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Kinderkonferenz der UNO tagte in Uster

Junge Menschen aus der ganzen Schweiz haben das Thema Privatsache diskutiert und ihre Forderungen präsentiert.

Von Jan Lüthi Uster &endash Bereits die Babylonier hätten gewusst, dass die heutige Jugend von Grund auf böse, verdorben, gottlos und faul sei, sagte der Ustermer Stadtpräsident Martin Bornhauser (SP) bei seiner Rede zum Abschluss der dreitägigen Kinderkonferenz am Samstag im Gemeinderatssaal des Stadthauses Uster. «Im Lauf der Konferenz habt ihr uns aber das Gegenteil bewiesen.» Gewaltfreie Erziehung, Facebook-Aufklärung an den Schulen, ein klares Nein zur Schuluniform und die Forderung nach Freiräumen für Kinder und Jugendliche: Die Positionen der Teilnehmer, die sich im Lauf der Konferenz herausgeschält hatten, waren klar und deutlich. «Hier an diesem Ort werden seit fast 50 Jahren wichtige Entscheidungen gefällt», sagte Usters Stadtpräsident am Samstag weiter, «und zwar von grauhaarigen Konservativen.» Seit jedoch die Jungen die Räume in Beschlag genommen hätten, wehe hier ein frischer Wind. Denn sie würden die Welt kritisch hinterfragen, sich einbringen und dabei lernen, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb müssten die Erwachsenen auf sie hören. Internet und Motionsrecht Während dreier Tage haben die teilnehmenden Kinder zum Thema Privatsache diskutiert, recherchiert und Lösungen gesucht. Sie rekrutierten sich aus Schulklassen, Schulparlamenten und Schülerorganisationen aus der ganzen Schweiz. Wichtig schien insbesondere &endash weil bisher von der Politik vernachlässigt &endash der Umgang mit den neuen Medien. An der Schlussveranstaltung am Samstag präsentierten sie mögliche Szenarien und entsprechende Forderungen in Form von Sketchs, Filmen und Vorträgen. Besonderes Gewicht wurde dabei auf das soziale Netzwerk Facebook gelegt. Die Konferenzteilnehmer forderten eine gezielte Schulung der Jungen in Sachen Umgang mit dem Internet. Auch Freiräume waren ein grosses Anliegen: Teil der Konferenz war eine Exkursion zum Abenteuerspielplatz Holzwurm, wo ein besonderer Abschnitt nur Kindern zugänglich ist und ihnen daher mehr Privatsphäre bietet. Daniel Goldberg, Jugendbeauftragter der Stadt Uster, forderte mehr Beteiligung der Jungen an der Politik und deutete die Konferenz als ein Zeichen mit grosser Ausstrahlung. «Hier im Gemeindesaal waren die Kinder im Stadtbild präsent», sagte Goldberg. Um diese Präsenz weiter auszuweiten, schlug er vor, die Schulhausparlamente zusammenzufassen und den Schülern ein Motionsrecht zuzugestehen, damit die offizielle Politik sich mit gewissen Themen beschäftigen müsse. Bei Abstimmungen will er den Jungen ein konsultatives Stimmrecht geben. Freiraum und Gruselnacht Den Teilnehmenden war der Enthusiasmus anzumerken. Die elfjährige Doroteja Antunovic aus Wil SG beispielsweise war begeistert über die Möglichkeit, mitreden zu dürfen. «Wir haben viel gearbeitet, die Diskussionen waren sehr anregend.» Ihnen sei auch in der Freizeit viel Freiraum geboten worden. «Besonders genossen habe ich die Lagerstimmung und die Gruselnacht.» Ihre 14-jährige Kollegin Luana Jamee Basler aus Zug ergänzte, dass es Spass gemacht habe, so viele Kinder und Jugendliche aus der ganzen Schweiz zu treffen und sich mit ihnen über wichtige Anliegen und Probleme zu unterhalten. Die beiden Schülerinnen hoffen nun, dass die Präsentation der Ergebnisse im Bundeshaus Früchte tragen wird. Diese Chance dürfte sich bald einmal bieten. Die Resultate der diesjährigen UNO-Kinderkonferenz werden nämlich dem Bundesparlament vorgestellt. Nationalrat Geri Müller verhilft der Kinderlobby zu einem Auftritt in Bern. «Der Erfolg der Schweiz beruht auf der politischen Partizipation», sagte der Grüne aus Baden. «Doch ein Fünftel der Bevölkerung &endash die unter 18-Jährigen &endash sind davon ausgeschlossen.» Dieses Fünftel aber stelle die Zukunft dar. Bereits gefruchtet hat die Idee, den Jungen eine politische Stimme zu geben. Der Elan, mit dem beim Gegenstand der Konferenz in die Tiefe gegangen wurde, ist bemerkenswert. Dabei verhielten sich die Teilnehmer der Kinderkonferenz, wie man es eigentlich von erwachsenen Politikern erwartet: pragmatisch Positionen erarbeiten und dann mittels harmonischen Diskurses zu einem guten Ergebnis kommen. Wenn dies der Nachwuchs der Politik ist, ist die Zukunft der Schweiz in guten Händen.

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