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Keine Gnade mit pädophilen Lehrern

Vergeht sich ein Lehrer an Kindern, wird ihm künftig in jedem Fall das Diplom entzogen – auch wenn sich der Vorfall nicht in der Schule ereignet.

Von Liliane Minor Zürich – Bereits heute ist der Kanton Zürich streng mit Lehrern, welche pädophile Neigungen zeigten, sei es mit Bemerkungen, Belästigungen, Berührungen, oder indem sie Kinderpornografie konsumieren. Die Täter riskieren, ihr Lehrerdiplom für einige Jahre oder sogar lebenslang zu verlieren. Allerdings war diese Praxis im Gesetz bisher zu wenig verankert. Nun wird das Gesetz angepasst – und gleichzeitig soll die bisherige Praxis verschärft werden: Wird ein Lehrer wegen eines Verstosses gegen die sexuelle Integrität eines Kindes bestraft, muss ihm die Bildungsdirektion zwingend das Diplom entziehen – und zwar unabhängig vom Schweregrad und davon, wann und wo er sich die Verfehlung zuschulden kommen liess. Wird ein Lehrer danach wieder beschäftigt, kann die Bildungsdirektion Auflagen machen, zum Beispiel eine Therapie oder regelmässige Supervision. Die neue Regelung soll für alle Schulstufen gelten. Der Kantonsrat hat die entsprechende Gesetzesänderung gestern in erster Lesung beraten. «Unsere Praxis ist sehr streng», sagte Corinne Thomet (CVP, Kloten), «und das ist auch richtig so.» Claudia Gambacciani (Grüne, Zürich) fand, die Verschärfung der bisherigen Praxis sei verhältnismässig: «Es geht um den Schutz unserer Kinder.» Gerade in der grünen Fraktion gibt es aber auch kritische Stimmen gegen die neuen Paragrafen. Die Verwaltung gebe den bisherigen Ermessensspielraum aus der Hand, sagte Markus Bischoff (AL, Zürich), was zu unnötigen Härtefällen führen könnte: «Wenn ein 22-jähriger Lehrer mit einem 15¾ Jahre alten Mädchen, das nicht einmal seine Schülerin ist, einvernehmlich Geschlechtsverkehr hat, müsste man ihm das Patent entziehen.» Bischoff zweifelte auch daran, ob in jedem Fall ein Berufsverbot angezeigt ist, wenn ein Lehrer Kinderpornografie konsumiert. Bildungsdirektorin Regine Aeppli konnte diese Kritik nicht nachvollziehen: «Es braucht eine strenge und konsequente Praxis.» Das gelte auch für Kinderpornografie: «Diese Bilder beruhen auf einem Verbrechen.» Die Bildungsdirektion behalte genügend Spielraum für leichte Fälle, da die Dauer des Diplomentzugs nicht festgelegt sei. Das Gesetz wird in rund vier Wochen in zweiter Lesung beraten und höchstwahrscheinlich mit grosser Mehrheit verabschiedet. «Die Verschärfung der bisherigen Praxis ist verhältnismässig. Es geht um den Schutz unserer Kinder.» Claudia Gambacciani

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