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«Ich freue mich auf die Olympiaherausforderung»

Die Elggerin Andrea Wolfer, Junioren-Weltmeisterin von 2005, hofft bei der Bahn-WM von Kopenhagen auf eine weitere Steigerung.

Die 22-jährige Andrea Wolfer, 2005 Junioren-Weltmeisterin im Punktefahren, träumt wie Franco Marvulli vom Omnium bei den Olympischen Spielen in London. Auf dem Weg dorthin bestreitet sie bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Kopenhagen das Scratch-Rennen (Freitag) und das Punktefahren (Sonntag). Zusammen mit ihrem Freund Tristan Marguet, der gestern das Punktefahren bestritt und 16. wurde, lebt sie bei ihren Eltern in Elgg. Vater Bruno war selber einmal Profi und betreut zusammen mit Godi Schmutz dort die Radsportschule.

Was erwarten Sie von der Weltmeisterschaft?

Ich möchte mich gegenüber der letzten WM in Polen verbessern. Dort wurde ich Achte im Scratch und Zwölfte im Punktefahren. Jetzt hoffe ich auf bessere Klassierungen. Top 5 im Scratch und Top 10 im Punktefahren.

Fühlen Sie sich besser als vor einem Jahr?

Ja, ich habe auch etwas härter gearbeitet. Wir haben uns im Trainingslager auf Mallorca und zuletzt auf der Bahn in Aigle gut vorbereitet.

Bei den Olympischen Spielen gibt es weder Scratch noch Punktefahren. Rechnen Sie sich dennoch Chancen aus, in London 2012 dabei zu sein?

Für mich ist das Omnium vielleicht sogar die bessere Sparte als das Punktefahren. Und ich freue mich auf die Herausforderung der Olympiaqualifikation. Ich muss einfach noch einmal etwas mehr arbeiten. Im Omnium hat es Disziplinen, mit denen ich mich bis jetzt nicht gross beschäftigte, wie die Verfolgung oder das 500-m-Zeitfahren.

Als Junioren-Weltmeisterin im Punktefahren galten Sie als grosses Talent. Seither sind fünf Jahre vergangen. Sind Sie heute so weit, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Ich stehe sicher nicht schlecht da. Im Weltcup hatte ich mehrere Top-10-Ergebnisse und stand auch schon auf dem Podest. Ich habe mich kontinuierlich gesteigert. Doch natürlich hoffe ich, dass es noch weiter nach oben geht.

Man hat Ihnen auch schon vorgeworfen, nicht genug aus Ihrem Talent gemacht zu haben.

Es gab Situationen, in denen ich nicht besonders motiviert war. Da macht man sich später Vorwürfe, weil man mehr hätte tun können.

Können Sie vom Sport leben?

Im Winter arbeite ich nicht, weil ich zu viel unterwegs bin. Von April bis Oktober arbeite ich zu 50 Prozent in der Migros, um etwas Geld zu verdienen. Als Frau ist es schwierig, vom Radsport zu leben.

Vor allem nach der Auflösung des Bigla-Cycling-Teams.

Dort hatte ich meinen Monatslohn, und es ging mir gut. Ich habe das Team aber schon eine Saison zuvor verlassen und fuhr für Bike-Import. In diesem Jahr gehe ich als Einzelfahrerin an den Start. Ich musste selber dafür schauen, dass mich einige Sponsoren unterstützen. Ich habe auch einige gefunden. Deshalb freue ich mich jetzt auf die neue Saison mit den Rennen in der Schweiz.

Die Bahn bleibt aber Ihr Hauptziel?

Sie liegt mir besser und es macht mir mehr Spass. Hier liegt auch meine Stärke.

Sie leben mit Tristan Marguet zusammen, der gestern im Punktefahren im Einsatz war. Können Sie von ihm auch als Rennfahrerin profitieren?

Wir trainieren oft zusammen, und was auch wichtig ist: Wir können uns gegenseitig motivieren. Es ist schön, dass er hier dabei ist.

Sind Sie eigentlich auch schon Sechstagerennen gefahren?

Ja, in Amsterdam und in Rotterdam. Und ich hoffe, dass es weitere Veranstalter gibt, die Frauen in ihr Programm aufnehmen.

In Zürich zum Beispiel?

Ich fand es schade, dass wir im letzten Jahr nicht einmal mehr ein Punktefahren bestreiten durften. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert und wir später auch einmal für drei oder vier Tage ins Programm aufgenommen werden.

Sechstagerennen könnten eine Einkommensquelle sein.

Viel gibt es da nicht zu verdienen. In Amsterdam kam ich in sechs Tagen auf vielleicht 200 Euro.

Ihr Trainer Daniel Gisiger betreut ein Nationalteam, das grösser geworden ist. Doch auch er hat kein Geld zur Verfügung.

Wir haben tatsächlich ein lässiges Team und leben in einer sehr familiären Atmosphäre. Aber wir merken, dass kein Geld vorhanden ist. So musste ich den Flug zum Weltcup in Melbourne selber bezahlen. Das ist schon schwierig.

Von der Sporthilfe werden Sie nicht unterstützt?

Nein, da habe ich nur nach meinem Junioren-WM-Titel einen Förderungsbeitrag erhalten. Seither habe ich nichts mehr gehört.

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