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In Wil endet ein offizieller Wanderweg im Nichts

Als illegale «Grüngut-Deponie» bezeichnet Felix Angst den Zustand des Wegs ins deutsche Baltersweil. Das Wiederherstellen des Wegs sei Sache der Gemeinde. Diese widerspricht: Zuständig sei der Kanton. Nun muss der Bezirksrat entscheiden

Von Rolf Haecky Wil – Der Wanderweg von Wil über die Anhöhe und die Landesgrenze nach Baltersweil ist völlig verwildert. Reiter, Wanderer, Velofahrer stranden deshalb oft im Nirgendwo, weil unklar ist, wo der Weg weitergeht, und auf der Suche danach irren sie durch den Wald: Das ist der Inhalt einer Aufsichtsbeschwerde, mit welcher sich der Bezirksrat zurzeit beschäftigt. Damit gerät der Gemeinderat in Wil erneut in die Kritik: Nachdem Richard Bachmann vor zwei Wochen eine Aufsichtbeschwerde gegen die Behörde wegen Vetternwirtschaft eingereicht hat (TA vom 22. Juni), tritt nun auch der Ur-Wilemer Felix Angst an die Öffentlichkeit. Er rügt den Gemeinderat, weil der sich weigere, seinen Pflichten nachzukommen und den Baltersweilerweg zu unterhalten. Wanderkarten nicht das Mass Besagter Weg verbindet Wil mit Baltersweil in Deutschland und ist in den Karten der Landestopografie Schweiz als offizieller Weg eingezeichnet. Doch rund 150 Meter vor der Grenze zu Deutschland verkommt der Weg vollends und wird als solcher unkenntlich. «Inzwischen haben unsere nördlichen Nachbarn dieses verwilderte Stück schlicht zu einer illegalen Grüngut-Deponie umfunktioniert», sagt Felix Angst. «Wanderkarten sind in diesem Fall nicht massgebend», stellt Gemeindeschreiberin Katja Wickihalder klar und fährt fort, «der Kanton legt in eigener Kompetenz fest, welche Waldwege eine Gemeinde anlegen darf und unterhalten muss.» Und der Baltersweilerweg fehle schlicht im kantonalen Waldwegverzeichnis. Kosten als Stolperstein Immer wieder verirren sich auf diesem Weg zahlreiche Ausflügler, weil «sie glauben, dieser sei vor der Grenze plötzlich zu Ende», sagt Felix Angst. Der Gemeindeförster habe ihm schon bestätigt, dass sich immer wieder Biker, Reiter und Wanderer einen eigenen Weg durchs Unterholz suchten. «Das ist sicher sinnlos, wenn die Leute durch den Wald müssen und damit der Natur Schaden zufügen», sagt Felix Angst. Bereits im Frühjahr 2010 forderte Angst, der Gemeinderat müsse das Stück Weg säubern und überkiesen, damit ein Durchkommen über die Grenze wieder möglich werde. Der Wiler Gemeinderat beschied ihm hierauf: «In Anbetracht des ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses kann der Gemeinderat Ihrem Vorschlag leider nicht entsprechen.»Felix Angst kann diese Argumentation nicht nachvollziehen, handle es sich doch um Kosten von 5000 bis 10 000 Franken für das Instandstellen eines offiziellen Wanderwegs. Und so reichte er beim Bezirksrat eine Aufsichtbeschwerde. Diese ist noch hängig. Noch ein weiterer Punkt stösst Angst sauer auf: Der Gemeinderat hatte am 15. Juni den Stimmberechtigen einen Kreditantrag zwischen 25 000 und 30 000 Franken vorgelegt, um die eigenen Büros umzugestalten und einzurichten. Kanton müsste Weg bewilligen Inzwischen ist die illegale Gründeponie allerdings verschwunden – irgendwer hat sie weggeräumt. Da plötzlich der Weg zumindest wieder offen ist, wenn auch nicht eingekiest, dankte Felix Angst dem Gemeinderat schriftlich für diese Arbeit, im Glauben, die Behörde habe das Ganze an die Hand genommen. Die Antwort kam umgehend: Dies müssten Drittpersonen gewesen sein, hielt der Gemeinderat in seinem Schreiben vom 19. Mai fest und bekräftigte: «Wir möchten eindringlich darauf hinweisen, dass wir das Anlegen eines solchen Wegs weder akzeptieren noch bewilligen können.» Und: Der Gemeinderat werde diesen unbewilligt angelegten Weg auch in Zukunft nicht unterhalten, geschweige ihn zusätzlich einkiesen. «Ich finde das dermassen daneben; da der Weg offiziell in den Wanderkarten eingezeichnet ist, kann kein vernünftiger Mensch von unbewilligt angelegten Wegen sprechen», sagt Felix Angst. Doch die Gemeinde hält an den rechtlichen Gesetzmässigkeiten fest. «Der Kanton müsste das Erstellen und den Unterhalt dieses Wegstücks erst bewilligen», sagt Katja Wickihalder. Der Gemeinderat habe den Kanton in dieser Sache bereits angeschrieben. «Früher mag der Weg ja bestanden haben», räumt sie ein, daraus liesse sich aber keine Pflicht für den Kanton ableiten, dass dieser den Weg wieder ins Waldwegverzeichnis aufnehmen müsse. Felix Angst hat wegen des verwilderten Wanderweges beim Bezirksrat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Foto: Johanna Bossart

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