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Horrornacht in den Frühling

Schubiger «Schubiger hatte ein ganz schlechtes Gefühl. Das lag nicht an den Erinnerungen, die er vom Samstagabend im dritten Rang links mitgenommen hatte. Das lag nur am jüngeren Hürlimann. Der jüngere Hürlimann hatte ein schlechtes Jahr hinter sich, ihm klebte quasi das Pech am Stock. Auf einer Alp fror ihm der grosse Zeh ein, bis sich dieser ein paar Monate später mit einem Kräuseln unerwartet ins Leben zurückmeldete. Auf einem lustigen Reisli mit Schneider und den Schubigers schlug er sich im Piemont einen Schneidezahn aus, als er in zweifelhafter körperlicher Verfassung den Köpfler versuchte in den 1 Meter tiefen Pool. Und jetzt eben hatte Hürlimann Geburtstag, am Dienstag. Schubiger war klar: Das war der Untergang für den ZSC. Als sie am Dienstagabend in Hürlimanns Küche sassen, flackerte zwar einmal kurz Hoffnung auf. Als Scheibli Junior aus dem Radio meldete: Sulander mit dem roten Pass und mit dem ZSC, der Flieger ohne den nervtötenden DuPont. Schneider schoss auf und hob das Glas zum Toast, wie er das bei allen Gelegenheiten so gerne tut: «Auf Hürlimann. Und Ari National. Der Sieg ist unser. Vermutlich.» Es kam anders. Es kam schmerzlich. Und es kam irgendwann die Höchststrafe von Kloten-Fan Ginser per SMS: «Wünsch dir schöni Ferie.» Und: «Sulo hat den Pass für die Malediven.» Als Schubiger wieder zu Hause war, fragte Frau Schubiger verschlafen nach dem Ergebnis. Schubiger antwortete: «Ich finde es übertrieben, wie sehr im heutigen Leistungssport die Resultate im Mittelpunkt stehen. Das wird überbewertet.» Er wusste nicht, ob Frau Schubiger ihn noch hörte oder ob sie bereits wieder eingedöst war. Er wusste nur, dass ihm jetzt die Bauchwehtablette helfen könnte, die er gar nicht für sich vorgesehen hatte. Die Nacht war unruhig, zu lang, zu kurz, sie war fürchterlich. Schubiger träumte von frei durch die Stadt streunenden Löwen, er flüchtete vor ihnen mit dem Velo, bis sie von eigenartigen Leuten in komischen Jeans-Gilets mit Fliegenklatschen in die Flucht geschlagen wurden. Die Erlösung kam, als der kleinste Schubiger begeistert aufs Bett sprang und den Tag mit der Feststellung begann: «Tätäte gunne!» Schubiger öffnete die Augen, sah draussen Anzeichen von Sonnenstrahlen und sagte: «Schau, es ist Frühling. Da ist Eishockey vorbei.» schubiger@tages-anzeiger.ch

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