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Immer mehr Gemeinden führen den Weibel wieder ein

Seit die Post ihren Service abgebaut hat, greifen einige Gemeinden wieder auf den Dienst eines Weibels zurück. Andere setzen auf Alternativen.

Unterland - Hatte die Schweizerische Post bis vor einem Jahr die Todesanzeigen noch innert weniger Tage in den Gemeinden verteilt, garantiert sie diese Dienstleistung heute nicht mehr. Die Post gelangt zunächst in das Sortierzentrum in Zürich-Mülligen und wird von dort in die Ortschaften geschickt. Da Bestattungsanzeigen im Sortierzentrum wie unadressierte Werbepost behandelt wird, erreichen sie die Haushalte nur noch innerhalb von fünf bis sieben Werktagen. Für viele Trauerfamilien ist dies ein Problem. Die meisten Beerdigungen finden innert weniger als fünf Tagen nach dem Todeszeitpunkt statt.

Der Gemeinderat von Eglisau hat deshalb beschlossen, die Einwohner mittels eines neuen Weibeldienstes rechtzeitig über Bestattungen zu informieren (TA vom Dienstag). Die Gemeinde sucht mehrere Einwohner, die den Ort gut kennen und kurzfristig verfügbar sind. Nebst Todesanzeigen sollen sie auch Abstimmungsunterlagen oder das Mitteilungsblatt verteilen. Entschädigt werden die Einsätze im Stundenlohn.

Damit führt Eglisau eine Funktion ein, die es 1998 abgeschafft hat. Damals wurde der Weibel im Rheinstädtchen pensioniert und nicht mehr ersetzt. In der Folge verteilten Schüler die Todesanzeigen - «allerdings nicht sehr zuverlässig», erinnert sich Gemeindeschreiber Kurt Forster. Danach übernahm die Post den Versand.

Anzeige per E-Mail unpassend

Der Gemeinderat habe sich Alternativen zum Weibeldienst überlegt, sagt Forster. Am schnellsten hätte die Bevölkerung über einen elektronischen Newsletter oder die Gemeinde-Website informiert werden können. Die Behörde habe dann aber an der Tradition der Flugblätter festhalten wollen. Vor allem ältere Menschen seien an den Bestattungsanzeigen interessiert - und die würden nicht alle über E-Mail oder Internet verfügen. Ausserdem sei eine technische Lösung für eine sensible Mitteilung wie die Todesanzeige eher unpassend, findet Kurt Forster.

Die Gemeinde Lufingen schaltet die Todesanzeigen gelegentlich auf der Website auf - sofern die Angehörigen dies wünschen. Bewährt hat sich aber das Flugblatt, das seit dem Serviceabbau der Post durch einen Weibel verteilt wird. Im Gegensatz zu Eglisau verlangt Lufingen jedoch von den Angehörigen 150 Franken pro Versand. «Mit diesem Betrag entschädigen wir die Arbeit des Weibels», sagt Gemeindeschreiber Kurt Renk. Die Druckkosten übernimmt nach wie vor die Gemeinde.

Die Todesanzeigen per Flugblatt zu publizieren, ist für die Gemeinden keine Pflicht. Oberglatt veröffentlicht die Bestattungen im «Zürcher Unterländer». Zwar hatte die Gemeindeversammlung vom 3. Juni 2008 beschlossen, dass die Anzeigen wieder in die Haushalte verteilt werden sollen. Der Gemeinderat wird jedoch aufgrund der neuen Ausgangslage der Gemeindeversammlung vom 12. April beantragen, den Entscheid wieder rückgängig zu machen. «Denn für die 2900 Haushalte müssten wir mehr als nur einen Weibel haben», sagt Gemeindeschreiber Christian Fuhrer. Er zweifelt daran, dass sich die Gemeinde dies leisten wolle.

Aushang reichte nicht

Niederweningen hat gar nie auf einen Weibel verzichtet. Wieder eingeführt wird er vor allem in jenen Gemeinden, wo die Todesanzeigen von jeher alle Haushalte erreichten. In Rafz setzt man seit langem auf den Aushang an den über 20 Anschlagbrettern. Zudem erscheinen die Anzeigen im «Weibel» - dem Mitteilungsblatt der Gemeinde.

Auch in Stadel hat man vorübergehend versucht, an Aushängen über Bestattungen zu informieren. Die Neuerung kam bei den Einwohnern aber schlecht an. «Einige beschwerten sich, weil sie deswegen eine Beerdigung verpasst hatten», sagt Gemeindeschreiber Richard Kälin und zeigt Verständnis. «Man geht ja nicht alle zwei Tage die Aushänge anschauen.» Seit letztem Herbst hat deshalb auch Stadel wieder einen Weibeldienst. Heinz Zürcher

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