Im Radiostreit zählt die Qualität

Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus. Wer das Rennen macht, entscheidet der Bund nächstens; das Auswahlverfahren ist streng.

Heiss begehrt: Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus.

Heiss begehrt: Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus. Bild: Keystone

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57 Minuten: Durchschnittlich so lange hört ein Radiokonsument im Grossraum Zürich zwischen Montag und Freitag Radio Zürisee. Dieser Wert stammt aus einer Erhebung von Radiocontrol im ersten Halbjahr 2008. In diesem Bereich ist Radio Zürisee unter den Zürcher Privatstationen das Mass aller Dinge (siehe Grafik). Ein anderes Bild zeigt sich bei der Reichweite: In dieser Kategorie schwingt Radio 24, das wie der «Tages-Anzeiger» zur Tamedia gehört, mit 205'000 Hörerinnen und Hörern obenaus, gefolgt von Radio Zürisee (167'000) und Radio NRJ (145'000).

Chancengleichheit wird angestrebt

Die skizzierten Daten sind für die Radiomacher wichtig, um ihre Arbeit zu beurteilen – und Werbung in eigener Sache zu machen. Radio 24 etwa rühmt sich, seit «über 29 Jahren die Nummer 1 der Schweiz bei den Privaten» zu sein. Freilich verschaffen derlei Spitzenwerte bei der anstehenden Konzessionsvergabe keinen Wettbewerbsvorteil, wie Caroline Sauser, Sprecherin des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), erklärt: Die heutigen Hörerzahlen zum Beispiel seien kein Entscheidungskriterium, weil es auch neue Bewerber gebe, die noch nicht auf Sendung seien. «Ansonsten bestünde keine Chancengleichheit zwischen den Bewerbern.»

Medienpolitischer Entscheid möglich

Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) wird den Zuschlag für das Gebiet Zürich- Glarus mit 1,5 Millionen Einwohnern jenen drei Privatradios geben, die den in der Bundesverfassung verankerten Leistungsauftrag «gesamthaft am besten» erfüllen. Konkret: Die fünf Anwärter müssen Vorgaben zur publizistischen Qualitätssicherung erfüllen, so etwa mit Blick auf die personellen Ressourcen, aber auch in den Bereichen Lohn, Arbeitszeit sowie Aus- und Weiterbildung.

Was über den Sender geht, muss thematisch relevant und vielfältig sein und das Geschehen des gesamten Verbreitungsgebiets widerspiegeln. Neu im Kriterienkatalog aufgeführt sind zudem Verbote von Radarmeldungen, Publikumsgewinnspielen und Werbung für Alkohol und erotische Angebote. Vorlegen müssen die Anwärter schliesslich ein Versorgungskonzept, das die technische Verbreitung ihres Programms sowie die Finanzierung der geplanten Verbreitung aufzeigt. Beurteilt Leuenbergers Departement Uvek am Schluss mehrere Bewerbungen als gleichwertig, muss es laut Radio- und Fernsehgesetz jene Radiostation bevorzugen, welche die Meinungs- und Angebotsvielfalt am meisten bereichert. «Das Uvek wird dabei entsprechend die Unabhängigkeit des Mediums beurteilen», sagt Bakom-Sprecherin Sauser. In diesem Fall verfügen Roger Schawinski mit Radio 1 und Giuseppe Scaglione mit Radio 105 über die besseren Karten als die Konkurrenz, die Medienhäuser wie Ringier (Radio NRJ), Zürichsee Medien AG (Radio Zürisee) und Tamedia (Radio 24) hinter sich wissen.

Um die Qualität der Sender sicherzustellen, werden alle zwei Jahre externe, vom Bakom anerkannte Fachstellen die Sender röntgen. Eine erste Überprüfung erfolgt ein Jahr nach Konzessionserteilung, also 2010.

Die Etablierten pokern hoch

Das Uvek wird seinen Entscheid voraussichtlich Ende Oktober bekannt geben. Für die Sender steht viel auf dem Spiel: Vier der fünf Anwärter - Radio NRJ, Radio Zürisee, Radio 105, Radio 24 – haben sich ausschliesslich um eine Konzession für das Gebiet Zürich-Glarus beworben. Einzig Roger Schawinski bemüht sich darüber hinaus um eine Sendebewilligung für das – kleinere – Gebiet Zürich. Er kann davon ausgehen, am Ende zumindest den Spatz in der Hand zu halten. Verweigert Leuenberger hingegen einem der drei etablierten Sender (Radio Zürisee, Radio NRJ, Radio 24) die Bewilligung für das Gebiet Zürich-Glarus, geht es ans Lebendige: Den Radiostationen droht das Aus. Denn auf Sendung gehen kann eine Radiostation faktisch nur mit Konzession – wegen technischer Gründe.

Rechtshändel drohen

UKW-Frequenzen für die drahtlose terrestrische Verbreitung von Radioprogrammen sind ein knappes Gut. Deshalb vergibt das Uvek für das Sendegebiet Zürich-Glarus nur drei Konzessionen. Wären es mehr, liesse sich gemäss Bundesamt für Kommunikation die vom Gesetzgeber vorgeschriebene und von den Veranstaltern erwartete Empfangsqualität nicht mehr gewährleisten. Auch Radiostationen in angrenzenden Sendegebieten verunmöglichten eine dichtere Belegung des Frequenzbandes, etwa Radio Top in Winterthur.

Als letzte Option bleibt einem abgewiesenen Sender die Verbreitung seines Programms auf einem anderen Weg: via Kabel, Internet oder mit dem sogenannten Digital Audio Broadcasting (DAB), der modernsten Übertragungsform für Radioprogramme. DAB wird den UKW-Empfang dereinst wohl ersetzen. Heute jedoch lassen sich damit noch nicht viele Hörer erreichen. Laut Bakom gab es Ende 2007 rund 120'000 DAB-Radios in Schweizer Haushalten. Ein negativer Entscheid des Bakoms bedeutet damit faktisch den Todesstoss für einen Sender. Entsprechend nervös ist die Branche. Die Anspannung sei gross, die Warterei zermürbend, sagt ein Insider. Bereits drohen Rechtsstreitereien. Radio Zürisee etwa hat schon Ende 2007 angekündigt, Leuenbergers Entscheid notfalls bis vor Bundesgericht anzufechten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2008, 07:45 Uhr

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