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Katzen auf eisernen Gefährten

Die «Iron Cats» sind das beste Zürcher E-Hockey-Team. Die jungen Rollstuhlfahrer sind flinker als mancher Fussgänger.

«Wildcats» heissen die Stadtzürcher Basketballer, «Iron Cats» nennen sich die besten Elektro-Rollstuhl-Hockey-Spieler (E-Hockey) der Stadt. Sie stellen Mannschaften in drei Stärkeklassen, wobei das erste Team regelmässig um den Schweizer-Meister-Titel spielt. Gleichzeitig stellt es auch einen Grossteil der Spieler der Nationalmannschaft. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern steckt der Sport in der Schweiz allerdings noch in den Kinderschuhen. «Für das Nationalteam suchen wir Sponsoren und Gönner, um das Ganze endlich professionell aufzuziehen», erklärt Jan Oehninger.

Der 23-jährige Ostschweizer wohnt seit sieben Jahren im Mathilde-Escher-Heim und engagiert sich stark für den E-Hockey-Sport. Er ist gleichzeitig als Spieler wie auch im Vorstand der Iron Cats aktiv und gehört zum Kader des Nationalteams. «Ein Höhepunkt war die EM 2008 in Belgien. Zwar haben uns die Turniersieger, die Niederländer, 22 zu 1 geschlagen», sagt Oehninger. Gleichzeitig sei ein internationales Turnier eine einmalige Gelegenheit um zu sehen, was in diesem Sport alles möglich sei.

Das Duell: Zürich gegen Bern

Ein Grossteil der Spieler der Iron Cats lebt wie Oehninger im Mathilde-Escher-Heim (MEH) beim Balgrist. Es ist spezialisiert auf Jugendliche mit der Muskelkrankheit Duchenne. Im Gebäude, das gerade umgebaut wird, hängen an einer Wand Wimpel der Stickdrivers Arnheim und des E-Hockey-Teams Torpedo Ladenburg. Pokale aus Mailand, München und Nottwil bezeugen die Erfolge der Lokalmatadore. Da es in der Schweiz im Unterschied zu Italien, Deutschland oder Holland noch keine Liga gibt, messen sich die hiesigen E-Hockey-Teams an Turnieren im In- und Ausland. An einem eintägigen Turnier wird jedes Jahr um die Schweizer Meisterschaft gespielt. Dieses Jahr geschieht dies am 12. Juni in Sursee.

Härtester Konkurrent der Zürcher ist dabei die Mannschaft aus der Hauptstadt. Die Iron Cats wurden fünfmal in Serie Schweizer Meister. Die letzten zwei Jahre gewann aber das Berner Team «The Rolling Thunder» den Titel. «In diesem Jahr wollen wir ihn unbedingt zurückholen», so Oehninger.

Von einem Fussgänger betreut

Dafür trainieren Oehninger und seine Kollegen einmal pro Woche in der Turnhalle Heilighüsli in Witikon. Anders als die zweite und dritte Mannschaft, wird das erste Team von einem Fussgänger betreut. Trainer ist der 21-jährige Sportstudent Raphaël Mathis. Der Bassersdorfer absolvierte im MEH seinen Zivildienst. «Am Anfang habe ich die Spieler mit Samthandschuhen angefasst. Nach eineinhalb Jahren kennen wir einander aber so gut, dass ich einen Spieler auch mal zusammenstauche, wenn er schlecht spielt.»

Beim E-Hockey stehen sich je vier Spieler und ein Goalie gegenüber. Der Torhüter sowie ein Feldspieler spielen dabei mit einem «T-Stick», einem am Rollstuhl befestigten Schläger. Zusammenstösse werden meist als Foul abgepfiffen. «Kippt ein Rollstuhl, kann es zu Verletzungen wie Beinbrüchen kommen», erklärt Mathis. Für ihn sei es wichtig, die Konzentration der Spieler zu fördern. «Nehmt Fouls nicht persönlich. Bleibt ruhig. Gegen Bern wird es auch wehtun», mahnt er im Training.

Der wöchentliche Transport nach Witikon könnte den Iron Cats in Zukunft erspart bleiben. «Nach dem Umbau hat das MEH eine eigene Turnhalle. Ob wir sie zum Training benützen können, ist aber noch unklar», sagt Raphael Bachmann, 22-jähriger Kassier der Iron Cats und Nationalspieler. «Wir wollen weg vom Jöö-herzig-Image und als Sportler ernst genommen werden.»

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