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Hochschwanger in die Schweiz geflüchtet

1989 flüchtete Sima Ahmad aus Afghanistan. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in Wetzikon. Sie fühlt sich als Schweizerin, sagt aber: «Mein Land braucht meine Hilfe.»

Wetzikon. - Sima Ahmad erinnert sich noch genau an ihre abenteuerliche Flucht aus Kabul: Als ihr Ehemann Sedig nach einer politischen Demonstration ins Gefängnis gesteckt wurde, habe sie sich entschlossen, aus dem durch Kriegswirren geplagten Land über Pakistan zu flüchten. Nur durch die finanzielle Unterstützung des Schwiegervaters sei dies möglich gewesen. Hochschwanger und mit der zweijährigen Tochter Chatera sei sie in die Schweiz geflogen. Gewählt habe sie das Land, weil ihr Cousin hier wohne. Sie habe keine konkreten Vorstellungen gehabt, «wie es in der Schweiz ist». Sie wollte lediglich «Frieden für meine Familie». Dafür hätte sie sogar ihren Ehemann zurückgelassen. Dieser flüchtete kurz darauf aus dem Gefängnis und folgte seiner Familie.

Schwieriger Start in der Schweiz

«Die erste Zeit in der Schweiz war nicht immer sehr angenehm», sagt Sima Ahmed. Zuerst hätte ihre Familie im Hobbyraum der Wohnung ihres Cousins gewohnt, danach in einem Wohncontainer in Volketswil. Sprachliche Barrieren hätten den Kontakt zu den ausnahmslos hilfsbereiten Schweizern erschwert. Heute ist die Familie richtig in der Schweiz angekommen und lebt seit 2000 in Wetzikon. Die Eltern und die zwei Töchter besitzen den Schweizer Pass, fühlen sich aber immer noch mit ihrem Heimatland verbunden. «Täglich schauen wir uns über Satellit Nachrichten aus Afghanistan an», sagt die Mutter. Dank gut funktionierender Telefonverbindungen erkundige sie sich nach Attentaten oder Kriegsexzessen, wie es Verwandten und Bekannten gehe.

Die Familie Ahmad hat sich optimal in der Schweiz integriert, spricht sehr gut Deutsch. Die Eltern arbeiten seit ihrem Ankunft im Land, das ihnen den ersehnten Frieden beschert hat. Sie beklagen sich nicht, dass sie als Akademiker in Hilfsberufen tätig sind. Die Töchter Chatera (22) und Hosna (20) studieren. Die Familie lebt «den gemässigten Islam». Die Frauen tragen die Burka nur noch an religiösen Feiertagen. Chatera erklärt, dass der Islam in der Schweiz weitgehend anerkannt werde. Es gäbe leider noch einige wenige Menschen, welche ihn immer noch mit dem Terror gleichsetzten.

Das Heimatland der Familie Ahmad braucht dringend Hilfe. Gestern führte darum das Senioren Forum Zürcher Oberland ein Podium zum Thema «Alltag in Afghanistan» durch. Im Pfarreizentrum Heilig Geist in Wetzikon wurde gleichzeitig der Verein «Direkthilfe Daulatzai» vorgestellt. Wie die administrative Leiterin Kathrin Raymann erklärte, wird in Daulatzai - nahe der pakistanischen Grenze - ein Spital gebaut. Es soll 2010 fertig gestellt sein. Noch aber fehlt es an Geld. Dieses will das Hilfswerk sammeln. Sollten die Kriegswirren «einmal beendet sein», schliesst die Familie Ahmad eine Rückkehr in ihr asiatisches Geburtsland nicht aus. Weil sie der Bevölkerung «vor Ort helfen will.»

www.direkthilfe-daulatzai.ch

Chatera Ahmad, Kathrin Raymann und Sima Ahmad (v. l.) wollen mit dem Verein «Direkthilfe Daulatzai» die Bevölkerung von Afghanistan unterstützen.

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