Zum Hauptinhalt springen

Im «Löwen» werden auch Fleischtiger satt

Ob roh, mit Käse oder auf dem heissen Stein: Im Gasthaus Löwen in Niederglatt kommen die Fleischliebhaber auf ihre Rechnung.

Niederglatt. - Ich erschrak kurz und glaubte, es seien zwei Fleischklösse im Glas, die sich unserem Tisch näherten. Aber dann entpuppten sie sich als zwei Kugeln Blutorangen-Sorbet, die ich zum Nachtisch bestellt hatte. Vielleicht hatte ich am Ende ein bisschen zu viel Fleisch gesehen.

Am Anfang lag bei meiner Frau und mir noch alles im grünen Bereich. Der Salat schmeckte gut, und es gab reichlich davon. Doch deswegen waren wir nicht nach Niederglatt gefahren. Im «Löwen» witterten wir die grosse Beute, das gute Stück Fleisch.

Im dicken Gemäuer des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gasthauses empfing uns der Kellner mit der Frage, wo wir uns hinsetzen wollten. Im Nichtraucher, meinten wir. Worauf er entgegnete: «Bei uns gibt es nur Raucher oder weniger Raucher.» Das war ehrlich. Denn die beiden Bereiche im Restaurant sind bloss durch ein paar dicke Querbalken getrennt. Nur an den Wochenenden können die Nichtraucher in einem separaten Stübli dinieren.

So heiss, dass der Teller bricht

An der im Gasthaus integrierten Bar sass ein Gast. Und später nahm in einer Ecke der ehemalige Fussballer und heutige Spielerberater Franco Di Jorio mit - so schien es - einem jungen Talent und dessen Vater Platz. Vielleicht erinnerten den früheren FCZ-Spieler die beiden steinernen Löwen vor dem Eingang an seine glorreichen Zeiten beim Stadtklub, deren Kicker auf der Brust zwei stolze Löwen tragen. Sonst war das Lokal leer. Wir hatten den ersten Abend nach den Betriebsferien erwischt.

Die Auswahl an Fleischgerichten erschlug uns beinahe. Neben Tatar gab es auch Cordons bleus in den unterschiedlichsten Ausführungen: das San Diego mit PaprikaSalami, das Niederglatter in der gerollten Form, das XXL für besonders Hungrige und viele mehr. Letztlich entschieden wir uns aber für die Spezialität des Hauses, für Fleisch auf dem heissen Stein, dem Hot Stone.

Wir wählen eines der A-discrétion-Angebote. Dazu gehören eine Beilage und drei Sorten Fleisch und Saucen. Bald liegt vor mir die Zeufters-Platte mit je einem Stück US-Rindsentrecôte, US-Rinds-hohrückensteak und südafrikanischem Straussenfleisch. Meine Frau erhält das Cowboy-Delight mit kanadischem Pferdefleisch, US-Rindshuftsteak und neuseeländischem Straussenfleisch.

Vorsichtig legen wir das erste Stück auf den heissen Stein, der auf einem grossen Teller liegt und genügend Platz für die Saucen bietet. Wir braten und essen und braten und essen. Bis es laut knallt und der Teller meiner Frau in drei Teile bricht. Die Chefin Monika Muri eilt an unseren Tisch und braucht nicht lange, um festzustellen, dass der Koch vergessen hat, den 400 Grad heissen Stein auf eine Alu-Platte zu stellen, die verhindert, dass sich die Hitze direkt auf den Teller überträgt. «Ein einzelnes Stück kostet 120 Franken», sagt die Wirtin verärgert und lässt den Teller meiner Frau sofort ersetzen. Das sei ihr noch nie passiert, versichert Monika Muri.

Vor zwei Jahren hat die Wirtin den «Löwen» zusammen mit Monique Pintado und Marco Baudenbacher, ihrem früheren Chef im Goodies in Regensdorf, übernommen. Um die Stammgäste weiterhin zu erreichen, hätten sie die bürgerliche Küche beibehalten, sagt Monika Muri. Später kam das Angebot mit dem Hot Stone dazu.

Der falsche Tag für Desserts

Als der Stein nach einer halben Stunde nicht mehr ganz so heiss ist, ersetzt ihn der Kellner und fragt, ob wir eine weitere Platte wollen. Das Fleisch schmeckt gut, und wir nicken. Bald müssen wir feststellen, dass eine halbe Platte gereicht hätte. Meine Frau und ich sind uns einig, dass man schon ein unersättlicher Fleischtiger sein muss, wenn man das A-discrétion-Angebot voll auskosten will.

Zum Dessert preist uns die Karte verschiedene hausgemachte Speisen an. Doch keine ist verfügbar. Auch Vanilleglace ist nicht an Lager. Es sei eben der erste Tag nach den Betriebsferien, lässt uns der Kellner wissen. Wenn wir wünschten, würde er den Coupe Dänemark mit Stracciatella-Eis zubereiten. Wir verzichten und entscheiden uns für ein Blutorangen-Sorbet. Dass die roten Glacekugeln Fleischklössen ähneln, hätte ich eigentlich ahnen sollen. Gasthaus Löwen in Niederglatt, Grafschaftstrasse 2, Telefon 044 850 50 10, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11 bis 14 und 17.30 bis 23.30 Uhr, Sa ab 17.30 Uhr und So geschlossen. www.loewenniederglatt.ch (Hot Stone à discrétion je nach Fleischauswahl bis 99 Franken).

Bei Gastgeberin Monika Muri gibt es als Spezialität des Hauses Fleisch vom heissen Stein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch