Zum Hauptinhalt springen

José-Manuel Gisler (21)«Fans sind meine Familie»

José-Manuel Gisler (21) «Als mir klar wurde, dass wir ein richtiges Buch schreiben würden, eines, das andere in einem Laden kaufen könnten, war das sehr speziell. Ich interessierte mich für das Thema Schulden. Selbst habe ich zwar nie welche gemacht, doch ich habe Kollegen, die in die Schuldenfalle getappt sind. Ich wollte das Thema in eine Geschichte packen, und so habe ich eine Kunstfigur geschaffen, den Sascha. Ich habe viel über Schulden recherchiert. Die Gefühle, die Sascha dazu treiben, Geld auszugeben, das er nicht hat, sind aber meine. Einsamkeit kenne ich gut. Mit acht Jahren wurde ich bei Pflegeeltern untergebracht. Meine Mutter litt nach der Scheidung an Depressionen, und man entzog ihr das alleinige Sorgerecht. Bis ich 18 war, bin ich neunmal umgezogen, von einer Familie zur nächsten, jedes Mal an einen neuen Ort, in eine neue Schule. Immer gerade dann, wenn ich Freunde gefunden hatte. Mit 18 Jahren zog ich allein in eine Wohnung in Wettingen, in die Nähe meiner Lehrstelle als Detailhandelsangestellter beim Denner in Buchs. Ich kannte niemanden im Kanton Aargau. Als meine Eltern beide starben, waren mein älterer Bruder und ich ganz auf uns allein gestellt. Ich dachte viel über den Tod nach und die Möglichkeit, es könnte dann einfach alles vorbei sein. Game over &endash der Gedanke beschäftigte mich. Eigentlich hätte ich gerne das KV gemacht, doch ich war spät dran mit meinen Bewerbungen und fand keine Lehrstelle. Im Detailhandel gefällt mir der Umgang mit den Kunden, ich bin kontaktfreudig und rede gerne. Mein Traumjob ist aber Sportjournalist. Ich kenne mich im Fussball und Hockey in jeder Liga aus, führe meine eigenen Statistiken und schaue mir über 30 Matchs im Jahr live an. Das ist mein Ausgang, meine Leidenschaft. Sport &endash das sind Emotionen. Ich bin ein grosser FC- und EHC-Basel- sowie HC-Lugano-Fan. Andere Fans sind meine Familie. Zurzeit absolviere ich die Rekrutenschule. Als Durchdiener stehen mir 42 Wochen Militär bevor. Später will ich nach Basel ziehen, ein guter Verkäufer sein, die Matura nachholen und mit Praktika journalistische Erfahrungen sammeln. Vielleicht habe ich ja Glück und schaffe es. Dass ich etwas geschrieben habe, das gedruckt wurde, könnte mir dabei helfen.» (mom)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch