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Hohe Strafen im grössten Drogenprozess der Schweizer Justiz

Sie importierten rund 600 Kilo Kokain im Marktwert von 100 Millionen Franken. Jetzt müssen sie für zwölf und acht Jahre ins Gefängnis

Von Thomas Hasler Das Bezirksgericht Bülach hat am Donnerstag einen 39-jährigen, in der Schweiz wohnhaften italienischen Gelegenheitsarbeiter zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Ein 53-jähriger Schweizer Geschäftsmann aus dem Bernbiet muss für acht Jahre ins Gefängnis. Die beiden waren Teil eines international operierenden Drogen-Grosshändlerrings und sorgten für den bisher grössten Drogenfall, der je vor einem Schweizer Gericht verhandelt werden musste. Drogenimporte dieser Grössenordnung «hat man in der Schweiz sonst nicht ansatzweise», sagte Gerichtspräsident Rainer Hohler. Er muss es wissen, denn sein Gericht, zuständig für den Flughafen, hat schweizweit die fundierteste Erfahrung mit Kokain-Transporteuren. Unter 60 Tonnen Bananen In der mündlichen Urteilseröffnung räumte Hohler ein, dass das Gericht «sehr hohe Strafen» ausgesprochen habe. Man müsse aber auch von einem «krassen, extrem hohen Verschulden» ausgehen. Dies zeige sich nicht nur in der «extrem hohen Menge» importierter Drogen, im professionellen, mit grossem Aufwand betriebenen, arbeitsteiligen Vorgehen, sondern auch in der Belohnung, welche die Angeklagten vom Chef kassierten: Für vier Lieferungen wurde der Italiener mit 350 000 Franken abgegolten, der Schweizer für drei Lieferungen mit 255 000 Franken. Aussergewöhnlich an diesem Fall war aber nicht nur die Drogenmenge, sondern auch die Art, wie das Kokain mit einem Reinheitsgrad bis zu 89 Prozent in die Schweiz gelangte. Die Drogen wurden in Plastiksäckchen zu 80 oder 110 Gramm in die Kartonböden von Bananenschachteln eingearbeitet. Eine Lieferung, die fast 1000 Schachteln mit zwanzig Tonnen Bananen umfasste, enthielt 150 bis 210 Kilo Kokain. Vier solcher Lieferungen gelangten auf dem Seeweg von Santa Marta in Kolumbien nach Zeebrugge in Belgien, wurden dort auf Lastwagen verladen und in ein Lager im Embraport in Embrach gebracht. Nachdem Drogen und Bananen getrennt worden waren, wurde das Kokain in St. Gallen neu verpackt und teilweise in Waschmittel-Boxen an verschiedene Orte in der Schweiz gebracht. Der angeklagte Italiener war für die Logistik zuständig, der Schweizer hatte den Transport von Belgien in die Schweiz organisiert. Zu viel Kompost Der Drogenbande waren die italienischen und spanischen Behörden im Herbst 2005 auf die Spur gekommen. Eine dieser Spuren führte zum angeklagten Italiener. Gleichzeitig aber erhielt auch die Zürcher Staatsanwaltschaft einen seltsamen Hinweis: Einer Kompost-Firma war nämlich aufgefallen, dass 40 Tonnen einwandfreie grüne Bananen entsorgt wurden. Bei einer weiteren Anlieferung von 20 Tonnen stand dann die Polizei bereit. Chef des Händlerrings ist ein «Dottore». Nach Erkenntnissen der Behörden ist er im kolumbianischen Drogenkartell «hierarchisch ziemlich hoch angesiedelt» und beliefert «halb Europa mit Kokain». Der Mann wurde inzwischen in Spanien verhaftet, die Schweiz wartet auf seine Auslieferung. Laut Staatsanwalt Egli hatte «Dottore» pro Lieferung «Lohnkosten» für die Mittäter und Helfer von etwa einer Million Franken. Einer dieser Mittäter, der den Drogentransport von Embrach nach St. Gallen und die dortigen Weiterverteilung organisierte, wurde inzwischen in St. Gallen erstinstanzlich zu zehneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ein weiterer Importeur kassierte vom Bezirksgericht Bülach eine Strafe von dreieinhalb Jahren. Mit den Strafen folgte das Gericht den Anträgen des Staatsanwalts. Die Verteidiger hatten Strafen von sechseinhalb Jahren und 24 Monaten verlangt. Erfolglos hatten sie geltend gemacht, die Angeklagten hätten keine Führungsrolle gehabt. Sie hätten «auf tiefster Stufe eine Teilaufgabe erfüllt» und seien nicht Mitglieder eines Drogenkartells gewesen, sondern «ein Werkzeug auf unterster Hierarchie-Stufe». Beide Anwälte meldeten noch am Abend Berufung an.

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