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John Slettvoll: «Ich weiss, dass es eine sehr heikle Aufgabe ist»

Der Altmeister leitet heute das erste Training als Nothelfer der Lakers.

Die Mannschaft sei anfänglich belämmert gewesen, habe dann aber befreit gewirkt, hiess es von offizieller Seite der Rapperswil-Jona Lakers am Tag nach der Entlassung Raimo Summanens und dem Engagement John Slettvolls. Der 65-jährige Schwede traf gestern Abend nach einem Reisetag von Umea über Stockholm an seinem neuen Arbeitsort ein. Die Führung der Lakers entschied sich für Nothelfer Slettvoll und gegen John van Boxmeer, der seit seiner Freistellung beim SCB im Frühling wieder in Kalifornien lebt, oder den früheren Zuger Trainer Björn Kinding.

Der ewige Bergsteiger

«Wenn man mir am Sonntag gesagt hätte, dass ich am Freitag in der Valascia sein würde - ich hätte es für undenkbar gehalten», sagt Slettvoll. Er leitet heute das erste Training, hat morgen in Ambri Premiere und gibt seinen Einstand an der Bande der Diners Club Arena am Samstag gegen seinen einstigen Klub Lugano, bei dem er 1992 und 2007 zwei Comebacks gefeiert hatte.

Es sei nicht die winterliche Langweile gewesen, die ihn zur Rückkehr veranlasste, «vielleicht ein wenig», schränkt er ein. Das Jahr bei Lugano habe ihm gezeigt, dass seine Leadership noch funktioniere, dass seine Energie noch da sei. «Ich bin mir bewusst, dass es eine sehr heikle Aufgabe ist. Doch das stört mich nicht - einmal Bergsteiger, immer Bergsteiger. Ich bin nur hier, um den Lakers zu helfen. Wenn es nicht klappen sollte, werde ich nicht des Geldes wegen bleiben.»

Slettvoll, dessen Sohn in Wallisellen lebt, schliesst ein längeres Engagement als bis zum Saisonende kategorisch aus. «Ich habe keine Ambitionen mehr auf längere Verträge.» Schliesslich will der Garten zu Hause bestellt sein. Und die Lakers möchten im Sommer ohnehin mit dem erfolgreichen Trainer der SCL Tigers, Christian Weber, einen neuen Anfang machen. Allerdings bemüht sich mittlerweile auch der Langnauer Klub intensiv, die Protagonisten des aktuellen Höhenflugs zu halten.

Summanens Ausfälligkeiten

Die Lakers möchten vorerst weg von diesem Trainerkarussell, das zum dritten Mal zur Unzeit vor Weihnachten am Obersee anhielt. Einen so krassen Absturz der Mannschaft wie in den letzten Wochen haben allerdings auch langjährige Beobachter des Klubs noch nicht registriert. Man sprach von Zerfallserscheinungen nach einer offenbar unerträglichen Pöbeltaktik Raimo Summanens, der sogar den langjährigen Klubarzt vor den Spielern massiv beleidigt hatte. Summanen soll sich nach einer schriftlichen, vom Klubjuristen verfassten Abmahnung in den vergangenen Wochen geläutert präsentiert haben. Er habe seine Emotionen jetzt im Griff, erklärte er den Rapperswiler Verantwortlichen. Doch es folgte kein Tauwetter auf die Eiszeit.

Der Glanz ist verblichen

Allerdings kursierten auch nach den Entlassungen Kari Elorantas oder Morgan Samuelssons ähnliche Begründungen. Und die Spieler blieben immer unbehelligt. Damit wurden die grundsätzlichen Probleme ausgeklammert: Die Mannschaft bestand und besteht praktisch nur aus Mitläufern, die gut spielen, wenn es gut läuft, und sich verabschieden, wenn die Krise ausbricht. Das ist ein labiles Gefüge, das sich im Zweifelsfall gegen den Mann an der Bande auflehnt. Auch gegen Bill Gilligan, mit dem die Lakers vor drei Jahren immerhin die einzige Playoffserie gewannen, probten Hinterbänkler den Aufstand. Der Amerikaner war einst in Bern der grosse Gegenspieler von Slettvolls Grande Lugano gewesen. Insgesamt gewannen sie 7 Meistertitel. Den letzten allerdings vor 17 Jahren. Der Glanz ist verblichen. Werner Schweizer

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