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Horgen ist reich in der NLB und zu arm für die NLA

Andreas Bösch, Präsident des HC Horgen, ist erleichtert: Bis jetzt konnte er alle offenen Rechnungen begleichen. Doch eine NLB-Equipe ist eine kostspielige Angelegenheit.

Handball. - Andreas Bösch klingt erleichtert, als er mitteilt, dass die nächste NLB-Saison des HC Horgen finanziell gesichert ist. Mit der Raiffeisenbank habe eben ein wichtiger Ko-Sponsor dem Verein finanzielle Unterstützung für zwei weitere Jahre zugesichert, sagt der Präsident des Handballclubs Horgen. Umgehend mussten die neuen Trikots in Druck gegeben werden. Bösch sagt: «Am Samstag, zum Saisonstart, sind sie bereit.»

Bösch leitet erst seit drei Monaten die Geschicke des Vereins. Er übernahm das Ruder an der GV Ende Juni vom verstorbenen Präsidenten Jean-Marc Steim. Dieser stand dem Verein acht Jahre lang vor. Als seine Ära begann, durchlebte der HC Horgen schwierige Zeiten. Der Klub stand kurz vor der Auflösung. Mit der Hilfe von Steim gelang es, die Horgner wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

«Der Weitblick fehlte»

Um diese Geschichte kreisen manchmal auch die Gedanken von Bösch. Der 30-Jährige ist aber zuversichtlich, dass der Verein nach dem Generationenwechsel nicht wieder solch turbulenten Zeiten entgegensteuert. Auch wenn Bösch jünger ist, kein eigenes Geschäft führt wie Steim damals und im Gewerbe weniger vernetzt ist.

Doch Bösch ist ein gewissenhafter Präsident. Die Existenz seines Vereins liegt ihm am Herzen. Darum hat er auch die Finanzen des HC Horgen unter die Lupe genommen. «Früher wurde dem Finanziellen zu wenig Beachtung geschenkt, der Weitblick hat gefehlt», sagt Bösch.

Die Wirtschaftskrise trifft immer mehr auch die Sportvereine. Gemäss «Berner Zeitung bekommt praktisch jeder Klub die schlechte Wirtschaftslage zu spüren. Eine Ausnahme scheint bislang der HC Horgen zu sein. Die Sponsoren bringen dem Klub Treue entgegen. Bösch sagt: «Wir haben keine offenen Rechnungen, und etwa 80 bis 85 Prozent der Kosten der neuen Saison sind gedeckt», sagt Bösch. Finanziell gut gestellte Klubs bringen es vor der Saison auf etwa 90 Prozent Deckung.

Löhne erst im Oktober zahlen

Aus sportlicher Sicht hat Horgen noch nie so gut gespielt wie letzte Saison. Dabei hatte sich der Verein mit dem Ligaerhalt ein eher bescheidenes Ziel gesetzt. Die guten Aufstiegsaussichten wurden viel diskutiert. Aus Kostengründen war im Verein ein möglicher Aufstieg aber schnell vom Tisch. Und auch die Finalrunde verpasste die NLB-Equipe am Ende knapp.

Doch auch eine Saison in der zweitobersten Spielklasse ist eine kostspielige Angelegenheit. Auf 250 000 Franken beläuft sich das Gesamtbudget des Klubs, 140 000 Franken hat Bösch für das NLB-Team eingerechnet. Der HC Horgen gehört damit zu den besser situierten Klubs der Liga. Aufsteiger Arbon wendet für sein Fanionteam beispielsweise etwa 90 000 Franken auf, Biel 110 000 Franken.

Einen Lohn erhält keiner der Spieler beim HC Horgen. «Die Entschädigungen sind ausgeglichener als früher», sagt Bösch. Trainer Peter Schaudt erhält ein Honorar, das etwa 40 Prozent eines vollen Sportlehrerlohnes entspricht. Junioren spielen im ersten Jahr gratis für das Fanionteam. Je nach Anfahrtsweg und Funktion erhalten die übrigen Spieler eine monatliche Spesenpauschale im unteren dreistelligen Bereich. Das Geld sehen Trainer und Team aber erst ab Oktober - damit Bösch die anfallenden Rechnungen zu Saisonbeginn, wie die Pauschale an den Verband für den Meisterschaftsbetrieb, sofort bezahlen kann. Einen Topverdiener kann sich der Verein trotzdem nicht leisten. Einen dänischen Spitzenspieler, der sich während der Vorbereitung im Probetraining befand, musste die Vereinsleitung ziehen lassen. Schaudt bedauerte: «Zu teuer.»

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