Kapo geht mit 400 PS ökologisch auf Verbrecherjagd

Die Kapo Zürich hat als erste Polizei einen elektrischen Allrad-Audi für Autobahnpatrouillen gekauft. Er soll nun 400'000 Kilometer lang getestet werden.

Schnell und ökologisch: Das neue Fahrzeug der Kantonspolizei Zürich mit Logistik-Chef Roger Bührer.

Schnell und ökologisch: Das neue Fahrzeug der Kantonspolizei Zürich mit Logistik-Chef Roger Bührer. Bild: Ruedi Baumann

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Die Kantonspolizei Zürich startet im Februar eine Testphase mit einem vollelektrischen, allradbetriebenen Patrouillenfahrzeug mit Komplettausrüstung für den Einsatz auch auf Autobahnen. Das Auto: ein 2,7 Tonnen schwerer Audi e-tron 55 Quattro, 407 PS stark, 200 km/h schnell und mit einer Reichweite von 417 Kilometern.

Der Listenpreis für die zivile Version beträgt 93'000 Franken, dazu kommt die Polizeiausrüstung. Die Kapo habe für das Testfahrzeug «weniger als 100'000 Franken» ausgegeben, sagte Roger Bührer, Chef Logistik bei der Kapo, an einer Medienkonferenz in Winterthur.

Fahrzeuge werden ökologischer

«Als Polizei ist man auch Vorbild», sagt Kapo-Kommandant Thomas Würgler. Auf Anweisung des Regierungsrates ist die Kapo zu einer Emissionsminderung ihrer 700 Fahrzeuge verpflichtet. Bis Ende Jahr sollen 23 Prozent aller Fahrzeuge über alternative Antriebe verfügen. Bereits heute hat die Kapo 23 Erdgasfahrzeuge, 44 Hybridautos und 12 vollelektrische, die vor allem im Kurzstreckendienst eingesetzt werden – etwa am Flughafen.

Warum hat sich die Kapo als angeblich erstes Polizeikorps Europas für einen Audi-Offroader entschieden? Die Kapo Basel-Stadt kaufte 140'000 Franken teure X-100-D-Teslas, die Kantonspolizei St. Gallen Hyundai Konas. «Wir haben mit unseren vielen Autobahnkilometern eine besondere Ausgangslage», sagt Roger Bührer. Die Zürcher haben zudem aus der unausgegorenen Tesla-Beschaffung in Basel gelernt. Die Firma Tesla hat nämlich Zugriff auf die GPS-Daten und die Sprachsteuerung und könnte somit auch den Funkverkehr mithören. Tesla dementiert dies allerdings.

«Es geht natürlich nicht, dass eine Firma die Kontrolle über unsere Daten hat.»Thomas Würgler,
Kapo-Chef

«Es geht natürlich nicht, dass eine Firma die Kontrolle über unsere Daten hat», sagt Kommandant Würgler. In Zürich wurde deshalb von Beginn weg der Datenschützer mit einbezogen. Was die Kapo nicht ausdrücklich sagt: Das Vertrauen in eine deutsche Autofirma dürfte bezüglich Datensicherheit grösser sein als bei einem US-Hersteller.

Ein weiterer Grund, der gegen Tesla sprach: Ein Polizeiauto muss über eine Can-Bus- Datenschnittstelle für polizeispezifische Anforderungen verfügen. Dazu gehören Unfalldatenspeicher, Dachbalken, Funk oder Nachfahrmessung. Der Tesla hat keine solche Schnittstelle.

Kameras statt Rückspiegel

Der neue e-Audi ist neben einem windschlüpfrigen Dachbalken mit vielen weissen und blauen Blitzern ausgerüstet sowie mit Signalisations-, Absperr-, Rettungs-, Foto- und Personenschutzmaterial. Er ist somit das erste vollelektrische und allradbetriebene Fahrzeug, das die Anforderungen für ein Einsatzfahrzeug der Verkehrspolizei im Kanton Zürich erfüllt.

«Das Auto ist keine Blechkiste auf vier Rädern, sondern ein Computer.»Roger Bührer,
Logistikchef Kapo Zürich

Zudem hat der Audi keine Aussenrückspiegel, sondern bloss kleine Videokameras und Displays dort, wo sonst die Rückspiegel sind. Die Kapo will ihr neustes Polizeiauto nun bis zum Erreichen von 400'000 Kilometern testen und damit die Langlebigkeit der Batterien und die genauen Betriebskosten prüfen.

Und wie fährt sich der Bolide? «Wie ein anderes Auto der Luxusklasse», sagt Thomas Gassmann vom Fahrzeugdienst. Er beschleunigt lautlos, kräftig und gleichmässig. Für die Fahrer, die mit dem e-Audi ab Stützpunkt Urdorf nun regelmässig patrouillieren, ist am Anfang aber vieles gewöhnungsbedürftig. «Er ist keine Blechkiste auf vier Rädern, sondern ein Computer», sagt Roger Bührer. Die Aufladezeit beträgt vier bis fünf Stunden. Der e-Audi kann also nicht 24 Stunden am Tag auf der Autobahn eingesetzt werden.

Erstellt: 16.01.2020, 16:30 Uhr

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