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Heizen mit Erdsonde und Wärmepumpe

Wer sich für energieeffizientes Bauen interessiert, hat am Samstag Gelegenheit, hinter die Fassaden zu schauen. Minergie-Hausbesitzer präsentieren ihre Gebäude.

Von Andrea Söldi Fröstelt man in Energiesparhäusern? Surrt die automatische Lüftung? Wie funktioniert die Haustechnik, und was kostet so ein Bau? Solche und andere Fragen beantworten die vier Besitzer von Minergie-Häusern im Unterland dieses Wochenende gern. Zum Beispiel Rolf und Erika Angst in Niederweningen. Ihr Haus, das im letzten Jahr fertiggebaut wurde, fällt durch seine riesige nach Süden ausgerichtete Dachfläche auf, die vollständig mit Solarzellen bestückt ist. «Wir fanden es optisch ansprechender so, als wenn ein Teil des Dachs mit Ziegeln bedeckt wäre», sagt Erika Angst. Für die 70 Quadratmeter grosse Anlage musste die Familie tief in die Tasche greifen: 72 000 Franken hat sie gekostet. «Wir haben dafür andernorts Abstriche gemacht», sagt Angst. Im vergangenen Jahr produzierte die Anlage 13 000 Kilowattstunden Strom. Davon verbrauchten die Bewohner 5000 selber &endash einen Teil davon für die Wärmepumpenheizung. Somit handelt es sich gar um ein Plusenergiehaus. Die Stromproduzenten erhalten vom Elektrizitätswerk zurzeit lediglich sechs bis neun Rappen pro Kilowattstunde. Sollten dereinst Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) fliessen &endash die Anlage steht auf der Warteliste &endash so hätte sich die Investition auch finanziell gelohnt. Selbstverständlich ist das Haus bestens isoliert. Es wurde nach den Minergie-P-Richtlinien erbaut, die noch nicht häufig angewendet werden. Energie aus dem Duschwasser Ein Einfamilienhaus dieser Kategorie verbraucht jährlich die Energie von rund 150 Liter Heizöl, während solche aus den 60er- und 70er-Jahren in unsaniertem Zustand bis zu 4000 Liter verschlingen. Der tiefe Energieverbrauch wird mit einer optimalen Isolation der Gebäudehülle erreicht, mit Dreifachverglasung der Fenster sowie einer passiven Sonnennutzung durch gute Ausrichtung der Fensterfronten. «Die Bauweise müsste eigentlich Standard sein», sagt Stefan Mischler von der Interessengemeinschaft Passivhaus Schweiz. Der Begriff «Passivhaus» ist eine andere Bezeichnung für Minergie-P-Bauten. Keine Seltenheit mehr ist hingegen der einfache Minergie-Standard. Im Kanton Zürich wird etwa jeder zweite Neubau nach Minergie erstellt. Auch die gesetzlichen Mindestanforderungen sind nicht mehr weit von diesem entfernt. Für eine Minergie-Zertifizierung wird eine automatische Lüftung mit Wärmerückgewinnung verlangt. Ein weiteres Passivhaus, das im Unterland besichtigt werden kann, ist das Bürogebäude der Firma Gasser Bau AG in Oberhasli, das sich selber mit Passivhaustechnik befasst. Das Hauptgebäude in Chur wurde bereits 1999 in diesem Standard erbaut. Das Gebäude in Oberhasli bezieht seine Wärme von einer 190 Meter tiefen Erdsonde sowie von zwei Abluft-Wärmepumpen. Diese hocheffizienten Modelle ziehen die Wärme aus der Abluft der Belüftungsanlage. Nach der Wärmerückgewinnung beträgt deren Temperatur immer noch etwa sechs Grad. Noch nicht besichtigungsreif ist der Riedmühlepark in Dietlikon, der in den nächsten zwei Jahren am nördlichen Siedlungsrand entstehen soll. Die sechs Häuser mit 119 Wohneinheiten werden mit Fernwärme aus der nahen Kläranlage beheizt. Die Energie wird mittels Wärmepumpen gewonnen. Somit erreiche die Siedlung den Minergie-P-Standard auch ohne Fotovoltaik-Anlage. Bereits seit einem Jahr versorgt sich die Siedlung SunnyWatt mit 19 Wohneinheiten im Regensdorfer Ortsteil Watt selber mit Energie. Im Oktober wurden die Minergie-P-Eco zertifizierten Gebäude mit dem Solarpreis ausgezeichnet. Besichtigungsmöglichkeiten: Minergie-Einfamilienhäuser: Martin Hartmann, Irchenbüelweg 2, Glattfelden, Sa und So 13.30&endash17 Uhr; Erika Gassmann, Alte Landstr. 54, Dänikon, So 9&endash17 Uhr. Passiv-Einfamilienhaus: Rolf und Erika Angst, Im Aemet 5, Niederweningen, Sa, 14&endash17 Uhr. Passiv-Bürogebäude: Gasser Bau AG, Rütisbergstr. 11, Oberhasli, Sa, 10&endash16 Uhr Ein grosses klimapolitisches Problem in der Schweiz sind die bestehenden Gebäude, die sehr viel Energie verbrauchen. Auch von diesen könnte ein grosser Teil zu Passiv- oder gar Plusenergiehäusern umgebaut werden, sagt Stefan Mischler von der Interessengemeinschaft Passivhaus Schweiz. «Es ist eine Herausforderung, aber es ist möglich.» Insbesondere Einfamilienhäuser können mit grossen Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet werden, die danach übers Jahr hinweg mehr Strom produziert, als die Bewohner benötigen. Der wichtigste Schritt ist jedoch vorerst die Isolation der Gebäudehülle: Die beste Energie ist jene, die nie verbraucht werde. (asö) Das Dach des Passivhauses in Niederweningen produziert weit mehr Strom, als die Bewohner verbrauchen. Foto: Madeleine Schoder

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