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Japan ist in Uster angekommen

Mit der Biberdamm-Brücke wurde am Samstag die erste Etappe des Zellwegerparks eingeweiht. Das Volk ist skeptisch, aber nicht unzufrieden.

Von Stefanie Pfändler Uster – Nun steht er also, der Biberdamm im Zellwegerpark. Scheinbar ungeordnet liegen die groben Lärchenhölzer übereinander und bilden ein wellenartiges Konstrukt, das sich wie zufällig in die Landschaft einfügt. Trotzdem wirkt es auf den ersten Blick irgendwie fremd – noch ist das Holz neu und unverbraucht. Vor wenigen Tagen hat der japanische Künstler Tadashi Kawamata zusammen mit Studierenden die neue Brücke aufgebaut. Am Samstag konnte sie erstmals von der Bevölkerung bestaunt werden. Deren Urteil, so scheint es, fällt vorläufig gnädig aus. Für Kinder und Enten Die Brücke ist voll, die Leute sind neugierig, von allen Seiten wird sie skeptisch beäugt, und überall wird angeregt diskutiert. Johanna und ihr Bruder hüpfen abseits des eigentlichen Gehwegs von Holz zu Holz, etwas vorsichtig zwar, die Brücke unter ihnen schaukelt leicht, mit der Zeit aber immer mutiger. «Schau, unter uns ist Wasser», ruft die Kleine begeistert, worauf ihr Bruder eingehend das Loch zwischen seinen Füssen studiert. Eine ältere Frau beobachtet die Kinder lächelnd. «Ich denke, die Fläche ist eigentlich für die Enten gedacht», mutmasst sie. In der Zeitung habe sie vom neuen Zellweger-Projekt gelesen, deshalb habe sie sich die Sache mal genauer anschauen wollen. «Ein bisschen gross ist er schon», meint die Ustermerin und bekräftigt gestikulierend die Grösse des Damms. «Ich stellte mir halt ein kleines Brüggli vor.» Am Nordufer des Weihers steht ein Ehepaar und blickt lange wortlos aufs Wasser. «Das soll jetzt also Kunst sein», meint der Mann irgendwann tonlos. Seine Frau schweigt, der Dalmatiner schnuppert am Holz. «Meinst du, das ist erst provisorisch?», fragt sie nach einer Weile. «Komisch irgendwie», murmelt er. Die Journalistin will mehr wissen. «Ist halt mal etwas anderes», sagen sie und klingen ein wenig enttäuscht dabei. Dann müssen sie weiter, der Dalmatiner wird ungeduldig. Am anderen Ufer ist die Stimmung wohlwollender: «Ganz wunderbar» findet die Ustermerin Valeria Lenz die neue Brücke. Und das ganze Zellweger-Projekt sowieso. «Es wäre schön, wenn aus der verbotenen Stadt endlich ein offener Raum würde», findet sie. Ihre Freundin ist vor allem über den Einzug der Kunst begeistert. «Die Projekte sind modern und mutig, ich finde das sehr sympathisch», sagt Roswitha Dorsch. Auch eine junge Familie aus Greifensee ist begeistert: «Die Brücke gefällt uns schon mal sehr gut», sagt Barbara Gross, «Obwohl hier einige skeptisch sind.» Dass die geplanten Eigentumswohnungen nur für Gutsituierte finanzierbar sind, findet sie einleuchtend. «Es ist ja logisch, dass an einer solchen Lage keine Sozialwohnungen entstehen», findet sie. Ausserdem bringe das für Uster eine gute Klientel. «Trotzdem ist eine gute Durchmischung sicher wichtig», stellt sie fest. «Hoffentlich finden hier auch Junge, Alte und Familien Platz.»

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