbach, vor ihnen klafft eine Baugrube. Fritz Schlagenhauf, der Bauherr, sagt: «Jetzt nimmt unser Projekt endlich Gestalt an.» Der Besitzer der Meilemer Immobilienfirma Cedrus blickt auf das Gelände vor ihm, wo früher eine schmucklose Scheune stand. 2007 hat Schlagenhauf das Grundstück an der Allmend-strasse gekauft. Bis zum Dezember 2012 sollen darauf neun grosszügige Mietwohnungen entstehen.Bauen in der Kernzone ist eine heikle Angelegenheit, das weiss Schlagenhauf. Ihm sei immer klar gewesen, dass er an diesem Ort nur eine Chance auf eine Baubewilligung habe, wenn sein Projekt «in jeder Beziehung architektonisch hochstehend» sei. Schlagenhauf initiierte deshalb einen Architekturwettbewerb. Das Rennen machte der Vorschlag des Zürcher Architekturbüros Neff Neumann. Thomas Wölfel, der Architekt, sagt, es seien überdurchschnittlich viele Auflagen zu erfüllen gewesen. «Aber ich denke, mit dem endgültigen Projekt können alle gut leben.» Alle Einwände ausgeräumt Das bestätigt Alfred Egli, der Historiker, der gegenüber dem Neubau zu Beginn kritisch eingestellt war. Egli ist direkter Anwohner, aber nicht nur das: Als Präsident des Vereins für Ortsgeschichte und Herausgeber der «Küsnachter Jahrhefte» ist er so etwas wie das historische Gewissen der Gemeinde. «Wenn sich im Dorfkern etwas verändert, bin ich immer auf der Hut», sagt er. Die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn und den Architekten sei intensiv, aber konstruktiv gewesen. Ein-, zweimal habe er Einwände gehabt, die im gegenseitigen Einvernehmen ausgeräumt worden seien. Ein prägendes Merkmal des Ortsbildes an der Allmendstrasse ist laut Architekt Wölfel der Freiraum zwischen Dorfbach und Baugelände, entstanden durch die Flutkatastrophe von 1778. Dieser Raum bleibe auch in Zukunft bestehen, da das neue Wohngebäude an nahezu identischer Lage errichtet werde wie die frühere Scheune. Das Erscheinungsbild des neuen Hauses sei von den Materialien und der Farbgebung her «sehr zurückhaltend» gestaltet. Nicht nur an den Profit gedacht Auffallend sind die vertikalen Holzlamellen, die das Fassadenschema der alten Scheune aufnehmen. «Das Projekt wird hoffentlich einen stimmungsvollen Beitrag zum Ortsbild leisten», sagt Wölfel. Getauft wurde es auf den Namen Silberahorn &endash nach dem Baum, unter dem sich die drei Männer versammelt haben. Er wird auch nach Ende der Bauarbeiten noch dort stehen. Egli, der Lokalhistoriker, ist froh, dass Bauherr Schlagenhauf auf die maximale Ausnützung der zulässigen Baumasse verzichtet hat. Anstatt der geplanten 9 hätte er gut auch 18 Wohnungen erstellen können. Dem Bauherrn rechnet er auch an, dass dieser nicht in erster Linie auf den Profit, sondern auf eine gute Lösung für Küsnacht bedacht gewesen sei. Die Scheune, die früher auf dem Gelände stand, stammte aus den 1870er-Jahren. Alfred Egli, der im denkmalgeschützten Nachbarhaus lebt, sieht in ihrem Abbruch trotz ihres hohen Alters keinen grossen Verlust für Küsnacht. Zuletzt diente das Holzhaus als Lager des im Jahr 2000 aufgelösten Baugeschäfts Lorandi. Über drei Generationen führte die aus Italien eingewanderte Familie Lorandi den Betrieb. Vor allem in den 1960er-Jahren profitierte sie vom Wirtschafts- und Bauboom in der Region. Mit dem Ende der Ära Lorandi soll nun die Ära Schlagenhauf eingeläutet werden. Der Meilemer will die Mietwohnungen langfristig im Besitz seiner Familie lassen. Wie teuer die Mietzinse der 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen sein werden, weiss der Unternehmer noch nicht genau. Als Zielpublikum schweben ihm Familien und ältere Küsnachter vor, die nicht mehr in ihren grossen Häusern leben möchten. Schlagenhauf hofft, dass der Silberahorn im Dorf zum Thema wird. Stolz sagt er: «Küsnacht soll über dieses Gebäude sprechen.» Vorher und nachher: Dort, wo sich einst eine Scheune befand, sollen bis in einem Jahr Mietwohnungen entstehen. Fotos: PD

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