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Horgen schlittert kampflos in die Krise

Die Horgner Handballer haben das Zürichsee-Derby bei NLB-Leader GS Stäfa am Samstag deutlich mit 16:32 verloren. Der herzlose Auftritt gibt den Beteiligten zu denken.

Unmittelbar nach dem Abpfiff mochte Peter Schaudt den Match noch nicht kommentieren. «Ich gehe zuerst zur Mannschaft in die Kabine», sagte Horgens Trainer. Wenige Minuten später stapfte er in die Halle zurück. Ob er in der Zwischenzeit eine Standpauke gehalten hatte, war ihm weder anzusehen noch zu entlocken: «Was ich gesagt habe, ist geheim.» Immerhin brachte er nach dieser Bemerkung ein Lächeln über die Lippen. Dann wurde er wieder ernst, suchte nach Erklärungen für den schwachen Auftritt seines Teams. Fündig wurde er nicht. «Ich weiss nicht, was los war. Ich muss das auf Video analysieren.» Die vierte Niederlage in Folge seit 2007 gegen den Rivalen vom Zürichsee ärgerte Schaudt noch am wenigsten. Die Höhe jedoch wurmte ihn gewaltig. «Wir sind nicht 16 Tore schlechter als Stäfa.» Das Hinspiel Anfang Oktober hatten die Horgner mit 23:37 verloren - bis Samstag die deutlichste Niederlage der Saison. Die Stäfner dagegen hatten kein Mitleid, genossen ihre Überlegenheit. Trainer Markus Jud brachte seine Freude zum Ausdruck: «Das war ein gelungener Auftritt.» Und wie es sich gehört nach einem Derbysieg, schwang auch ein bisschen Schadenfreude über den klaren Heimerfolg mit: «Das ist doch herrlich.»

Keine Spur von Aggressivität

Es hatte sich schon früh abgezeichnet, dass Horgen an diesem Nachmittag kein Gradmesser für den Aufstiegsaspiranten sein würde. Horgen, eine Mannschaft, deren Spiel sich über Kampf definiert, über Aggressivität und positive Emotionen, blieb entgegen aller Vorsätze zahm. «Eigentlich müssen wir jeweils zu Beginn in Führung gehen, um reinzufinden», sollte Rückraumspieler Thomas Stapfer später sagen. In Stäfa lag sein Team jedoch schnell mit 1:5 hinten, nach rund 15 Minuten stand es 2:9, zur Pause 6:17. Die Partie war gelaufen. Einerseits fehlten die Ideen in der Offensive, andererseits hielt Stäfas Goalie Gian Ryffel - er spielte bis zur 46. Minute und glänze mit 18 Paraden - einen Ball nach dem anderen. Und von Aggressivität fehlte jede Spur. Selbst Jud zeigte sich überrascht: «Wir hatten zur Halbzeit drei Strafen kassiert, Horgen keine. Das spricht für sich.» Dem Stäfner Trainer kam die frühe Entscheidung gelegen. Er konnte alle Spieler einsetzen und Antreiber Yves Petrig erstmals seit seiner Meniskusverletzung von Mitte Dezember einige Minuten Spielpraxis geben.

Als Höhepunkt kam mit Marco Foletti ein Akteur für einen Siebenmeter aufs Feld, der wegen Problemen mit der Patellasehne seit über zweieinhalb Jahren keinen Ernstkampf bestritten hatte - und versenkte den Penalty unter kollektivem Jubel seiner Teamkollegen. Dazwischen blieb Zeit für Showeinlagen in Form von zwei Fliegern und einem sehenswerten Backhandpass von Topskorer Predrag Milicic. Selbst das Fehlen der für den Rest der Saison verletzten Teamstützen Tobias Bosshard und Jimmi Riis blieb unbemerkt. «Die Breite im Kader stimmt mich zuversichtlich», sagte Jud, auch im Hinblick auf die kommende Spielzeit, in der er seine Mannschaft wieder in der Nationalliga A sehen will. Bei noch sieben ausstehenden Partien in der Qualifikation hat Stäfa 10 Punkte Vorsprung auf Verfolger GC Amicitia, ganze 13 auf das fünftplatzierte Steffisburg, das direkt hinter den Finalrundenplätzen liegt.

Finalrunde «ein Scherz»

Horgen hingegen ist nach der dritten Niederlage im neuen Jahr von Rang 5 auf 8 abgerutscht. Von der als Saisonziel viel zitierten Finalrunde will Schaudt nichts mehr wissen. «Das ist ein Scherz. Dazu müssten wir noch etwa fünf Spiele gewinnen», sagt er und schiebt eine rhetorische Frage nach: «Wen sollen wir mit einer solchen Leistung schlagen?» Paradoxerweise hatten die Horgner bis Anfang November trotz einer miserablen Saisonvorbereitung sowie zahlreicher Verletzter überrascht und lagen kurz auf Platz 3.

Seither resultierten aus neun Partien sieben Niederlagen, auch aufgrund der teilweise immer noch prekären Personalsituation. «Klar spielt das auch eine Rolle. Unsere Krise setzt sich aber aus vielen Puzzleteilen zusammen», sagt Schaudt. Und Stapfer meint dazu: «Wir müssen weiterhin Vollgas geben, um aus dem Tief zu kommen.» Das Rezept dazu beinhaltet eine Tugend, die Horgen in dieser Saison schon so manchen Sieg beschert hat: Kampfkraft. Horgen-Trainer Peter Schaudt wurmte die hohe Niederlage. Der Stäfner Yves Petrig (links) kam gegen Horgen, hier Laurenz Reiser, erstmals nach einer Verletzung wieder zum Einsatz. Fotos: Silvia Luckner

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