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Im Gänsemarsch durch den Friedhof

Der Historiker Peter Ziegler hat am Sonntag zur Führung zu den bedeutendsten Grabmälern auf dem Wädenswiler Friedhof eingeladen.

Von Andreas Kurz Wädenswil – Eigentlich hatte Peter Ziegler mit zwanzig Personen gerechnet, die am Sonntagnachmittag an den Rundgang durch den Wädenswiler Friedhof teilnehmen würden. Zur Überraschung des Historikers kamen aber gut 60. Es wurde eng auf den schmalen Kieswegen des Friedhofs. Beim Rundgang ging Ziegler auf die bedeutendsten der rund 2000 Gräber des Wädenswiler Friedhofs ein. Er führte vorbei an den Ruhestätten von Wädenswiler Industriellen, Künstlern, Architekten, Lehrern oder Politikern. Etwa Baumeister Alfred Dietliker, der unter anderem den Bahnhof baute oder Werner Bär – der «Sportbär» – mit dessen selbst produzierten Ski in den 40er-Jahren viele Wädenswiler fuhren. Weiter gings zum Familiengrab von Brauereibesitzer Franz Weber und dessen Frau Fanny, man nannte sie «Bundes-Fanny», da sie die Tochter von FDP-Bundesrat Walter Hauser (1888 gewählt) war. Lokalgeschichte erleben Für die Teilnehmer erschlossen sich auf dem Rundgang neue Zusammenhänge der Lokalgeschichte. So erfuhren sie beispielsweise, wer die Personen hinter Wädenswiler Strassennamen sind. Etwa der Lyriker Karl Stamm, nach dem der nahegelegene Weg benannt wurde. Ihm wurde nach der Grabauflösung im Jahre 1944 von der örtlichen Lesegesellschaft ein Gedenkstein auf dem Friedhof gewidmet. Auf dem Stein findet man einen zusammenbrechenden Pegasus. «Ein Sinnbild für einen sterbenden Dichter», erzählte Ziegler. Auch der Lehrer Johannes Hirt fand seine letzte Ruhe auf der Wädenswiler Grabstätte. Heute trägt eine Strasse in der Au, wo er unterrichtete, seinen Namen. Peter Ziegler kannte viele Verstorbene persönlich und wusste die eine oder andere Anekdote zu erzählen. Etwa vom Wirt Hermann Gattiker, genannt «Schiffli-Gattiker», einem Wädenswiler Original. Der passionierte Fasnächtler habe in seiner Gaststätte, dem Schiffli, – wo heute das Café Brändli steht –zur Fasnacht jeweils ein «Rummel-Bummel in allen Sälen» veranstaltet. Vorbei gings weiter am Grab von Johann Heinrich Müller, einem 1959 verstorbenen Musiker und Dirigenten der Harmonie Wädenswil. Er habe die Harmonie zu grossen Ehren gebracht und viele Preise gewonnen, sagte Ziegler. Daneben besass er eine Schallplattenfabrik, aus deren Produktion der Historiker vor kurzem auf einem Flohmarkt zwei Schallplatten mit dem Seebubenlied entdeckte. Der Umgang mit dem Tod Gelegentlich erfuhr man auch die Hintergründe zu Wädenswiler Skulpturen. So war Metallfabrikant und Kunstmäzen Willi Blattmann ein Bekannter des Bildhauers Hans Aeschbacher. Dieser wiederum fertigte einige Plastiken, die noch in Wädenswil stehen. Darunter die Betonplastik vor dem Coop oder diejenige vor der Mewa. Auch auf dem Grabstein von Willi Blattmann findet man eine Plastik Aeschbachers. Mit dem eineinhalbstündigen Rundgang wollte Ziegler an lokale Persönlichkeiten und deren Bedeutung für die Stadt sowie die Grabkunst erinnern. Der Rundgang stand in Zusammenhang mit der Ausstellung «Heimgang», die bis zum 10. Oktober im Alten Feuerwehrhaus zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt den Umgang mit dem Tod in den letzten 200 Jahren in der Gemeinde. Dabei sollen die Leute mit dem Thema Sterben vertraut werden. 60 Personen liessen sich von Peter Ziegler erklären, welche bedeutenden Personen in Wädenswil begraben sind. Foto: P. Gutenberg

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