Nippel, Hirn und Helium

Wer in der Wild Bar im Kreis 4 einkehrt, kann sich Kinderträume erfüllen und kulinarische Ängste überwinden.

So klingt die Stimme nach dem Heliumkonsum. (Video: Lea Blum).

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Eine Portion Helium zu inhalieren und danach für ein paar Sekunden wie ein Chipmunk zu sprechen, das war stets ein Wunsch von mir. Nun, mit Ende dreissig, hat er sich endlich erfüllt. In der Wild Bar, dem neuen Zürcher Lokal, das eben auch gasförmige Genüsse anbietet. Darauf, mit der Chipmunk-Stimme im Internet zu erscheinen, hatte ich dann aber doch keine Lust. Oder ich war zu eitel dafür.

Mein TA-Kollege Pascal Unternährer erklärte sich dagegen nach kurzer Überzeugungsarbeit bereit, als Versuchskaninchen vor die Kamera zu treten. So liessen wir ihm einen gut gefüllten Ballon mit Helium servieren – Geschmacksrichtung: Wodka-Bergamotte. Und siehe da, aus seiner sonst so sonoren Stimme wurde durch das Helium alsbald ein ziemlich eigenartiges Quaken, irgendwo zwischen Donald Duck und dem legendären Schweizer Sportreporter Hans Jucker.

Helium zum Tête-à-Tête

3.50 Franken kostet in der Wild Bar eine Ladung Helium. Es gibt das Edelgas, das in grossen Mengen ein wenig Schwindel auslöst, auch in der Geschmacksrichtung Rum-Cola. Sehr zur Freude der Gäste, die den ausgefallenen Service ausgiebig nutzen. «Die Heliumballons sind in grösseren Runden oder auch beim Tête-à-Tête eine Art Eisbrecher», sagt Elif Oskan, die zum Quartett der Wild-Bar-Initianten zählt.

Oskan, die längst nicht nur Heliumballons abfüllen kann, sondern auch eine international renommierte Patisseriekünstlerin ist, serviert kurz darauf den zweiten Gang für das Versuchskaninchen Pascal U. Es handelt sich um knusprig ausgebackene Bällchen, die ein wenig wie kleine Windbeutel aussehen. Sie bestehen aber nicht aus süssem Teig, sondern aus Kalbshirn. «Ich erwarte etwas Gummiges, etwas, das von der Konsistenz in Richtung Marshmallow geht», sagt Pascal. Auch an die TV-Sendung «Dschungelcamp» mit all den kulinarischen Mutproben müsse er denken. Nein, etwas Angenehmes erwarte er von diesen Kalbshirnbeignets (12 Fr.) nicht.

Präsentiert werden die Beignets in einem mit Goldfarbe besprayten Kalbsschädel, der auf einem scharlachroten Kissen thront. Pascal, der noch nie Hirn gegessen hat, schnappt sich tapfer eines der Bällchen, schiebt es in den Mund – und ist äusserst angenehm überrascht. «Das ist Hirn? Das ist ja richtig lecker», sagt er. Tatsächlich sind die Beignets alles andere als gummig, sondern zergehen im Mund regelrecht.

Eine Bühne für das Küchenteam

Natürlich bietet die Wild Bar nicht nur kulinarische Kuriositäten. Das Lokal, das während einer fünfmonatigen Zwischennutzung im ehemaligen Restaurant Ciro an der Militärstrasse 16 beheimatet ist, soll eine Bühne für sein hervorragend besetztes Küchenteam sein. Zu diesem gehören neben Elif Oskan Valentin Diem, der Kopf von Wood Food, und Markus Stöckle, der die Entwicklungsküche der weltberühmten Londoner Fat Duck von Heston Blumenthal leitete.

Grossartig sind die sogenannten Waldsardinen (11 Fr.) – sanft geräucherte, mit Tannennadeln und Mandarine aromatisierte Albelifilets. Deren Konsistenz ist noch sanfter als die junger Matjesheringe, der Geschmack elegant und frisch. Das rustikale, aber nicht weniger schmackhafte Gegenstück dazu: Appenzeller Krautwurst zum Zutzeln (12 Fr.), die jede Weisswurst locker in den Schatten stellt, oder die besten Spätzle der Stadt (11 Fr.) an einer leicht säuerlichen Sauce mit einheimischem Trüffel. Oder eine weitere Mutprobe: Schweinenippel Cicharon & Furikake (6 Fr.) So spannend wie die Speise- präsentiert sich die Getränkekarte. Probieren Sie unbedingt den Festejar blanc 2014, einen perlenden, naturtrüben Chardonnay von Patrick Bouju (10.50 Fr./dl).

Erstellt: 20.12.2016, 15:34 Uhr

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