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«Ich schäme mich fast zu sagen, ich komme aus Zürich»

Auch im jungen GC sieht Boris Smiljanic viel Qualität und Potenzial. Er kann nicht verstehen, dass kaum jemand bereit ist, zu investieren.

Von Ueli Kägi, Niederhasli Am Sonntag besiegten die Grasshoppers den FC St. Gallen 2:0, heute könnten sie mit einem Sieg gegen Sion auf Rang 7 vorstossen. Aus GC mit den verletzten Smiljanic, Cabanas, Callà, Rennella, Voser, Toko, D’Angelo, Riedle und Silas ist längst das GC der Adilis, Freulers, Hajrovics und Hossmanns geworden, nur eine Auswahl von Spielern mit den Jahrgängen 91, 92 oder 94. Abwehrchef Boris Smiljanic hat die Aussenansicht. Nach einem Eingriff an der Achillessehne entzündete sich die Wunde, jetzt ist die Antibiotika-Kur abgeschlossen, und er hofft auf eine Rückkehr noch vor der Winterpause. Was er von seinen jungen Teamkollegen sieht, stimmt ihn zuversichtlich. Er sagt: «Vielleicht qualifiziert sich die Mannschaft in dieser Besetzung nicht für die europäischen Plätze, aber ich sehe sie gleich dahinter. Wenn wir einmal fünf, sechs Spiele in Folge mit derselben Formation beginnen können, werden wir in der Rangliste schnell nach vorne rücken.» Der 34-jährige Innenverteidiger erkennt bei GC «hervorragende Strukturen und eine fähige Führung», er glaubt an das Potenzial im Klub. Er kann deshalb nur schwer verstehen, dass es in der Region St. Gallen möglich ist, innert weniger Tage 10 Millionen Franken für den Klub zu sammeln, GC aber die talentiertesten Spieler verkaufen muss, um das eigene Überleben zu sichern. Er sagt: «Ich schäme mich fast zu sagen, ich komme aus Zürich.» Die Verletzungsmisere «Die Art der Verletzungen deutet nicht darauf hin, dass wir bei GC ein Problem etwa mit der Trainingsgestaltung hätten. Ein paar Spieler sind so verunfallt, wie es immer wieder passieren kann. Ein paar Verletzungen haben mit Überbelastungen zu tun, doch auch in diesen Fällen kann man den Trainern nicht unbedingt einen Vorwurf machen. Es liegt manchmal auch an den Spielern, zu sagen, wenn sie an körperliche Grenzen stossen, und zwei, drei Tage gemächlicher angehen möchten. Es ist stets eine Gratwanderung: Wie viel erträgt es noch, was erträgt es nicht mehr. Manchmal wäre es gut, die Trainer, die Physiotherapeuten oder ein Arzt würde jemanden aus dem Training nehmen. Den Spielern steht oft der Ehrgeiz im Weg.» Der jüngste Eindruck «Es war ein kapitales Spiel für GC am Sonntag gegen St. Gallen. Mit einer Niederlage wäre die Differenz sehr gross geworden. Dass unsere Jungen in der Lage waren, so viel Druck zu machen – Kompliment. Es war spürbar, dass die Mannschaft mit grösserer Selbstsicherheit auftrat als zuletzt. Sie hat die Aufgabe sehr gut gelöst, auch wenn sie praktisch eine verstärkte U-21 war. Das ist für mich nicht überraschend. Wir haben ein gutes System, wir haben Freude am Fussball, was fehlt, sind bessere Resultate und mehr Punkte.» Jung und unbekannt «Mir geht es nicht ums Alter oder um Namen, mir ist wichtig, dass die Qualität stimmt, und daran gibt es nichts auszusetzen. Jeder, der bei uns zuletzt den Weg in die 1. Mannschaft fand, hat die Anlagen, ein grosser Spieler zu werden. Dass einer wie Adili aus der U-16 praktisch direkt in die Super League aufstieg, ist eigentlich Wahnsinn. In diesem Team hat jeder seine Rolle, wir sind nicht zwingend auf Stars angewiesen, die Entscheidendes tun. Aber natürlich wäre es gut, wir hätten ein, zwei solche Spieler, wie es Zarate in der letzten Saison war. Er war fast immer unser bester Mann, er konnte mit seinen Toren Spiele gewinnen. Ja, dieses aktuelle Kader mit fitten Spielern und dazu Zarate – das wäre gut genug, um unter die Top 3 zu kommen oder sogar auf den Titel zu spekulieren.» Team ohne Goalgetter «Im Moment fehlt uns einer, der 15, 20 Tore erzielt. Spitzenteams haben solche Stürmer, bei uns suchst du sie seit Zarates Abgang. Rennella könnte in diese Rolle hineinwachsen, doch er war bisher oft angeschlagen. Ich sehe weitere Spieler, die entsprechende Qualitäten mitbringen. Zuber hat gegen St. Gallen einen grossen Schritt nach vorn gemacht mit seinem Abschluss durch die Mitte, der zum 2:0 führte. Er kann eine ganz grosse Karriere machen, wenn er noch frecher wird. Hajrovic kann ebenso in diese Rolle schlüpfen. Adili hat noch vier, fünf Jahre Zeit, um ein Zarate zu werden.» Positivismus à la Sforza «Sforza spricht öffentlich nur gut über die Mannschaft und ihre Entwicklung, und er macht intern nichts anderes. Im Videostudium zeigt er uns nur das, was wir gut gemacht haben. Es ist seine Art, die Spieler davon zu überzeugen: Wir sind gut, auch wenn wir verlieren. Dass ein Trainer allein das Positive betont, ist ungewöhnlich. Bei Christian Gross musste ich als junger Spieler nach jedem Match antraben und mir meine Fehler vorhalten lassen, Positives bekam ich nicht zu hören. Ich kann mir vorstellen, dass einige junge Spieler an einem solchen Stil zerbrechen. Die Arbeitsweise von Sforza ist angenehmer, die Kritik an den einzelnen Spielern übernehmen dafür Ricardo Cabanas und ich. Ich fülle diese Rolle gerne aus, sie wird von den Jungen auch akzeptiert.» Die Aussichten «Warten wir einmal das Spiel gegen Sion ab . . . Danach werde ich ziemlich sicher sagen, dass GC vor der Winterpause auf Platz 6 stehen wird. Und es ist möglich, dass sich die Mannschaft ähnlich entwickelt wie in der vergangenen Saison und erneut eine starke Rückrunde spielt. Man muss allerdings auch sehen, dass damals alles für uns lief: Fast jedes Wochenende spielte die Konkurrenz für uns. In mehreren Partien profitierten wir von frühen Platzverweisen beim Gegner. Und wir hatten Zarate. Wenn wir aber im einen oder anderen Fall ähnlich profitieren können, wenn wir dazu in der Defensive noch etwas stabiler werden, dann sehe ich keinen Grund, weshalb wir nicht auch grosse Gegner besiegen können.» Voraussichtliche GC-Aufstellung: Benito; Menezes, Vallori, Colina, Pavlovic; Salatic; Adili, Hajrovic, Abrashi, Zuber; Emeghara.

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