«Wenn junge Leute wegen ICF ihr Studium unterbrechen, ist das verantwortungslos»

Die Freikirche ICF hat ein College gegründet. An Jahreskursen lernen die Mitglieder, sich ganz der Sache Gottes hinzugeben. Sektenexperte Hugo Stamm sieht darin eine weitere Radikalisierung der Freikirche ICF.

Supercooler Gottesdienst: ICF-Pastor Leo Bigger begeistert die Massen an Predigt, er bildet sie nun auch als Missionare aus. (Bild: TA)

Supercooler Gottesdienst: ICF-Pastor Leo Bigger begeistert die Massen an Predigt, er bildet sie nun auch als Missionare aus. (Bild: TA)

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ICF hat ein College gegründet. Laut Ausschreibung geht es darum, «Gott und sich selber neu zu entdecken» und sein «Leben für Gottes Sache ganz hinzugeben». Was halten Sie davon?
Das ist der typische freikirchliche Slang. Es gibt keine Trennung zwischen weltlichem und religiösem Dasein. Man lebt nicht um der Existenz willen, sondern einzig für Gott. Jeder einzelne wird zum Werkzeug Gottes. Das ist vor allem für Junge verhängnisvoll.

Warum?
Sie sind besonders leicht zu begeistern. Die Gefahr besteht, dass sie sich von sich selbst und ihrer Umgebung entfremden.

Die Teilnehmer investieren während eines Jahres maximal drei ganze Tage pro Woche für diese Ausbildung. Was sind das für Leute, die so viel Zeit in ihren Glauben investieren?
Das sind Leute, denen das religiöse Engagement wichtiger ist als das berufliche Fortkommen. Wenn junge Leute wegen dieser Ausbildung ihr Studium unterbrechen und sich ihre Berufsaussichten verbauen, dann ist das verantwortungslos.

Gemäss Kursübersicht steht das Bibelstudium im Vordergrund dieser Ausbildung. An Bibelstudium ist doch nichts verkehrt.
Es ist nicht problematisch, die Bibel zu lesen. Es stellt sich die Frage, wie man sie auslegt. Die Freikirchen verstehen die Bibelzitate eins zu eins als Wort Gottes, nicht als Gleichnisse, wie das die reformierte oder die katholische Kirche tun. Dadurch entsteht ein radikales Verständnis des Glaubens. Aber im Kursprogramm ist auch die Rede von Leidenschaft und der Liebe für das Wort Gottes, da fehlt eindeutig die Distanz zum eigenen Glauben.

Ein Kursmodul heisst Leadership-Challenge. Was vermuten Sie dahinter?
Dort werden die Leute zu Eliten ausgebildet. Eliten, zu denen die Anderen hochsehen werden. Sie sind nachher in der Lage, eigene Gruppen zu bilden und zu führen. Das College bildet die Mitglieder zu effizienteren Missionaren aus.

Welchen Zweck verfolgt diese Schule?
Es ist eine strenge, religiöse Schulung, die Mitglieder setzen sich intensiv mit Glaubensfragen auseinander. Dadurch wird der Glaube zum absoluten Lebensinhalt. Ausserdem stärkt das College den Eifer der Mitglieder, ein frommer Christ zu werden. Und schliesslich werden die Teilnehmer stärker in das System ICF eingebunden und dadurch besser kontrollierbar. Dieses College indoktriniert die Mitglieder.

Erstellt: 13.11.2008, 10:02 Uhr

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