Celtic Frost: Letzte Reise zwischen Okkult und Drama

Die Zürcher Metalband Celtic Frost beeinflusste mit ihrer Musik Gruppen von Nirvana bis Marilyn Manson. Vor zwei Jahren starteten sie zur finalen Welttournee und wurden dabei von Adrian Winkler mit der Kamera begleitet.

Celtic Frost: Für Fans mehr als nur eine Modeerscheinung, sondern wichtiger Teil ihres Lebens. (Bild: Filmszene «Celtic Frost – A Dying God»)

Celtic Frost: Für Fans mehr als nur eine Modeerscheinung, sondern wichtiger Teil ihres Lebens. (Bild: Filmszene «Celtic Frost – A Dying God»)

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Adrian Winkler*, Sie haben in ihrem Film «A Dying God» die Comeback-Tour einer internationalen Kultband gefilmt - ohne zu wissen, dass es schlussendlich ihre letzte Tour überhaupt sein würde. Eigentlich ein perfekter Scoop.
Im Prinzip ja, aber ich hätte viel lieber gezeigt, wie Celtic Frost am Ende weiter bestehen und seine Dämonen besiegen würde. Aber die Probleme innerhalb der Band wurden während der Tour immer grösser und das hat schliesslich zum endgültigen Zerwürfnis geführt.

Wieso wollten Sie die Tour überhaupt zum Thema eines Films machen?
Celtic Frost ist in vielerlei Hinsicht wichtig für die Schweizer Musikgeschichte - nicht nur für den Raum Zürich. Es ist eine sehr spezielle Band und eine sehr spezielle Konstellation von Musikern. Deswegen wurden sie auch Berühmt: Sie haben ihre Verzweiflung und negativen Gefühle in Musik gepackt, ohne zu beschönigen. Das hat eine Kraft, der sich viele nicht entziehen können und die sie weltberühmt gemacht hat.

Das zeigt sich vor allem bei ihren Anhängern. In den Neunziger Jahren zündeten norwegische Black Metal Fans Dutzende Kirchen an und beriefen sich dabei auch auf Celtic Frost. Das ist gefährlicher Fanatismus.
Man muss sich im klaren sein, dass Black- oder Death-Metal nur einen sehr kleinen Prozentsatz von Menschen anspricht. Sie entscheiden sich aus welchen Gründen auch immer für diese extreme Musik. Die Mehrheit der Fans sind harmlose, enthusiastische, friedliebende Leute. Aber, ja, diese Musik zieht auch Menschen an, die die Grenzen zwischen Image und Realität nicht mehr erkennen. Für sie ist diese Band nicht einfach nur eine Modeerscheinung, sondern sie ist ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Sie stellen die Band, die auch mit Themen wie Satanismus und Okkultismus spielt, unkommentiert dar. Hatten Sie keine Bedenken?
Celtic Frost ist eine kontroverse Band und es gibt viele Dinge, die einen auch abstossen können. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, ein Urteil über die Band zu bilden, sondern den Zuschauern einen Einblick in diese verschlossene Welt zu geben, damit sie selber eine Haltung zum Ganzen suchen und ihre Lehren selbst ziehen können. Ich wollte zeigen, dass die Band mit einem Image arbeitet, dass okkulte oder satanische Themen aufgreift, sich aber gleichzeitig von Satanismus distanziert. Eine Gratwanderung, die man durchaus auch ablehnen kann. Ich wollte deshalb bewusst nichts kommentieren oder kaschieren. Es ist meines Erachtens ehrlicher, ein Konzert mit blasphemischen Riten zu zeigen und die Bilder für sich sprechen zu lassen. Es ist eine persönlicher Film und eine persönliche Geschichte - das steht für sich und braucht keinen Kommentar.

Sie geben der Kultband Celtic Frost eine grosse Plattform, ohne den Kult um die Band effektiv zu zeigen. Warum?
Ich finde nicht, dass wir den nicht zeigen. Wie gross der Kult um die Band ist, sieht man in den Bildern und in der Art und Weise, wie sie durch ihre Fans im wahrsten Sinne des Wortes vergöttert werden. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, auf "Testimonials" von prominenten Fans zu verzichten. Natürlich hätten wir Künstler wie Dave Grohl von Nirvana oder die Cavalera Brüder von Sepultura in den Film einflechten können. Sie geben Celtic Frost klar als Inspirationsquelle an und hätten die Wichtigkeit der Band für die internationale Musikszene illustrieren können. Es hätte aber vom eigentlichen Hauptthema des Films - vom Comeback - weggeführt. Dieser Film ist schliesslich keine Heldenverehrung, sondern ein ehrliches Porträt einer aussergewöhnlichen Band.

* Der Journalist und Filmemacher Adrian Winkler lebt und arbeitet in Zürich. «Celtic Frost – A Dying God» ist nach «Halbstark» sein zweiter Dokumentarfilm. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2008, 14:24 Uhr

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