Lieber unständig – dafür aber erfolgreich

Politiker sollen sich laut alt Bundesrat Christoph Blocher der Lebenswirklichkeit stellen, statt sich den Bedürfnissen der Allgemeinheit durch Stil- und Anstandsvorwürfe zu entziehen.

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Wichtigste Aufgabe der Politik ist nach Ansicht des früheren Bundesrats Christoph Blocher die schonunglose Darstellung der Realität. In seiner Rede zum Ustertag warnte er am Sonntag Nachmittag in der reformierten Kirche von Uster vor zuviel Anstand in der Politik. Blocher stellte seine Erläuterungen zum Thema «Anstand in der Politik» in den Rahmen der revolutionären Ereignisse von 1830 in Uster, woran die traditionelle Feier jährlich erinnert. Damals erhob sich die rechtlose Zürcher Landschaft gegen die Stadt, was als Fanal für die moderne Zürcher Verfassung gilt.

Falscher Anstand

Hinter dem häufigen Ruf nach Anstand Respekt und Toleranz in der Politik könne sich auch das Motiv der Herrschenden verstecken, von berechtigter Kritik abzulenken, warnte Blocher. Vor diesem Hintergrund sei die Ustertagfeier nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein Mahnmahl.

Wie damals sind es laut Blocher auch heute nicht die Anständigen, welche die Politik voranbringen. Zu allen Zeiten müssten sich Kritiker von Regierungen Unanstand vorwerfen lassen «während die Regierenden die Weisheit besitzen». Berechtigte Kritik werde dagegen nicht selten als Demagogie und unanständiger Populismus gebrandmarkt.

Motiv wichtiger als die Fassade

Es sei üblich geworden, im Zusammenhang mit dem Politstil der SVP auf Anstand zu pochen. Blocher forderte die Zuhörenden von der Kirchenkanzel herab auf, in der Politik «öfter hinter die Fassade der Wohlanständigkeit zu blicken». Es sei nicht anständig, den Mund zu halten, wo ein deutliches Wort am Platz wäre.

Er habe in seinem Leben oft mehr unter der salonfähigen und «anständigen» Verlogenheit gelitten als unter dem direkten Wort. Man müsse zuweilen provozieren, um eine richtige Reaktion auf Fehlentwicklungen zu bewirken. Wichtiger als die Fassade in der Politik sei nämlich das dahinter stehende Motiv.

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Erstellt: 24.11.2008, 08:22 Uhr

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