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Kampf ums Hüenerbüel ist neu entfacht

Neue Runde im Streit ums Hüenerbüel: Befürworter kämpfen für günstige Wohnungen, Gegner warnen vor einer Verschleuderung von Gemeindeland.

Befürworter und Gegner der Hüenerbüel-Doppel-Vorlage müssen sich an der Urnenabstimmung vom 30. November auf eine Zitterpartie gefasst machen. Mit nur gerade 14 Stimmen Unterschied hatte die Juni-Gemeindeversammlung die vergünstigte Abgabe von Gemeindeland für 40 Genossenschaftswohnungen im mittleren Hüenerbüel zwar gutgeheissen. Und fast ebenso knapp einen damit finanziell gekoppelten Landverkauf für 23 private Terrassenwohnungen im Unteren Hüenerbüel.

An der Urnenabstimmung aber könnte diese hauchdünne Mehrheit nur zu leicht wieder kippen. Einen Monat vor dem Abstimmungstermin vom 30. November machen jetzt beide Lager noch einmal mobil.

In einem in alle Haushaltungen gestreuten Flugblatt «2 × Nein zu den Hüenerbüel-Vorlagen» warnt die Gruppierung «Lebensqualität Horgen» um Esther Holm vor einem überstürzten Verkauf von Gemeindeland. Bevor Horgen Luxusbauten im unteren Hüenerbüel zulasse und sich auch im mittleren Hüenerbüel voreilig von attraktivem Bauland trenne, müsse die Gemeinde zuerst den Landbedarf für Schul- und Altersbauten und auch für bezahlbare Familienwohnungen genau klären, argumentiert «Lebensqualität Horgen».

Mieten «optimistisch»

Esther Holm und andere Opponenten ziehen auch die von der Bahoge-Genossenschaft «viel zu optimistisch budgetierten» Anfangsmieten von 2000 Franken für 4½-Zimmer-Wohnungen in Zweifel. Holm erwartet ungleich höhere Mieten und Nebenkosten «von zusammen gegen 3000 Franken». Und zwar, weil instabiler Baugrund das Projekt massiv verteuere und weil das von der Gemeinde vergünstigte Bauland noch immer zu viel koste, «um wirklich sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen».

Das Befürworterkomitee Pro Hüenerbüel hat seinerseits am Donnerstag seine Argumente zugunsten der Doppelvorlage dargelegt und von den Gegnern in Umlauf gebrachte höhere Mietzinszahlen als falsch zurückgewiesen.

Dem mittlerweile über 40-köpfigen Komitee gehören nicht nur Exponenten der Horgner Genossenschaften, sondern mit Ausnahme von Polizeivorstand Samuel Fröhlich (SVP) sämtliche Gemeinderatsmitglieder und vereinzelt auch Gewerbler an. Seine Genossenschaft realisiere eine Siedlung mit hoher Wohn- und Lebensqualität, aber dennoch mit für den Mittelstand bezahlbaren Mieten, betonte Bahoge-Geschäftsführer Erich H. Rimml. Dank nicht profitorientierter Kostenmiete würden die Anfangsmieten von 2000 Franken innert 20 Jahren um mindestens 20 Prozent günstiger als auf dem freien Markt.

In Horgen, wo praktisch nur noch Eigentums- und für den Mittelstand unerschwingliche Mietwohnungen erstellt würden, sei der Bedarf an günstigem Wohnraum enorm, unterstrich Mike Weibel, Präsident der Wohnsinn-Genossenschaft. Seine Genossenschaft werde denn auch von Anfragen geradezu überschwemmt.

Situation wird sich verschärfen

In den Abstimmungskampf schaltet sich auch der in Horgen wohnhafte Direktor des Schweizerischen Verbands für Wohnungswesen, Stephan Schwitter, ein. Angesichts der Zuwanderung aus dem Ausland und wegen des immer knapper werdenden Baulands werde sich die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt gerade auch in der Region weiter verschärfen, prophezeite er. Dass «Lebensqualität Horgen» eine gute Durchmischung und günstigen Wohnraum für Familien fordere, sich aber gegen ein Projekt stemme, das diese Anliegen umsetze, sei höchst stossend, meinte Schwitter.

Unverständlich ist für die Befürworter auch, dass sich nicht alle ans Baugrundstück angrenzenden Mietergenossenschaften für das Projekt starkmachen. «Dass Genossenschafter, die jahrelang von günstigen Mieten profitierten, Genossenschaftswohnungen in ihrer Nachbarschaft verhindern wollen, ist schlicht egoistisch», ärgerte sich Reto Casanova, Präsident der Alpenblick-Genossenschaft.

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