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Hochzeitskleid war der Auslöser für eine fristlose Kündigung

Das Bezirksgericht hatte eine fristlose Entlassung zu beurteilen. Ein Angestellter hatte mit seiner Firmen- kreditkarte Bargeld für ein Hochzeitskleid bezogen.

Von Thomas Zemp Horgen – Vor dem Gerichtssaal begrüssten sich der ehemalige Angestellte und der Geschäftsleiter noch per Handschlag und waren per Du, im Gerichtssaal selber stritten sie dann über die fristlose Kündigung, die der Chef seinem Aussendienstmitarbeiter Anfang Februar ausgesprochen hatte. Der Aussendienstmitarbeiter klagte seinen ehemaligen Arbeitgeber darum ein und wollte auf dem Gerichtsweg über 27 000 Franken erstreiten: Lohn, Bonus und Anteil am 13. Monatslohn, die ihm seiner Ansicht nach zustanden. «Es gab keinen Grund für eine fristlose Entlassung», sagte sein Anwalt des Öfteren. Auch alle Gründe zusammen hätten für einen Fristlosen nicht gereicht, meinte er. «Man hat einen Grund für eine fristlose Entlassung gesucht, und das beim Bargeldbezug mit der Geschäftskreditkarte gefunden.» Geschäftskarte eingesetzt Den Bargeldbezug bestritt der Aussendienstmitarbeiter nicht: Er war am 12. Dezember 2009 nach Freiburg im Breisgau gefahren, um das Hochzeitskleid für seine Frau zu kaufen. Da seine persönliche Kreditkarte nicht funktionierte, bezog er mit der Geschäftskreditkarte an einem Bankautomaten 500 Euro. Er war davon ausgegangen, dass das kein Problem sei – und dass ihm die Firma das vom Lohn abziehen würde. Den Beleg wollte er der Buchhalterin persönlich übergeben, unterliess das aber bis Ende Jahr. Anfang Januar arbeitete er für zwei Tage, danach bezog er die Freitage für die Hochzeit – sein Chef war auch an der Hochzeit. Danach wurde der Aussendienstler krank. Der Beleg blieb liegen. An seinem ersten Arbeitstag präsentierte ihm der Chef gleich die fristlose Kündigung. Der Beleg für den Bargeldbezug war aufgetaucht, als jemand das Pult des Aussendienstmitarbeiters aufgeräumt hatte. Dieser ging bei der Kündigung offenbar davon aus, dass er normal gekündigt und freigestellt worden war. Erst ein paar Tage später will er gemerkt haben, dass er fristlos entlassen worden war. Nicht nur ein Grund Vor dem Arbeitsgericht sagte die Anwältin des Geschäftsführers nun, dass der Bargeldbezug nicht der einzige Grund gewesen sei, sondern bei der fristlosen Kündigung «nur noch das Tüpfelchen auf dem i gewesen ist. Oder der Wassertropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.» Bereits im November habe der Geschäftsführer in einem Gespräch beanstandet, dass der Aussendienstmitarbeiter zu wenig leiste und zu viele Fehler mache. Zudem habe er das Geschäftsauto, das er in der Freizeit brauchen dürfe, auch in den Ferien im Ausland mit der Benzinkarte des Geschäfts betankt, was nicht erlaubt sei. Eine fristlose Kündigung habe er seinem Angestellten nie angedroht, sagte der Geschäftsleiter auf die Frage von Gerichtspräsident Reto Nadig. All die Gründe würden für eine normale Kündigung reichen, aber nicht für eine fristlose, sagte der Anwalt des ehemaligen Angestellten. Und so schlecht könne der nicht sein, denn er arbeite heute wieder bei dem Arbeitgeber, bei der er schon früher gearbeitet hat. Beim Arbeitsgericht ist nur der erste Teil der Verhandlung öffentlich. Das Gericht präsentiert den Vergleichsvorschlag unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ob sie sich geeinigt haben, bleibt damit offen.

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