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Jetzt zählen nur noch der Sport - und London 2012

Triathlon-Europameisterin Nicola Spirig steigt am Samstag in Seoul als Profi in die Saison - nach erfolgreichem Jusstudium.

Anfang April flog Nicola Spirig nach Krabi im Süden Thailands. Sie suchte die Trainingsbasis der internationalen Gruppe um den australischen Coach Brett Sutton auf. Und damit jenes Umfeld, in das sie in den letzten dreieinhalb Jahren immer wieder eingetaucht ist. Jenes, mit dem sie ihren Vorstoss in die Weltelite des Triathlons verbindet.

Sieben Tage benötigte sie zur Umstellung. Akklimatisieren, den Körper an die Hitze und Feuchtigkeit gewöhnen, die Zeitdifferenz adaptieren, hiess es vorerst. Der Abschluss des Jusstudiums hatte sie gefordert. Sechs Wochen mit je einer Prüfung in verschiedenen Fächern empfand sie als stressig: «Die Prüfungen und der Sport raubten viel Energie.»

Es galt aufzutanken. Unter altbekannten Kollegen, freundlichen Einheimischen und in wunderschöner Umgebung gelang dies. Die 28-jährige Zürcherin aus Dielsdorf fühlte sich rasch wieder im Element. Jetzt kann sie den Empfindungen ihres Körpers wieder die nötige Beachtung schenken. In harten Trainingseinheiten fordert und fördert sie sich. Und hält fest: «Läuferisch bin ich auf einem erfreulichen Level.» Dies darum, weil sich diese Sparte mit der beschränkten Zeit während des Winters am besten trainieren liess. Etwas mehr Zeit benötigt sie in den andern Disziplinen, Schwimmen und Velofahren, aber: «Die Fortschritte sind frappant, alles läuft tipptopp.»

Im Windschatten der Männer

Unterwegs ist Nicola Spirig mit anderen der internationalen Gruppe, vor allem Langdistanz-Athleten. Aber auch mit Reto Hug, ihrem Lebenspartner. Ihn hat sie in Thailand nach Wochen der Fernbeziehung wieder getroffen. Hug trainierte zuvor in Australien und bestritt dort auch die Auftakt-prüfung zur WM-Serie in Sydney (Rang 17). «Mit Reto zusammen bin ich ausgeglichener und wohler», sagt sie. Etliche Trainingseinheiten haben sie gemeinsam bestritten, und mit dabei war auch Hugs Trainingspartner Tim Don (Gb), der Weltmeister von 2006 in Lausanne. Spirig geniesst diesen Anschluss: «Auf dem Velo etwa können sich die beiden Männer fordern, und ich folge im Windschatten.»

Nicola Spirig gibt ihr diesjähriges Triathlon-Wettkampf-Debüt am Samstag in Seoul. Sie zählt seit vier Jahren zur Weltelite. Sie hat drei Weltcuprennen gewonnen und 2009 ihren ersten Elite-Einzeltitel an internationalen Meisterschaften. Sie wurde Europameisterin - gleich im ersten grossen Rennen des Jahres und nach ähnlichem Vorwinter wie jetzt, damals wegen der schriftlichen Uni-Prüfungen. Optimismus ist also erlaubt: «2009 hat gezeigt, dass ich mit einer solchen Doppelbelastung umgehen kann und die sportliche Leistungsfähigkeit nach suboptimalem Winter ohne Trainingslager nicht zu leiden braucht.»

Trotzdem dämpft sie hohe Erwartungen: «Im Vergleich zum Vorjahr fehlen mir beim Einstieg ins internationale Geschehen die Vorbereitungsrennen.» Zwar war sie in der Leichtathletik auf nationaler Ebene erfolgreich und wurde Schweizer Meisterin im 10-km-Strassenlauf, Triathlon aber hat sie noch keinen bestritten. Im Gegensatz zu 2009, damals allerdings mit mässigem Erfolg. Darum betont sie: «Die Erfahrung sagt mir, dass ich einige wenige Rennen benötigte, um den Tritt wieder zu finden.» Druck verspürt sie dennoch - vor allem den eigenen. Zur Seite schieben will sie diesen, auch wenn sie weiss, welchen Stellenwert diese Prüfung von Seoul geniesst. Sie zählt zur WM-Serie.

Sollte ihr der Einstand missglücken, will sie nicht grübeln. Nicola Spirig denkt, dass sie noch Gelegenheit erhält, aufzutrumpfen. Zudem bietet sich auch die Möglichkeit, am Schluss in der Gesamtwertung einen Spitzenplatz anzusteuern. Fest hält sie zudem: «Seoul ist für mich lediglich Beginn eines neuen Abschnitts.» Ihr Fernziel heisst Olympia 2012 in London, und sie sagt: «Jetzt verfüge ich über gut zwei Jahre, um mit voller Energie diesen Höhepunkt anzusteuern.» Vor diesem Hintergrund wäre eine nicht völlig geglückte WM-Serie 2010 kein Unglück und schon gar nicht ein missglücktes Rennen in Seoul. Nicola Spirig.

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