Zum Hauptinhalt springen

«Ich werde in der Sendung Schmerzen haben»

Für Ernst Raths geht heute ein Traum in Erfüllung: Der 63-jährige Pfäffiker singt zusammen mit Erich Vock ein Stück aus der «Kleinen Niederdorfoper».

Mit Ernst Raths sprach Thomas Bacher Ernst Raths, Ihr Auftritt in der Fernsehsendung «Happy Day» steht kurz bevor. Wie nervös sind Sie? Ich habe schon ziemliches Herzklopfen. Aber es ist nicht das erste Mal, dass ich vor Publikum auftrete. Im Fernsehstudio selber werden nicht so viele Zuschauer sein, und die Leute zu Hause vor dem Bildschirm sehe ich ja nicht. Wie kommt es denn, dass Sie heute zusammen mit Erich Vock im Scheinwerferlicht stehen? In der letzten «Happy Day»-Sendung haben sie jemanden gesucht, der ein Stück aus der «Kleinen Niederdorfoper» singt, und da hab ich mich gemeldet. Ich wurde prompt zum Casting eingeladen und musste «De Heiri hätt es Chalb verchauft» singen. Allerdings bekam ich eine Absage. Wie es sich herausgestellt hat, war das nur ein Täuschungsmanöver. Denn die Fernsehleute wollten mich überraschen. Und so hat mich meine Lebensgefährtin eines Tages unter einem Vorwand nach Zürich mitgenommen. Und plötzlich standen da in einem Geschäft im Niederdorf Erich Vock und ein Kamerateam. Die Überraschung ist also geglückt? Und wie! Ich war wirklich perplex und wusste gar nicht so recht, was ich machen oder sagen sollte. Das ist mir dann erst später zu Hause eingefallen. Und jetzt sind Sie pausenlos im Studio am Proben? Anfang Dezember war die erste Probe. Da lernte ich, wie ich mich auf der Bühne bewegen muss. Und ich übte das Duett mit Erich Vock ein. Das hat mich anfangs ziemlich gefordert. Denn bisher hatte ich das Stück immer allein gesungen, und zu zweit gibt es halt einige Einsätze, die man verpassen kann. Immerhin hatte Erich Vock auch seine Schwierigkeiten. Am Freitag war dann die zweite Probe angesetzt. Das Duett ist ja nur ein Teil meines Auftritts. Der Rest ist vorproduziert. Ein Fernsehteam hat mich zu Hause gefilmt, um zu zeigen, wie ich mit meinem Schicksal umgehe. Seit einer medizinischen Komplikation vor acht Jahren verursachen Ihnen die meisten Bewegungen starke Schmerzen. Wie wird das auf der Bühne sein? Ich werde auch in der Fernsehsendung Schmerzen haben. Doch ich habe mich daran gewöhnt und empfinde die Schmerzen nicht mehr als so schlimm wie vor acht Jahren. Vor allem aber tut es mir so gut in der Seele, wenn ich das Stück singen kann, dass ich die Schmerzen gerne aushalte. Wie haben sich die medizinischen Komplikationen ergeben? Dazu kann ich leider nicht mehr sagen. Es gibt einen Rechtsstreit, und das Verfahren läuft noch. Und ich möchte nicht riskieren, auch noch wegen Rufschädigung belangt zu werden. Seit dem Vorfall können Sie wegen der Schmerzen nicht mehr sitzen. Wie sieht denn Ihr Alltag aus? Nicht nur das Sitzen ist nicht mehr möglich, auch rasches Gehen bereitet mir starke Schmerzen, und vom vielen Stehen habe ich Abnützungserscheinungen im Knie. Eigentlich hab ich nur auf dem Bauch liegend keine Schmerzen. Zum Glück konnte ich schon immer gut auf dem Bauch schlafen. Längere Reisen sind aber so natürlich nicht möglich, und Autofahren geht auch nicht. Zumindest bis jetzt nicht. Denn ich lasse mir jetzt einen Mercedes Sprinter zu einem Camper umbauen, in dem ich stehen und mit Handgas und -bremse fahren kann. Wenn die Schmerzen zu stark sind, kann ich mich hinten auf dem Bett ausruhen. Die Anschaffung ist zwar recht teuer, bringt mir aber einiges an Lebensqualität. Die Musik und die Bühne sind wichtige Teile in Ihrem Leben. Hat das mit Ihrer Situation zu tun? Ich singe heute in drei Chören in Pfäffikon. Das erste Mal stand ich aber bereits als Zehnjähriger auf der Bühne – an einer Abendunterhaltung. In einem Theaterstück des Männerchors spielte ich einen Verdingbub. Mein grosses Vorbild ist Charlie Chaplin, den habe ich als Schüler immer zu imitieren versucht. Später kam dann Emil dazu, von dem ich einige Stücke nachspielen konnte und hin und wieder im kleinen Rahmen vorführte, so wie später den HD Läppli als Astronaut. Den Bauern Heiri aus der «Kleinen Niederdorfoper» spielte ich das erste Mal vor etwa 20 Jahren an einen Unterhaltungsabend der Harmonie Pfäffikon. Damals war ich vor meinem Auftritt ganz schön nervös, doch sobald ich auf der Bühne stand, war ich nicht mehr der Ernst, sondern der Heiri. Ich hoffe, das wird im Fernsehstudio auch so sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch