Winterthur wirbt Spitzenmediziner ab

Am Kantonsspital Winterthur wird ein Spitzenmediziner der Hirslanden-Klinik Chef der Urologie. Er kehrt dem Privatspital den Rücken, weil ihm die Arbeit dort zu einseitig ist.

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Hubert John, einer der renommiertesten Urologen in ganz Europa, kehrt an ein öffentliches Spital zurück. Nächstes Jahr, frühstens im Mai, verlässt der 47-jährige Spitzenmediziner die Privatklinik Hirslanden und übernimmt die Leitung der Urologie am Kantonsspital Winterthur.

Der aus Obwalden stammende John (der Name wird nicht englisch ausgesprochen) ist Spezialist für Operationen im Unterleib – etwa bei der Entfernung der Prostata – mit der sogenannten Schlüssellochmethode. Dabei operiert er durch kleinste Öffnungen in der Bauchdecke, was die Heilung massiv verkürzt. John benützt bei Operationen Roboter, deren Einsatz in der Schweiz er massgeblich gefördert und vorangetrieben hat.

Spürbarer Einkommensverlust

Als John vor drei Jahren das Uni-Spital verliess und an die Klinik Hirslanden wechselte, war das ein herber Verlust und nagte am Selbstbewusstsein der Universität Zürich als Standort der Spitzenmedizin. Das Privatspital hatte eigens für ihn einen 2 Millionen Franken teuren Operationsroboter angeschafft und John beste Bedingungen für den Aufbau eines neuen Urologiezentrums geboten – auch finanziell. «Der Stellenwechsel nach Winterthur bedeutet für mich einen spürbaren Einkommensverlust», bestätigt John. «Aber Geld ist nicht mein wichtigster Motivator.» Er bevorzugt jetzt das öffentliche Winterthurer Spital, weil er hier jüngeren Kollegen sein Fachwissen weitergeben könne. «Ich habe mir mein Rüstzeug an öffentlichen Spitälern geholt. Jetzt möchte ich der Öffentlichkeit auch etwas zurückgeben.»

«Totale Ausrichtung auf Profit»

John betont, dass ihm die Hirslanden-Klinik technisch sehr gute Arbeitsmöglichkeiten geboten habe. «Aber die totale Ausrichtung auf Umsatz und Profit im Privatsektor» habe für seine Arbeit auch negative Seiten. Am Hirslanden hat John zwar Assistenten, diese dürfen dort aber nicht selber operieren, denn schliesslich erwarten die Privatpatienten eine Behandlung durch den Chef persönlich. In Winterthur wird John seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen können, sich das handwerkliche Können unter seiner Anleitung anzueignen. John lobt das Winterthurer Spital für seine «ausgezeichnete Urologie» und für seine «offene und kollegiale Betriebskultur».

Spitaldirektor Rolf Zehnder begrüsst den Zugang des «renommierten Topspezialisten» in seinem Spital. John löst den bisherigen Urologie-Chef Peter Jaeger ab, der im Mai 2009 in Pension geht. Anderseits bedauert die Hirslanden-Klinik den Abgang des Mannes, den sie vor drei Jahren mit viel Geld beim Uni-Spital abgeworben hat. John habe im Hirslanden «Pionierarbeit» geleistet. Das Privatspital will mit seinen verbleibenden Spezialisten das Urologiezentrum weiterbetreiben und sogar ausbauen.

Hubert John.

Erstellt: 30.10.2008, 22:43 Uhr

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