Zürcher Hundekurse werden freiwillig

Wer einen Hund hält, muss im Kanton Zürich keinen Kurs mehr besuchen. Der Kantonsrat hat die Pflicht dazu abgeschafft.

Hundekurse ja, aber nur noch freiwillig: Der Zürcher Kantonsrat schafft die Pflicht dazu ab.

Hundekurse ja, aber nur noch freiwillig: Der Zürcher Kantonsrat schafft die Pflicht dazu ab. Bild: TA

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Seit dem Jahr 2010 müssen Hundehalter im Kanton Zürich mit ihrem Vierbeiner einen praktischen Hundekurs absolvieren, sofern das Tier einem «grossen und massigen Rassentyp» angehört. Das soll sich nun ändern: Der Kantonsrat hat sich heute mit 88:84 Stimmen dafür ausgesprochen, die Kurspflicht abzuschaffen. Der Entscheid ist noch nicht ganz definitiv, dürfte aber in der zweiten Lesung in vier Wochen kaum mehr gekippt werden.

Die Kurspflicht bringe keinen nachweisbaren Nutzen, befanden SVP, FDP und CVP. Wer verantwortungsvoll sei, besuche die Kurse auch ohne Pflicht, sagte Tumasch Mischol (SVP, Hombrechtikon): «Die Glünggis und Sürmel unter den Haltern erreicht man hingegen nicht.» Die übrigen Fraktionen hätten einen anderen Weg vorgezogen: Eine abgespeckte Kurspflicht, dafür für alle Hundehalter. «Im Kanton Zürich gibt es rund 60000 Hunde. Da ist eine Ausbildung für Hund und Halter zwingen», sagte Rico Brazerol (BDP, Horgen).

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Die Kurspflicht geht auf einen tragischen Vorfall zurück, der sich im Dezember 2006 ereignete. Damals bissen drei Pitbulls einen Sechsjährigen tot, der auf dem Weg in den Kindergarten war. Später zeigte sich, dass die Tiere unter erbärmlichen Bedingungen gehalten wurden und völlig unzureichend erzogen waren.

Bund schafft Kurspflicht – und hebt sie wieder auf

Das Unglück löste landesweit Entsetzen aus – und hektische gesetzgeberische Aktivitäten. Der «Blick» lancierte eine Petition für ein landesweites Pitbull-Verbot, die auch von 147 National- und Ständeräten unterschrieben wurde. Allerdings änderten zahlreiche Parlamentarier und Parlamentarierinnen in den folgenden Monaten und Jahren ihre Ansicht. Unter anderem deshalb, weil Fachleute wenig von einem Rassenverbot hielten. Dieses bringe kaum Sicherheit, dafür aber Abgrenzungsprobleme.


Video: Was Hundehalter von der Kurspflicht hielten

Die Hundekurse waren umstritten: Umfrage bei Hundehaltern von 2016 (Video: Stefanie Hasler)


Am Ende blieb auf Bundesebene einzig die im Jahr 2008 eingeführte Pflicht für alle Hundekäufer übrig, einen Theoriekurs zu absolvieren. Und selbst diese gilt mittlerweile nicht mehr, der Bund hat sie auf Anfang letztes Jahr abgeschafft, da sich gezeigt hat, dass deren Wirkung gering ist.

Stimmbürger für Rassenverbote

Der Kanton Zürich führte seinerseits auf das Jahr 2010 ein eigenes Hundegesetz ein, das zu den schärfsten im Land gehört. Neben der Ausbildungspflicht für grosse Hunde enthält es auch eine Liste mit verbotenen Hunderassen. Der Kantonsrat hatte sich ursprünglich gegen eine solche Liste ausgesprochen, doch dagegen hatte die EVP ein konstruktives Referendum ergriffen. Im Dezember 2008 gaben die Stimmbürger der Variante mit Verbot den Vorzug. Dieses Verbot steht derzeit nicht zur Diskussion.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.01.2018, 10:04 Uhr

Verbote in anderen Kantonen

Neben dem Kanton Zürich kennen nur die Kantone Freiburg, Genf und Wallis Verbote von Hunderassen. In zehn Kantonen ist die Haltung von Hunden gewisser Rassen bewilligungspflichtig. Welche Rassen betroffen sind, ist völlig unterschiedlich. In Genf und im Wallis beispielsweise sind 13 Rassen verboten, in Freiburg nur eine.

Grund für den Flickenteppich: Es gibt keine einheitlichen, wissenschaftlich haltbaren Kriterien, welche Hunde gefährlich sind. So findet sich auf der Zürcher Verbotsliste mit dem American Staffordshire Terrier eine Hunderasse, die in anderen Ländern als Familienhund geschätzt und sogar als Therapiehund in Altersheimen eingesetzt wird. Der Berner Sennenhund hingegen, der zu jenen Rassen gehört, die am häufigsten durch Beissunfälle auffallen, ist in keinem einzigen Kanton auf einer Liste.

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