Im Spital der SBB-Züge

Die SBB haben ihr Reparaturcenter in Zürich-Altstetten für 37 Millionen Franken modernisiert. Herzstück der Anlage ist eine 30 Meter lange, 90 Tonnen schwere Spezialmaschine.

Reparatur per Knopfdruck: Wie die Drehverschiebeeinrichtung funktioniert.
Video: Reto Oeschger

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Im Reparaturcenter der SBB an der Hohlstrasse in Altstetten trifft der Charme über hundertjähriger Industriehallen aus Backstein auf allerneueste Technik. Für 37 Millionen Franken wurde ein Teil der Gebäude modernisiert und an die Erfordernisse heutiger Reparaturaufgaben angepasst. Herzstück der erneuerten Anlage ist die Drehverschiebeeinrichtung, die im vergangenen Sommer mit einem aufsehenerregenden Spezialtransport durch Zürich angeliefert wurde.

Spezialanfertigung aus Dresden

Mit diesem gelben Ungetüm werden die reparaturbedürftigen Lokomotiven und Reisezugwagen seit vergangenem November vor der Halle um 90 Grad gedreht, auf eines der 13 Gleise verteilt - und später wieder in Betrieb gebracht. Dadurch würden komplizierte Manöver über mehrere Gleise entfallen. Voraussetzung dafür ist, dass die 30 Meter lange und 90 Tonnen schwere Anlage sowohl drehen als auch schieben kann. «Die Spezialanfertigung aus Dresden ist weltweit einzigartig», sagte Projektleiter Walter Bucheli gestern vor den Medien. «Es gibt zwar Anlagen, die jeweils eine der beiden Aufgaben übernehmen, aber die Kombination existiert nur hier.»

Die Ausrichtung der Gleise hat sich seit der Inbetriebnahme der Halle im Jahr 1908 nicht verändert - die Zugwaggons sind aber in der Zwischenzeit deutlich länger geworden. Um die Anlage an neue Fahrzeugtypen anzupassen und für die Zukunft fit zu machen, wäre auch eine Drehung der Arbeitsstände um 90 Grad eine Option gewesen, sagte Bucheli. Damit wären sie parallel zu den Aussengleisen gewesen. «Aber nicht zuletzt aus Gründen des Denkmalschutzes haben wir die historische Ausrichtung schliesslich beibehalten.»

10 Züge pro Tag

In der Halle werden die Züge je nach Bedarf angehoben. Ferngesteuerte gelbe Wägelchen fahren die Ersatzteile scheinbar automatisch zu ihrem angedachten Platz. Doch der Schein trügt - ohne die 140 Handwerker läuft hier nichts. Da der Umbau eine Halbierung der Reparaturplätze mit sich brachte, arbeiten sie im Zweischichtbetrieb. Die Modernisierung soll die Produktivität erhöhen. «Wir reparieren zurzeit im Schnitt zehn Fahrzeuge pro Tag», sagte Martin Fischer, Leiter Reparaturen Rollmaterial bei den SBB.

In der Halle ist trotz moderner Einrichtung noch erahnbar, dass die Geschichte der ehemaligen SBB-Hauptwerkstätte über hundert Jahre zurückgeht. Altes mit Neuem verbinden, das will die Stadt auch auf den Flächen und in den Gebäuden, die von den SBB nicht mehr genutzt werden. Wo Wagen hergestellt, revidiert und geflickt wurden, soll unter dem Schlagwort «Werkstadt» eine Mischung aus Handwerksbetrieben und Stadtleben mit Läden und Gastronomie entstehen. «Urbane Produktion in den SBB-Werkstätten», heisst das auf der Website www.werkstadt-zuerich.ch. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Klar ist: Die SBB werden in Altstetten weiterhin Züge reparieren - wenn auch auf einem Bruchteil der ehemaligen Fläche. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2017, 15:56 Uhr

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