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Hinwiler Gurken enden in der Biogas-Anlage

Vor der Ehec-Krise setzte der Hinwiler Gemüseproduzent Markus Meier täglich 12 000 Gurken ab. Derzeit verlassen lediglich 3500 seine Lagerhalle. Den Überschuss kann er nicht als Tierfutter verwerten, weil die Nachfrage gedeckt ist.

Von Andy Pfister Obwohl die Salatgurke den «schwarzen Peter» des Ehec-Überträgers inzwischen an die Sojasprosse abgegeben hat, bleibt die Lage der Gurkenproduzenten im Zürcher Oberland weiterhin angespannt. Medienberichte hatten Ende Mai vor Krankheitserregern in spanischen Salatgurken gewarnt, worauf die Verkaufszahlen europaweit – egal, woher die Gurken kamen – ins beinahe Bodenlose stürzten. Insbesondere leidet das Gemüse derzeit in der Gastrobranche unter dem nachhaltig geschädigten Ruf: Restaurants und Hotels verarbeiten auch nach der Entwarnung weiterhin fast keine Gurken. Zwei Drittel bleiben liegen Der Detailhandel scheint sich hingegen schneller zu erholen: Laut Judith Bösch, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Ostschweiz, zeichnete sich in den vergangenen Tagen ein deutlicher Aufwärtstrend ab. «Ende letzter Woche näherte sich der Gurkenumsatz bereits wieder dem normalen Niveau», sagt Bösch. Ganz anders tönt es vonseiten der Erzeuger – die Ausfälle im Gastrobereich belasten deren Situation erheblich, Der Hinwiler Grossproduzent Markus Meier klagt, dass statt der üblichen 12 000 Stück am Montag nur rund 3500 Gurken seine Lagerhalle verlassen hätten. Von einer Besserung der Lage seit der Entwarnung spüre er nichts, so der Mitinhaber der Meier Gewächshaus AG. Die finanziellen Folgen der Hysterie kann Markus Meier zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschliessend beziffern. Sie dürften jedoch beträchtlich sein, zumal der Hinwiler Gemüsefabrikant den Gurkenverkauf als ein Standbein seines Betriebes nennt.«Als ich erstmals von den Ehec-Erregern hörte, machte ich mir keine Gedanken darüber – ich rechnete mit dem Vertrauen der Konsumenten», erinnert sich Markus Meier. Im Endeffekt hat der Qualitätsaufkleber, den seine Gurken tragen, aber doch nicht viel genützt: «Unser Trumpf als regionaler Erzeuger ging in der allgemeinen Hysterie um Ehec unter. Die Gurken sind generell in Verruf geraten», stellt Meier fest.Dem gegenüber steht die Sicht des orangen Riesen: Migros-Sprecherin Judith Bösch macht sogar die regionale Einkaufsliste ihres Unternehmens mitverantwortlich für den Wiederanstieg des Umsatzes. «Derzeit stammen sämtliche Gurken in unserem Sortiment von lokalen Produzenten. Diese Tatsache trägt zum Vertrauen der Kunden bei.»Währenddessen durchlebt Markus Meier schwere Zeiten. Der Gurkenverkauf wird für seinen Betrieb zum Leerlauf: «Durch liegen gebliebenes Gemüse verlieren wir mehr Geld, als wir mit dem verkauften einnehmen.» Die Erzeugung einer Gurke koste 75 Rappen – gleichgültig, ob sie nun ausgeliefert wird oder nicht. Mit den Zahlen vom Montag ergibt sich demzufolge ein Verlust von über 6000 Franken pro Tag.Markus Meier ärgert sich über das deutsche Institut, welches die Falschmeldung herausgegeben hat. «Eigentlich sollte die Europäische Union für den Schaden aufkommen», findet der Hinwiler Gurkenproduzent – eine Forderung, die auch andere Schweizer Gemüsebauern aufstellen. Neben den Forschern macht Meier aber auch die Medien in Europa für das Gurken-Desaster verantwortlich. «Nach den unzähligen Negativschlagzeilen wäre nun eine positive Kampagne angebracht, um die Gurken wieder ins rechte Licht zu rücken.» Tierfutter keine Option mehr Schweine und Kühe profitieren vom Elend der Gurkenproduzenten. Sie kommen derzeit öfters in den Genuss von erstklassigem Gemüse. Meier kann aber nur einen kleinen Anteil seines Überschusses als Tierfutter verwerten – selbst hier ist die Nachfrage mittlerweile gedeckt. Als nächstbeste Alternative bietet sich für Meier jetzt die Stromproduktion an: Das Gros der Hinwiler Gurken endet gegenwärtig in einer Biogasanlage. Markus Meier. Restaurants und Hotels verarbeiten fast keine Gurken, das Gemüse wird zu Abfall. Foto: Keystone/Alessandro Della Bella

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