Wie es nach dem Brand am Bahnhofplatz aussah

Mieter können nicht in ihre Geschäftsräume, Passanten suchen Durchgänge. Reportage aus der Sperrzone beim Zürcher Hauptbahnhof.

Grossbrand am HB: Drohnenaufnahmen des Brandes und Augenzeugenvideos der Explosionen zeigen das Ausmass. (Tamedia)

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Samstagmorgen, 9 Uhr, Bahnhofplatz Zürich: Ein Mann steht vor einem rot-weissen Absperrband und diskutiert mit dem Polizisten, der breitbeinig da steht. Es ist der Morgen nach dem Grossbrand im Du-Pont-Gebäudekomplex. Der gesamte Bahnhofplatz ist weiträumig abgesperrt. Der Coop im Globus-Provisorium: Geschlossen. Ein Teil des Shopvilles ist ebenso gesperrt wie die umliegenden Strassen.

Der Mann, der diskutiert, ist Arzt, seine Praxis befindet sich im selben Gebäudekomplex wie das abgebrannte Haus. «Ich wollte eigentlich herausfinden, ob es bei uns Schäden gab», sagt er. Es gehe um eine hohe Versicherungssumme. Der Polizist weist ihn freundlich und bestimmt ab.

Der Arzt hetzt weiter, muss aber an der nächsten abgesperrten Strasse akzeptieren: Heute wird er nicht weiterkommen. Das abgebrannte Haus ist einsturzgefährdet; noch können die Rettungskräfte nicht sagen, wann die umliegenden Häuser wieder betreten werden dürfen.

Das Feuer war in der ganzen Stadt zu sehen: Brand beim Hauptbahnhof Zürich. (Video: Tamedia)

So wie dem Arzt geht es auch Coiffeuse Damaris Obi. Sie steht vor dem Absperrband an der Bahnhofstrasse und hält Ausschau nach Kundinnen und Kunden. Der Salon Salzmann, in dem sie arbeitet, befindet sich ebenfalls im selben Gebäudekomplex. «Meine Kollegin konnte leider nicht alle Leute, die heute einen Termin haben, erreichen», erzählt sie. Nun hofft sie, unter den Passanten bekannte Gesichter zu entdecken.

Hotelgäste wollten auschecken

Inzwischen bevölkern zahlreiche Schaulustige die Strassen. Er habe vom Brand gehört, sagt ein Passant, und habe sich ein Bild vom Schaden machen wollen. «Huere krass» finden zwei Jugendliche die Ruine. Der Blick vom Central her über die Limmat lässt erahnen, wie es nachts hier ausgesehen haben muss. Die meterhohen Flammen und vor allem zwei heftige Explosionen seien so beängstigend gewesen, dass einzelne Gäste verängstigt auschecken wollten, erzählt die Rezeptionistin eines Hotels an der Limmat.

So heftig waren die Explosionen. (Video: Tamedia/Leserreporter)

Zwar war der Brand am frühen Morgen unter Kontrolle. Aber nach wie vor steigt Rauch auf, ein leichter Brandgeruch liegt in der Luft. Da, wo die Flammen am stärksten gelodert haben, ist das Dach komplett eingestürzt, einzig die steinernen Fensterrahmen stehen noch, sinn- und zwecklos ragen sie in den grauen Morgenhimmel.

Feuerwehrleute spritzen Wasser in die Ruine; andere begutachten von einem Hubretter aus den Schaden. Lautlos schwebt eine Drohne über dem Brandplatz.

Hitze verbiegt Baugerüst

Beim Feuer kam, soweit bisher bekannt, niemand zu Schaden, ein Polizist erlitt allerdings bei den Explosionen ein Hörtrauma. Das Haus wird derzeit umgebaut. In Mitleidenschaft gezogen wurde das Baugerüst, der obere Teil hängt verbogen ins Innere des Hauses. Sicher ist, dass der Sachschaden an den Gebäuden entlang des Bahnhofquais immens ist; der Brand muss eine gewaltige Hitze entwickelt haben.

Ob das auch zu Schäden an den anderen Gebäuden am Bahnhofplatz, dem Beatenplatz und der Waisenhausstrasse geführt hat, die um einen Innenhof herum angeordnet und mit dem abgebrannten Haus zusammengebaut sind, das muss nun ein Statiker abklären.

Zum Erliegen kam auch der öffentliche Verkehr rund um den Bahnhofplatz. So gesehen, war es Glück, brannte das Haus in der Nacht von Freitag auf Samstag. Der Bahnhofplatz ist der wichtigste Tramknotenpunkt Zürichs; an einem Werktag hätte eine Vollsperrung dort zu einem gewaltigen Verkehrschaos geführt.

Überall stehen Polizisten, die mit Engelsgeduld immer wieder dieselben Erklärungen abgeben, Passanten erklären, wie sie von hier nach dort kommen und wo welche Trams fahren. Die Menschen, die jetzt unterwegs sind, tragen die Einschränkungen und die Fussmärsche, zu denen sie gezwungen sind, meist mit Fassung. Nur zwei Rekruten fluchen laut: Der McDonalds am Bahnhofplatz ist geschlossen.

«Trümmerteile flogen 200 Meter weit»: Polizeisprecher Marco Cortesi über das Feuer beim Hauptbahnhof. (Video: SDA)

Erstellt: 25.08.2018, 12:30 Uhr

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